CORONA Arbeitsagentur: 15 Prozent weniger Ausbildungsstellen

„Fachkräftemangel bleibt“

Auch das Verarbeitende Gewerbe hält sich aktuell in Sachen Ausbildung in Bremen zurück. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat einen steuerlichen Ausbildungsbonus gefordert, um in der Corona-Krise die Ausbildung in den Betrieben zu sichern. Foto: DPA

Bremen - Von Martin Kowalewski. Corona trifft auch den Ausbildungsmarkt. Ende April gab es mit 4 317 gemeldeten Ausbildungsstellen 760 Plätze oder 15 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Um Unternehmen trotz aktuell anderer Sorgen zum Ausbilden zu ermutigen und Schulabgänger zur Bewerbung zu animieren, lud die Agentur für Arbeit für Mittwoch zum Pressegespräch ein.

Joachim Ossmann, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, sagt, der aktuelle Rückstand beim Ausbildungsangebot gebe Anlass zur Besorgnis. Ossmann: „Wir wissen, die Unternehmen haben andere Sorgen. Aber der Fachkräftemangel bleibt.“ Noch gebe es im Vorjahresvergleich weniger Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, so Ossmann weiter. Oft genutzte Übergangsangebote wie Work & Travel oder auch Au Pair würden wegen der Beschränkungen wahrscheinlich nicht realisiert werden können.

Er geht davon aus, dass die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen zum Herbst ansteigt. Zur Zeit herrsche der Eindruck, alles sei auf Eis gelegt. Tatsächlich sei das Ausbildungsgeschehen aber in vollem Gange. Allerdings hielten sich einige von der Krise stark betroffene Branchen zurück – so die Hotel- und Gastronomiebranche, der Handel und das Verarbeitende Gewerbe. Zum Gespräch bei der Arbeitsagentur sind neben dem Führungspersonal auch Azubis von der Lampe & Schwartze gekommen, einem Vermittler für Versicherungsdienstleistungen in Bremen.

André Grobien, geschäftsführender Gesellschafter, hofft, dass auch in diesem Jahr vier oder sogar fünf Auszubildende eingestellt werden können. „Wir machen das seit Jahren. Und wir glauben, dass, wenn wir das nicht tun, wir zukünftig ein Problem bekommen, wenn die Welt wieder normal ist“, sagt er. „Wir sehen das auch als einen gesellschaftlichen Auftrag.“ Junge Menschen würden zudem wertvolle neue Sichtweisen ins Unternehmen einbringen.

Der Dienstleister setzte wegen des Corona-Virus für etwa zwei Monate auf Home-Office für jeweils eine Hälfte der Belegschaft im wöchentlichen Wechsel. Das betraf auch die Azubis. „Wir haben uns natürlich auch gefragt, welche Hemmnisse gibt es. Können wir die Inhalte in dieser herausfordernden Zeit vermitteln?“, so Matthias Böhm, Mitglied der Geschäftsleitung. Die jungen Menschen seien bei der Arbeit mit digitalen Medien sehr selbstständig. „Uns muss nicht alles vorgegeben werden“, sagt Laurentius Esterhues, angehender Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Den Austausch hätten die Azubis etwa in Videokonferenzen gut geschafft.

Appell an Unternehmen

Wirtschaftsdeputation, Handelskammer und Arbeitsagentur kämpfen für Ausbildungen: Der Vorsitzende der Wirtschaftsdeputation, Christoph Weiss, (CDU) und sein Stellvertreter Volker Stahmann (SPD) appellieren an die Bremer Unternehmen, Ausbildungsplätze zu sichern und Azubis trotz der Corona-Krise zu übernehmen. Die Handelskammer Bremen setzt sich ebenfalls dafür ein, dass Ausbildungen trotz Corona weitergehen und spricht von kreativen Lösungen. So konnten Azubis ihre Ausbildung übergangsweise in anderen Betrieben weiterführen oder wurden bei Insolvenz neu vermittelt. Mit zehn Prozent gebe es weniger Vertragslösungen als im Vorjahr. Die Kammer hat ein Zehn-Punkte-Programm zur Sicherung der Ausbildung während der Pandemie vorgelegt. Eine Idee ist, Unternehmen, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten, mit einem Bonus zu fördern. Joachim Ossmann, Chef der Bremer Agentur für Arbeit, sieht in Insolvenzen eine Gefahr für Ausbildungen. Deren Zahl liege aber unter dem Vorjahresniveau. Die Agentur für Arbeit hat unter der Rufnummer 0421/178-1245 eine Hotline für Ausbildungsplatzsuchende eingerichtet (Montag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr, Donnerstag, 14 bis 16.30 Uhr). Unter der Rufnummer 0800/45555 20 können Unternehmen freie Lehrstellen melden. mko

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