Experten treffen sich beim Krebskongress

„Alter ist keine Krankheit“

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Prof. Dr. Wolfgang Sendt vom St.-Joseph-Stift.

Bremen - Von Steffen Koller. Bremen Bremen - Von Steffen Koller. Krebs fordert pro Jahr fast 225000 Todesopfer in Deutschland, allein 2014 erkrankten bundesweit rund eine halbe Million Menschen an einer bösartigen Zellneubildung im Körper – und die Wahrscheinlichkeit, im Alter zu erkranken, ist signifikant höher. Der 14. Bremer Krebskongress, der seit gestern im Swissôtel veranstaltet wird, beschäftigt sich mit diesem Thema. Unter dem Motto „Der alte und der sehr alte Krebspatient“ wollen die Organisatoren vor allem zwischen den einzelnen medizinischen Disziplinen einen Austausch schaffen und Wissen vermitteln.

Die gute Nachricht schickte Prof. Ernst Heinrich Schmidt von der Bremer Krebsgesellschaft gleich vorweg: „Heute stellt sich nicht mehr die Frage, ob Krebs heilbar ist, vielmehr müssen wir uns fragen, ob die Ressourcen dafür vorhanden sind.“ Besonders mit Blick auf die frühen Anfänge Ende der 80er Jahre, als es Krebsoperationen noch „wahrlich in sich hatten“, hätten sich die medizinischen Erkenntnisse sehr positiv entwickelt. Heute gäbe es Impfungen gegen Krebs, die Chancen geheilt zu werden, seien enorm gestiegen.

So sehr im Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, an Krebs zu erkranken, so sehr sinkt auch die Chance, die Erkrankung zu überleben – so die weitläufige Meinung bisher. Doch das stimme so nicht mehr, die Ansicht sei überholt, sagte Prof. Dr. Wolfgang Sendt vom St.-Joseph-Stift Bremen. So sei Krebs im Alter nicht weniger heilbar, es sei vielmehr wesentlich aufwendiger, den Patienten zu einer vollständigen Genesung zu therapieren. „Alter an sich ist keine Krankheit mehr“, sagte Sendt und fügte an: „Das funktioniert nur in einem interdisziplinären Austausch vieler Fachrichtungen.“ Genau deshalb treffen sich seit 1989 zum nunmehr 14. Mal Mediziner, Soziologen, Psychologen und auch Therapeuten aus ganz Deutschland um ihre Erkenntnisse mit Fachkollegen auszutauschen. „Die Zeiten, als allein der Chirurg der Heilsbringer war, sind längst vorbei“, sagte Sendt und verweist auf das breite Spektrum der Vorträge, die auf dem Kongress gehalten wurden und werden. Gestern präsentierten Schüler der „International School Bremen“ in zehn Vorträgen ihre Erkenntnisse, die sie aus einem Forum erarbeitet haben.

Heute geht es um das ganze Spektrum der Erkrankung. Bei mehr als 30 Vorträgen zu Themen wie Vorsorge, Patienteninformation, Chemotherapie, Diagnostik und Sex im hohen Alter wird das Publikum informiert. Denn auch die Organisatoren wissen: „Hinter jedem Teilgebiet verbergen sich riesige Baustellen, gerade wenn man den Sparzwang vieler Kliniken mit bedenkt“, so Sendt, der sich vorrangig einen offenen Austausch und Lösungsansätze verspricht. Eines haben er und seine Kollegen nach mehr als 25 Jahren Krebskongress bereits gelernt: „Jede Zusammenkunft bringt neue Erkenntnisse.“

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