Klinikum Links der Weser versorgt Hochrisikoschwangere

Experten stehen vor Rätsel: Identischer ESBL-Keim

Blick in die Frühchen-Station des Klinikums Mitte bei der Wiedereröffnung im Januar. Seit gestern steht fest, dass die in der vergangenen Woche an drei Babys entdeckten ESBL-Keime den identischen Stamm wie die Keimfunde 2011 haben. Für die Neonatologie gilt nun ein unbefristeter Aufnahmestopp. Das Klinikum Links der Weser versorgt jetzt Hochrisikoschwangere. ·

Bremen - Von Elisabeth GnuschkeDie Experten der eingeschalteten Institute sowie die Verantwortlichen der Bremer Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) stehen vor einem Rätsel:

Die multiresistenten Darmkeime, die in der vergangenen Woche an drei Frühchen im Klinikum Mitte gefunden wurden, sind tatsächlich mit dem Stamm aus dem vergangenen Jahr identisch. Und niemand weiß bisher, wie es zu dem erneuten Keimbefall gekommen ist.

Drei Wochen früher als erwartet liegen die Ergebnisse aus dem Labor in Bochum vor. Und sie sind für die Verantwortlichen niederschmetternd: Die Keime haben mit „extrem hoher Wahrscheinlichkeit“ den identischen Stamm wie die Keimbefunde aus dem vergangenen Jahr, wie die Geno-Sprecher Karen Matiszick und Daniel Goerke gestern Abend mitteilten. Die Wahrscheinlichkeit sei etwa so hoch wie bei einem DNA-Test, nämlich fast 100 Prozent.

Bei dem Ausbruch im vergangenen Jahr waren drei Frühchen gestorben und mindestens 25 erkrankt. Die Frühchen-Station war daraufhin zwei Monate geschlossen, desinfiziert und komplett überholt worden. Kosten: 300 000 Euro. Doch all das nützte offenbar nichts, denn vor wenigen Tagen entdeckten die Mediziner bei Routineuntersuchungen (wir berichteten) an drei Babys erneut einen ESBL-Keim. Die Frühchen sind den Angaben nach mit Klebsiellen „besiedelt“, aber nicht infiziert, also nicht erkrankt. Alle anderen sieben Kinder auf der Neonatologie wurden, wie es hieß, negativ getestet, hatten keine Keime an sich. Sie befinden sich weiter auf der Frühchen-Station, während die drei betroffenen Babys isoliert sind. Auch das betreuende Personal werde streng von den übrigen Säuglingen getrennt, sagte Matiszick.

Den beiden Frühchen, die bereits über 2 000 Gramm wiegen, gehe es weiterhin gesundheitlich gut. Der Zustand des dritten Säuglings sei aufgrund des geringen Gewichts von etwa 600 Gramm kritisch. Dies, so Matiszick, habe jedoch nichts mit dem Keim zu tun.

Die leise Hoffnung der Verantwortlichen, dass es sich beim erneuten Keimbefund nicht um den identischen Stamm von 2011 handelt, wurde gestern jäh zunichte gemacht. In Bochum hatten die Experten offenbar auf Hochtouren gearbeitet, um in kürzester Zeit ein Ergebnis präsentieren zu können.

Noch stehen alle vor einem Rätsel. Wie der Keim auf die Station gekommen ist, ist weiter völlig offen. Sowohl die Hygiene-Experten aus Freiburg als auch die sofort eingeschalteten Fachleute des Robert-Koch-Instituts sind wieder abgereist und sichten die Unterlagen, um auf mögliche Zusammenhänge und Infektionswege zu stoßen.

Die Geno erhofft sich Aufschlüsse durch ausstehende Untersuchungsergebnisse auf der Station und durch das Personalscreening. Dabei, so hieß es, werden von knapp 50 Mitarbeitern jeweils zweimal im Abstand von einigen Tagen zwei Abstriche genommen. Auch die Frühchen werden weiter getestet.

Unterdessen gilt der am Freitag verhängte Aufnahmestopp für die Neonatologie unbefristet. Wie die Geno am Abend mitteilte, werden Hochrisikoschwangere bis auf weiteres vom Klinikum Links der Weser versorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“
Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos
Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz
Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Kommentare