Experten am Klinikum Mitte transplantieren Verbrennungsopfer

Ein neues Gesicht für Fariba

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Prof. Dr. Can Cedidi mit Fariba Moradi bei einer Nachuntersuchung im Klinikum Bremen-Mitte.

Bremen - Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Fariba Moradi bei der Explosion eines Gasherds schwerste Verbrennungen im Gesicht davongetragen hat. Damals war sie gerade mal drei Jahre alt. Seither bestimmt das tragische Unglück ihr Leben.

In ihrer Heimat Iran ist sie 23-mal operiert worden – ohne Erfolg. „Ich hatte zwar keine Schmerzen, aber mein Gesicht war entstellt“, erinnert sich die 26-Jährige. Soziale Isolation und berufliche Einschränkungen waren die Folge. In ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester fand sie keine Stelle. Mittlerweile hat sie ein Studium begonnen – Informationstechnologie.

„Mit dem Ergebnis der Operationen war ich nie zufrieden“, sagt Fariba. „Also habe ich im Internet nach Kliniken gesucht, die mir helfen können.“ Fündig geworden ist sie in Bremen. Die Experten der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Klinikum Bremen-Mitte verfügen über viel Erfahrung in der Verbrennungschirurgie. „Ein solcher Fall ist aber auch für uns außergewöhnlich“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Can Cedidi.

Gemeinsam mit zwei Oberärzten hat er zunächst die gesamte vernarbte Haut abgeschält. Mit Hilfe von Schablonen hat das Chirurgen-Team dann Teile der Haut aus dem Oberschenkel der Patientin präpariert. Für jede Gesichtspartie wurde ein separates Transplantat verpflanzt: Stirn, Nase, Wangen, Kinn. Auch Oberlippe und Augenlider waren betroffen.

Mit Klammern und Nähten wurden die unterschiedlichen Hautlappen miteinander verbunden. In den nächsten Wochen muss Fariba eine eigens für sie angefertigte Maske tragen. Der Druck und das Silikon der Maske sorgen für eine optimale Entwicklung der transplantierten Haut.

Nach Angaben der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno), zu der das Klinikum Mitte gehört, war ein derartiger Eingriff in Bremen wohl bisher einmalig. Weil bei dem Unfall auch Teile der Kopfhaut in Mitleidenschaft gezogen wurden und oberhalb der linken Schläfe keine Haare mehr wuchsen, mussten sich die Ärzte auch dafür etwas überlegen. Die Lösung: ein Expander. Dieser dehnbare Silikonbehälter wurde der Patientin unter die Kopfhaut gepflanzt. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird nun der Behälter mit Kochsalzlösung immer weiter gefüllt, die darüber liegende Haut gedehnt.

Erst dann beginnt die eigentliche Rekonstruktion. Flüssigkeit und Expander werden entfernt, das unbehaarte Narbengewebe herausgeschnitten und die „neue“ behaarte Kopfhaut zur Abdeckung darübergelegt.

„Der gesamte Eingriff war sehr aufwendig und kompliziert. Um ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen, mussten wir sehr präzise arbeiten“, erklärt Cedidi die Schwierigkeiten der Operation. „Das vernarbte Gewebe muss komplett und sehr exakt abgetragen werden. In diesem Fall reichten die Narben sehr tief bis ins Fettgewebe hinein.“ Ohne Risiko sei ein Eingriff dieser Größenordnung nie. Es bestehe immer die Gefahr, dass Teile der Haut nicht richtig anwachsen oder sich infizieren. „Jetzt, mehr als einen Monat nach der Operation, können wir sehr optimistisch sein. Der Heilungsprozess verläuft optimal. Die transplantierte Haut ist komplett eingeheilt“, sagt der Chefarzt.

Auch die 26-jährige Fariba ist mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. In einigen Wochen folgen die letzten Korrekturen: Narben werden geglättet, der Expander entfernt. „Ich freue mich auf ein neues Kapitel in meinem Leben“, sagt Fariba – vielleicht bald als Krankenschwester in ihrer Heimat Iran.gn

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