„Viel Luft nach oben“

Innenstadtforum: Experten geben Bremens City schlechte Noten

+
Bremer Macher: Unternehmer und Projektentwickler Kurt Zech (l.) und Jens Lütjen vom Immobilienunternehmen Robert C. Spies beim Einzelhandelsforum im Haus der Bürgerschaft.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Zeugnis der Experten für Bremens Innenstadt fällt nicht gerade positiv aus. Von „Unorten“ und „viel Luft nach oben“ ist am Montagabend die Rede beim „Forum Innenstgadt Bremen 2025“ von Handelskammer und Senat im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft.

Die Liste der Orte mit Nachholbedarf ist lang: Lloydhof, altes Sparkassengebäude am Brill, Wallanlagen, Bahnhofsvorstadt, Bremer Carré und Kontorhaus sind nur einige Projekte, die Jens Lütjen vom Immobilienunternehmen Robert C. Spies aufzählt. Damit macht er zugleich deutlich, wo es in der Bremer Innenstadt großes Potenzial gibt.

Keine Frage, Bremen könne Pluspunkte sammeln – mit Weser und historischer Bausubstanz, mit einer kompakten Innenstadt, flankiert von Wasser und Wall, sagt er. Und doch gebe es immer noch diese „Unorte“, „Objekte ohne Flair“, was ihn „unglaublich traurig macht“. Dazu zählt der Experte unter anderem den Domshof, für den er sich „fremdschämen“ würde, und die Bahnhofsvorstadt. Letzteren sehe er „sehr kritisch“, die Wallanlagen hingegen als „extrem wichtig“ für die zukünftige Konkurrenzfähigkeit Bremens.

Bremen, so wird auch beim Vortrag des Hamburger Handelsexperten Olaf Petersen deutlich, spielt zwar fußballtechnisch erste Liga, doch städtebaulich nur zweite Geige. Er kommt mit Zahlen. Zahlen, die zeigen, dass Bremen im Vergleich zu anderen Städten mit einer halben Million Einwohner doch mächtig an den Rand gedrückt wurde. So weist die Hansestadt im Vergleich zu Hannover zwar mehr Verkaufsfläche insgesamt auf, doch verteilt sie sich in Bremen eher auf die großen Shopping-Malls außerhalb der Innenstadt. „Waterfront“, Weserpark und Co. „graben der Innenstadt das Wasser ab“, sagt Petersen.

Möglichkeiten, dem Trend entgegenzuwirken

Betrachte man Faktoren wie demographische Entwicklung, Standort und Einzelhandel landet Bremen in einem von seinem Unternehmen durchgeführten Ranking auf Platz 18 – von 20. 66  von möglichen 100 Punkten werden erreicht. Petersen: „Es ist eine ordentliche Position, aber auch ordentlich Luft nach oben.“

Dabei gibt es Möglichkeiten, dem Trend entgegenzuwirken, sagt Markus Preißner vom Institut für Handelsforschung in Köln. Umfragen zufolge sei der Einkauf (Schuhe, Kleidung, Lederwaren) das Primärziel für einen Besuch in Großstädten, so auch in Bremen. Besonders mit Flair und Ambiente könne man bei Besuchern punkten, doch allein der erste Blick auf den Bahnhofsvorplatz sei „etwas bescheiden“, so Preißner diplomatisch. Speziell mit Blick darauf, dass heute schon jeder dritte Euro im Onlinehandel umgesetzt werde, müssten Innenstädte etwas Besonderes bieten, sich abheben. Doch Bremen sei hier „relativ im Durchschnitt“. Aus seiner Arbeit wisse er, Besucher wollten ihren Einkauf „so schön wie möglich, so einfach wie möglich“ abwickeln. Einkaufen als Erlebnis.

Einer, der sich traut, große Projekte anzugehen, ist Kurt Zech. Der Bremer Unternehmer sorgt mit seinen Plänen für Aufsehen, das Parkhaus Mitte abzureißen und eine „City-Galerie“ samt Flaniermeile von der Lloyd-Passage über Obernstraße bis hin zur Schlachte zu bauen. Am Montag bleibt er zurückhaltend, was sein Vorhaben angeht. Man müsse Innenstadt „neu denken“, mehr Vielfalt und neue Shoppingkonzepte in die Stadt holen. „Die Zeit war noch nie so günstig“, sagt er und bläst damit ins gleiche Horn wie Jens Lütjen: „Der Roland allein wird die Stadt nicht retten.“ Würden solche Bauvorhaben nicht ernstgenommen, verpasse Bremen „eine historische Chance“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Einzelkritik: Mit Bargfrede ist Werder besser

Einzelkritik: Mit Bargfrede ist Werder besser

Bilder der steilsten Standseilbahn der Welt

Bilder der steilsten Standseilbahn der Welt

Palästinenser weisen US-Äußerungen zu Klagemauer zurück

Palästinenser weisen US-Äußerungen zu Klagemauer zurück

Weihnachtskonzert in der Sporthalle der Wiedauschule

Weihnachtskonzert in der Sporthalle der Wiedauschule

Meistgelesene Artikel

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Umschlag in den Bremischen Häfen auf Vorjahresniveau

Umschlag in den Bremischen Häfen auf Vorjahresniveau

Verdächtiges Paket in Bremen entdeckt - Entwarnung nach Großeinsatz

Verdächtiges Paket in Bremen entdeckt - Entwarnung nach Großeinsatz

Kommentare