Totschlag bei Zechgelage

Experte: Opfer verblutete durch Stich in die Zunge

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Die Angeklagte (Mitte) soll im August ihre 63 Jahre alte Nachbarin nach einem Streit getötet haben. Für die Frau übersetzt eine Dolmetscherin (rechts). Links im Hintergrund: der Verteidiger der Angeklagten, Mark Waisbuch.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Verfahren gegen eine 80-jährige Frau, der die Staatsanwaltschaft vorwirft, im August 2016 ihre Nachbarin (63) nach einem Zechgelage in Huchting getötet zu haben, geht in die entscheidende Phase. Im Prozess wegen Totschlags vor dem Landgericht Bremen sagte am Montag ein Rechtsmediziner aus. Laut seiner Ausführungen sei die Frau sowohl verblutet als auch an ihrem eigenen Blut erstickt. Ob für den Tod der 63-Jährigen nur eine Person verantwortlich war, könne anhand der Obduktion zumindest bezweifelt werden.

Todesursächlich war nach Angaben des Facharztes für Rechtsmedizin demnach ein Messerstich, der den Mundraum und die Zungenwurzel verletzte. Aufgrund des daraus resultierenden hohen Blutverlustes und der zuvor eingetretenen Bewusstlosigkeit der Frau, sei sie entweder an ihrem eigenen Blut erstickt oder vorher verblutet. Da laut Anklage aber vor den tödlichen Messerstichen auch eine Blumenvase als Schlagwerkzeug zum Einsatz gekommen sei, untersuchte der 47-Jährige das Opfer auch auf eventuell vorhandene stumpfe Gewalt. Nach der Obduktion, so berichtete der Mann, stellte er Folgendes fest: „An der rechten Körperseite fand ich stumpfe Gewalt, scharfe Gewalt hingegen ausschließlich an der linken.“ Ob es ein Täter war oder doch zwei, lasse sich nicht belegen. „Beides ist denkbar“, erklärte der Mediziner auf Nachfrage.

Gründe für die Tat bisher unklar

Die Staatsanwaltschaft wirft der 80-Jährigen vor, am 27. August 2016 im Laufe eines Streits zunächst auf ihre Kontrahentin eingeschlagen und wenig später mit einem Messer viermal auf sie eingestochen zu haben. Welche Gründe für die mutmaßliche Attacke vorgelegen haben könnten, wurde bislang nicht deutlich, was auch daran liegen mag, dass sowohl die Angeklagte als auch ein Mann, der beim Trinkgelage anwesend war, erheblich alkoholisiert waren. Bei der 80-Jährigen wurde Stunden nach der vermeintlichen Tat ein Promillewert von 1,6 gemessen, beim Mann 3,2. Mit fast 3,7 Promille hatte das Opfer den höchsten Wert, wie der Rechtsmediziner erläuterte.

Mit der Verlesung eines psychiatrischen Gutachtens soll am Dienstag, 16. Mai, die Beweisaufnahme geschlossen werden, so Vorsitzender Richter Helmut Kellermann. Am selben Tag plant die Kammer ebenfalls mit den Plädoyers der Verfahrensbeteiligten. Das Urteil könnte am 19. Mai gesprochen werden. Der Frau drohen bei einer Verurteilung wegen Totschlags mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe. Auch eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik sei nicht auszuschließen, so Kellermann.

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