„Mein Kunst-Stück“ mit Ursula Häckell

Experiment mit Pigment

In Temperafarben ist das Bild aus der Werkreihe „Durchblick“ gemalt, das die Bremer Künstlerin Ursula Häckell in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Durchblick“ heißt die Werkreihe, aus der Ursula Häckell ein Bild in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. 1,23 Meter mal 82 Zentimeter misst das Kunstwerk, gemalt in Temperafarben. Die sogenannte „Eitempera“ ist Häckells besondere Passion.

Namen gibt Ursula Häckell ihren Bildern nicht. Aber jedes bekommt eine Nummer und gehört zu einem Thema. So auch das vorgestellte Werk. Häckells Reihe „Durchblick“ verweist direkt auf ihre Maltechnik und auf die von der Künstlerin verwendete Eitempera. Diese Farbe nutzten schon Alte Meister wie Rembrandt oder van Gogh.“ Die Bremerin mischt alle Farben selbst. Sie entstehen aus Ei, in Terpentin gelöstem Dammarharz, Leinöl und Pigmenten. „Das Ei gammelt dabei nicht“, sagt die Künstlerin. Da könne man sich auf die alten Rezepte verlassen.

Tempera ist ideal für das Malen mit übereinanderliegenden Farbschichten. Etwa zwölf Wochen und reichlich Geduld braucht es, bis die Eitempera durchgetrocknet ist. Trägt man auf bestehende Schichten frische Farbe auf, löst sich die untere leicht an. So entsteht eine tiefe Leuchtkraft. „Bei den alten Meistern sieht man dieses besondere Licht“, sagt die Malerin. „Gerade für dunkle Farben ist das interessant.“ In ihren Bildern beschäftigt sich Häckell ebenfalls intensiv mit Licht und Schatten – sowohl technisch als auch im übertragenen Sinne. Je nach Lebenssituation spiele das Licht eine besondere Rolle. In dunklen Zeiten sei man froh, wenn man irgendwo ein Licht entdecke. Manchmal offenbare es sich aber nicht auf den ersten Blick. Auch in ihren Bildern ist vieles verdeckt, doch gerade das Durchscheinende weckt beim Betrachter das Interesse.

Durch Zufall zur Kunst gekommen

Auf die Kunst ist Häckell vor knapp zehn Jahren durch einen Zufall gekommen. Während eines Urlaubs auf der Nordseeinsel Spiekeroog besuchte sie im dortigen „Künstlerhaus“ einen Schnupper-Malkurs mit Eitempera. „Ich habe mich im Umgang mit dieser Farbe auf Anhieb wohlgefühlt“, sagt sie. Nach zwei Tagen hatte sie sehenswerte Ergebnisse, die sich bereits hätten verkaufen lassen. „Eitempera ist einfach meine Heimat“, stellt die hauptberufliche Pädagogin fest. Sie suchte sich ein Atelier und begann, mit den Farben zu experimentieren. Um einen Farbton für Nacharbeiten wiederherstellen zu können, macht sich die Künstlerin zwar Notizen, dennoch bleibt es jedes Mal eine Annäherung. „Es hat etwas von einer Hexenküche.“

Seit Häckell ihre Leidenschaft für Tempera entdeckt hat, ruhen die alten Hobbys wie Gesang und Musik. Für alles bleibe neben dem Beruf nicht genügend Zeit. Die freie Zeit reiche nicht, um sich hinreichend um Ausstellungen und die Vermarktung der Bilder zu kümmern.

Ob wir Kunst brauchen? „Kunst ist etwas ganz Einmaliges, Persönliches. Sie gibt Freude durch Farbe, Licht und etwas ganz Individuellem.“ Häckell selbst malt, weil es sie glücklich macht: „Es ist mein privater Luxus und Ausgleich.“ Zu den Künstlern, die für sie besonders bedeutend sind, zählen der amerikanische Maler Mark Rothko (1903 bis 1979) und der Niederländer Rembrandt (1606 bis 1669). Rothkos Farbfelder und die Zentriertheit seiner Farben beeindrucken Häckell ebenso, wie Rembrandt als ein „Meister des Lichts“.

Wenn die Malerin jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann wäre es an die Galeristen adressiert, um zu zeigen, dass man auch als Laie Bilder machen kann, die gut und interessant sind.

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