Exotische Perspektiven, verblüffende Antworten: „La Strada“ in Bremen

Bußgeld im Motorradhelm

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„Exoot“, das fahrende und qualmende Aquarium aus Holland – auf dem Domshof.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Iiih, da kommt Wasser raus!“ Eigentlich nicht ungewöhnlich, dass man beim Spaziergang durch Bremen mal nass wird. Ungewöhnlich war aber, wie das gestern Nachmittag auf dem Domshof geschah. Ein sonderbares Gefährt war da unterwegs – ein schmales Auto mit einer Art Periskop auf dem Dach, aus dem hin und wieder Wasser herausspritzte.

„Mimbre“: Akrobatik vor dem Haus der Bürgerschaft.

Im Inneren des Autos: Luftblasen und Goldfische. Ein fahrendes Aquarium! Blubbernd, tutend und trötend bewegte es sich durch die (sehr amüsierte) Menschenmenge. Langsam und vorsichtig tastete es sich voran. Wie ein Tier, das exotisches Terrain erkundet. „Exoot“, das war denn auch der Name des holländischen Projekts, das – man ahnt‘s – zum Programm des 21. Straßentheaterfestivals „La Strada“ gehörte. Und die Frage aufwarf, wer denn nun eigentlich der Exot war – das verblüffte Publikum? Oder das verblüffende Aquarium?

Ein Fall für die Polizei? Nun, nicht für die „Kiddy Ride Police Patrol“ der ebenfalls holländischen Gruppe „Actic“, die vor dem Rathaus Passanten kontrollierte. Aber was für Polizisten das waren! Auf Münz-Motorrädern für Kinder kamen diese Beamten angesaust, oder besser: angeschaukelt und angewackelt. Das hinderte sie allerdings nicht daran, sich mit allergrößter Ernsthaftigkeit ihren Einsätzen widmen. Da musste schon mal ein Zuschauer – oder besser: Schaulustiger – nein, nicht ins Röhrchen pusten. Wohl aber in eine Tröte. Um anschließend beim Publikum um Spenden für sein Bußgeld zu betteln. Die Beamten sammelten das Geld freundlicherweise mit ihren Motorradhelmen ein. Das ist wahre Bürgernähe!

Das fahrende Aquarium, die ernsten Polizisten mit den albernen Fahrzeugen – Künstler wie diese zeigten einmal mehr, was „La Strada“ zu einem großen, international berühmten Festival gemacht hat: Wer hier auftritt, zieht Groß und Klein in seinen Bann. Geboten wird vielfach eine Generationen (und Publikumsschichten) übergreifende Unterhaltung, die sich nicht um Autoritäten, Sehgewohnheiten und Hergebrachtes schert, sondern Fragen aufwirft und verblüffende Antworten gibt.

„La Strada“ in Bremen

Und dann ist da noch die Akrobatik. Fesselnde, spektakuläre Aufführungen waren wieder dabei – wie die Parkbank-Performance der britischen Gruppe „Mimbre“ auf dem Bremer Marktplatz. Hier wurde geprüft, ob das Leben schöner wird, wenn man es aus einer anderen Perspektive betrachtet. Zum Beispiel: kopfstehend.

Dicht gedrängt verfolgten die Zuschauer Aufführungen wie diese. Kinder auf den Schultern. Manche Erwachsene in den hinteren Reihen hatten sich extra Hocker mitgebracht. Und stellten sich drauf. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

So füllte „La Strada“ Innenstadt und Wallanlagen, und so füllten sich gestern, am verkaufsoffenen Sonntag, einmal mehr auch die Geschäfte. Und zwar so sehr, dass es auch hier vielerorts Gedränge gab. Originalton einer Kundin in einem Textilhaus: „Mir ist das alles viel zu voll hier.“ Dafür wurde man in den Geschäften nicht nassgespritzt.

Heute, Montag, gibt‘s noch einen „La-Strada“- Nachschlag. Allerdings nicht auf der Straße, sondern in der „Schaulust“ (Güterbahnhof) – mit der Vorstellung „Hyrrätytö“, die um 20 Uhr beginnt.

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