Studie über NS-Vergangenheit ehemaliger Bremer Parlamentarier

Ex-Nazis in der Bürgerschaft

Dr. Karl-Ludwig Sommer hat eine Studie veröffentlicht, die die NS-Vergangenheit Bremischer Abgeordneter beleuchtet. ·
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Dr. Karl-Ludwig Sommer hat eine Studie veröffentlicht, die die NS-Vergangenheit Bremischer Abgeordneter beleuchtet. ·

Bremen - Von Nina Seegers. Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der NSDAP. In Westdeutschland und so auch in Bremen bekleideten nach 1945 aber weiterhin viele ehemalige Nationalsozialisten politische und öffentliche Ämter. Zu der Situation in Bremen ist jetzt eine Studie veröffentlicht worden.

Diese Studie liefert erstmals konkrete Informationen darüber, wie viele Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft in der Nachkriegszeit zuvor der NSDAP angehört haben, wann sie der nationalsozialistischen Partei beigetreten sind und welche Funktionen sie innerhalb des NS-Systems hatten. In erster Linie geht es in dieser Studie um Zahlen und nicht darum, einstige NSDAP-Mitglieder an den Pranger zu stellen bzw. damalige Aktivitäten in der NS-Zeit zu bewerten oder zu verurteilen. „Beschuldigungen bringen heutzutage niemandem mehr etwas“, sagt der Autor der Studie, Dr. Karl Ludwig Sommer. Schließlich ließe sich heute nicht mehr feststellen, aus welchen Gründen jemand NSDAP beigetreten ist – ob aus Zwang, Überzeugung, Unkenntnis oder gar, um Schlimmeres zu verhindern.

Vor zwei Jahren vom Vorstand der Bremischen Bürgerschaft beauftragt, hat Sommer für diese Studie Berge von Akten und Unterlagen im Bremer Staatsarchiv durchforstet. Dem Historiker ging es dabei nur um Personen, die 1928 oder früher geboren waren. Das Ergebnis: Von den 425 Abgeordneten, die seit 1946 der Bremischen Bürgerschaft angehörten, hatten etwa 100 eine NS-Vergangenheit. Das seien aber alles keine „großen Fische“ gewesen, erklärt Sommer weiter – jedenfalls sei keiner dieser rund 100 Männer nach dem Krieg wegen eines Gewaltverbrechens in der NS-Zeit beschuldigt worden.

Sommer wies auch darauf hin, dass der Zeitpunkt, sprich wann die damaligen Bürgerschaftsabgeordneten der NSDAP beigetreten waren, ein interessanter Punkt sei. Diejenigen, die bereits in den 30er Jahren in der „Hitlerjugend“ waren, hätten meist gar keine andere Wahl gehabt als anschließend der Partei beizutreten. Andere hingegen, seien schon früh NSDAP-Mitglied geworden, so Sommer. Richard Duckwitz (1886-1972) zum Beispiel trat der NSDAP schon wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 bei und war unter den Nazis unter anderem Finanzsenator und Kommissarischer Bürgermeister der Stadt Bremen. In den 50er Jahren war er für die Deutsche Partei weiterhin Mitglied der Bürgerschaft.

Um die Studie vorzustellen, fand gestern im Haus der Bürgerschaft ein wissenschaftliches Colloquium statt. Das Parlament plant, die Studie sowie die Inhalte des Colloquiums demnächst in einer Broschüre zu veröffentlichen. In digitaler Form stehen die Ergebnisse auf der Internetseite der Bürgerschaft ab jetzt bereit unter:

http://www.bremische-buergerschaft.de

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