Ex-Bundespräsident Wulff fordert gemeinsame Aktionen gegen Hassprediger

„Angst ist berechtigt“

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Diskussionsrunde in der Liebfrauenkirche mit der Muslima Khola Maryam Hübsch (v.l.), Moderator Guido Schulenberg (Radio Bremen), Christian Wulff und dem Islamwissenschaftler, Theologen und Jesuitenpater Christian Troll.

Bremen - Von Dieter Sell. Die Menschen in Deutschland haben nach den Worten des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff „zu Recht vor einer Reihe von Entwicklungen unter Muslimen Angst“. Aufgrund des islamistischen Fundamentalismus von Nigeria über Nordafrika in den Nahen und Mittleren Osten bis nach Asien bestehe die Gefahr eines Dritten Weltkrieges, warnte Wulff am Dienstagabend bei einer Diskussion in Bremen.

„Im Sinne einer weltweiten kriegerischen Auseinandersetzung“, präzisierte Wulff bei einem ökumenischen Stadtgespräch zur Frage „Wie viel Islam gehört zu Deutschland?“ Die muslimische Welt sei stark verunsichert, sagte Wulff, der am 3. Oktober 2010 in Bremen zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit gesagt hatte, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland. Muslime befürchteten, dass ihnen etwa in der Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten nun das bevorstehe, was Europa mit dem Dreißigjährigen Krieg erlebt habe.

In dieser Situation seien „alle gefordert, noch mehr zu tun, dass diese Konflikte kleiner und nicht größer werden“. So müssten junge Deutsche davon abgehalten werden, in den Dschihad zu ziehen: „Wir müssen gemeinsam mit unseren Freunden aus den Moscheegemeinden jedem Hassprediger entgegentreten.“

Deutschland müsse sich als wehrhafte Demokratie beweisen und Muslimen mit einer klaren Erwartungshaltung begegnen, forderte Wulff in der evangelischen Kirche Unser Lieben Frauen. Er beobachte, dass Muslime Probleme hätten, sich von anderen Muslimen abzugrenzen, die versuchten, die Religion zu missbrauchen. „Das darf man durch Weggucken nicht schönreden.“

Gleichzeitig warb Wulff für einen differenzierten Blick auf den Islam. In einer Umfrage, wie sie die Demokratie fänden, hätten 80 Prozent der Muslime in Deutschland geantwortet, das sei die beste Staatsform. Unter den Ostdeutschen seien es 74 Prozent gewesen.

Wer Muslime angreife, solle zunächst auf seine eigene Kirche schauen, riet der Katholik Wulff. So habe die katholische Kirche mit Blick auf das Grundgesetz „ein paar Fragen nicht geklärt“. In der Verfassung stehe, Männer und Frauen seien gleichberechtigt: „Seit meinen ersten Jahren in der katholischen Kirche habe ich immer erlebt, dass alle sozialen Aufgaben von Frauen gemacht wurden und alle entscheidenden Aufgaben von Männern.“

Es könne heute nicht mehr um die Frage gehen, woher jemand komme, „sondern, wohin wir wollen“, betonte Wulff. Deutschland habe sich zu einer bunten Republik gewandelt, die Vielfalt sei eine Bereicherung. „Das deutsche Wir ist heute ein anderes als vor 60 Jahren“, bekräftigte Wulff und verdeutlichte seine Position am Fußball. 2014 habe die deutsche Nationalmannschaft mit Namen wie Jérome Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil und Miroslav Klose in Brasilien die Weltmeisterschaft gewonnen. „Mit der Zusammensetzung aus den Deutschen von 1954 wären wir vermutlich nicht über die Vorrunde hinausgekommen“, fuhr er fort.

epd

www.kirche-bremen.de

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