350 Jahre Staats- und Universitätsbibliothek / Zugang zu 24 Millionen elektronischen Dokumenten

Evangelistar im Eichenfass

Das kostbare Prunkstück der Staats- und Universitätsbibliothek – das zwischen 1039 und 1042 im Kloster Echternach für Kaiser Heinrich III. geschaffene Evangelistar. Sein Wert wird auf weit über 25 Millionen Euro geschätzt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Bremens Universität wurde 1971 eröffnet. Jetzt feiert die Uni-Bibliothek ihren 350. Geburtstag. Wie ist das möglich? Nun, die Antwort auf diese Frage, sie liegt schon im Namen der Bibliothek.

Der nämlich lautet in voller Länge und Schönheit: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen; offizielles Kürzel: SuUB. Es steckt also das Wort „Staatsbibliothek“ mit drin. Und deren Wurzeln reichen zurück ins 17. Jahrhundert. Damals hatte Bremen noch lange keine Universität, weil das kaiserliche Privileg zur Verleihung akademischer Grade fehlte, wohl aber ein „Gymnasium Illustre“. Das war keine einfache Schule, sondern eine Hochschule, eine Akademie mit den vier Fakultäten Philosophie, Jurisprudenz, Medizin und Theologie.

Bildung braucht Bücher. Das wusste man damals bereits, und das wusste auch der Rat der Stadt. Er beschloss, eine Reihe einzelner Buchsammlungen, darunter auch seine eigene, zu einer großen Bibliothek zu vereinen. So entstand die „Bibliotheca Bremensis“  – am 7. November des Jahres 1660 im früheren Katharinenkloster der Dominikaner, wo inzwischen längst das „Gymnasium Illustre“ zu finden war. Der Akademie sollte die vor 350 Jahren gegründete Bibliothek in erster Linie dienen. An diesem historischen Ort der Bildung und der Buchkultur liegt heute eine Einkaufspassage samt Gastronomie und Parkhaus („Katharina“).

Doch zurück in die Vergangenheit. Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Universalgelehrte und Jurist Melchior Goldast von Haiminsfeld (1578 bis 1635), ein passionierter Büchersammler, den glücklichen Einfall, seine wohl 1 800 Bände umfassende Sammlung vor Raub und Plünderung schützen zu wollen. Anno 1624 war das, als er von Bückeburg nach Frankfurt umziehen musste. Den Schutz für seine Bücher fand er im alten Katharinenkloster zu Bremen. Dort lagerte seine Bibliothek fortan auf eine, wie man heute sagen würde, recht rustikale Weise – die damals schon kostbaren Bücher wurden in zehn Eichenfässer gepackt.

Aber die Tarnung war gut. Niemand kam an die Bücher heran. 1646, elf Jahre nach dem Tod des Universalgelehrten, kaufte der Rat den Erben die Sammlung ab – für 1 350 Reichstaler; gefordert wurden ursprünglich 4 000. Im Jahr 1660 bildeten die Bücher des Melchior Goldast von Haiminsfeld Grundstock und Basis der neuen „Bibliotheca Bremensis“, deren Öffnungszeiten anfangs noch etwas zurückhaltend waren. Alle 14 Tage zwei Stunden – das wäre heute nicht konkurrenzfähig.

Heute, da versteht sich die Staats- und Universitätsbibliothek – so Direktorin Maria Elisabeth Müller – als „Hybridbibliothek“. Es gelte, die gedruckte Welt für und durch die digitale Welt zu erschließen. Eigene Suchmaschine, Zugang zu 24 Millionen elektronischen Dokumenten – die Stichworte der Gegenwart. Das Prunkstück der Bibliothek aber ist aus einem Material, das wohl beständiger ist als Computer und CDs – aus Papier. Es handelt sich um das zwischen 1039 und 1042 im Kloster Echternach für Kaiser Heinrich III. geschaffene Evangelistar. Es stammt aus der Sammlung des Melchior Goldast von Haiminsfeld.

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