Kirchenausschuss reagiert

Vorwurf der Volksverhetzung gegen Pastor Latzel wird geprüft - Kritik an Disziplinarverfahren

Umstritten: Die BEK hat ein Disziplinarverfahren gegen Pastor Olaf Latzel eröffnet. Foto: EPD
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Umstritten: Die BEK hat ein Disziplinarverfahren gegen Pastor Olaf Latzel eröffnet.

Der Kirchenvorstand der evangelischen St.-Martini-Gemeinde hat die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ihren Pastor Olaf Latzel scharf kritisiert.

Update, 19. Mai: Bremen – Das Verfahren sei ein unverhohlener Angriff auf die unbeschränkte Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit, die den Gemeinden in der Verfassung der Bremischen Evangelischen Kirche garantiert sei, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstandes auf der Homepage der Gemeinde. 

Der leitende Kirchenausschuss hatte das Verfahren in der vergangenen Woche gestartet, weil er Äußerungen Latzels in einem Eheseminar Homosexuellen gegenüber als beleidigend empfindet. Latzel selbst hatte sich später entschuldigt und auf Attacken gegenüber der Gemeinde wie die Störung eines Gottesdienstes mit einem „Kiss-Inn“ von 50 gleichgeschlechtlichen Paaren verwiesen. 

Der Vorstand der Martini-Gemeinde bestreitet die Rechtmäßigkeit des Beschlusses des Kirchenausschusses. Mögliche Sanktionen akzeptiere die Gemeinde nicht. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob Latzels Äußerungen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen. 

Die Kirchenleitung hatte das Disziplinarverfahren gleich nach seiner Einleitung ausgesetzt. Es werde nur wieder aufgenommen, wenn die Staatsanwaltschaft die Äußerungen als Straftat einstufe. Rückendeckung erfährt der Pastor in einer Online-Petition von mittlerweile etwa 17.000 Unterstützern. (epd)

Evangelische Kirche in Bremen: Disziplinarverfahren gegen Pastor Latzel

Originalmeldung, 15. Mai: Von Dieter Sell. Die Bremische Evangelische Kirche eröffnet ein Disziplinarverfahren gegen ihren umstrittenen Pastor Olaf Latzel. Das habe der leitende Kirchenausschuss am Donnerstagabend einmütig beschlossen, sagte Kirchensprecherin Sabine Hatscher. Wie auch im öffentlichen Dienst üblich, werde das Verfahren aufgrund laufender strafrechtlicher Ermittlungen zunächst ausgesetzt. Staatsschutz und Staatsanwaltschaft prüfen derzeit den Vorwurf der Volksverhetzung, weil Latzel bei einem „Eheseminar“ vergangenes Jahr homosexuelle Menschen unter anderem als Verbrecher bezeichnet hatte.

Die Prüfungen sind nach Angaben der Bremer Staatsanwaltschaft noch nicht beendet. „Wir hoffen, dass wir sie im Laufe des Mai abschließen können“, sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade. Die Kirche verwies darauf, dass sie das Disziplinarverfahren nur wieder aufnimmt, wenn die Staatsanwaltschaft die Äußerungen Latzels als Straftat einstuft.

Ihren Beschluss nutzte die Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche, um sich erneut von den Äußerungen Latzels zu distanzieren. „Auch wenn sie nicht als strafbar eingestuft werden sollten, schadeten derartige Entgleisungen dem Ansehen der ganzen Kirche erheblich“, hieß es. Ähnlich argumentierten Kirchenmitarbeiter in einer Erklärung unter dem Titel „Für Demokratie, Respekt und Verständigung“, kirchliche Personalvertreter forderten seine Suspendierung.

Latzel, Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, hatte im Verlauf des Seminars im Oktober 2019 gesagt, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Die Inhalte des Seminars waren über Youtube online gestellt und verbreitet worden, mittlerweile sind sie nicht mehr öffentlich.

Idyllisch: Die St.-Martini-Kirche liegt innenstadtnah am Weserufer. Ihr Pastor steht in der Kritik.

Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), zugleich Kirchensenator, kritisierte zwischenzeitlich Latzels Äußerungen. Ob damit die Grenze der Religionsfreiheit überschritten sei, müssten die Strafverfolgungsorgane entscheiden. „Ich sage aber deutlich: Für Hetze gegen Schwule und Lesben fehlt mir jedes Verständnis und ich verurteile sie ganz entschieden. Da bin ich mir übrigens mit den allermeisten Mitgliedern der Bremischen Evangelischen Kirche sehr einig.“ Ende März hatte sich Latzel in einer persönlichen Erklärung entschuldigt und gesagt, er sei falsch verstanden worden. Er habe nichts gegen homosexuelle Menschen. Der Kirchenvorstand der St.-Martini-Gemeinde stellte sich an seine Seite. Er sei dankbar für Latzels klare und bibelzentrierte Predigten. Rückendeckung erfährt Latzel nicht nur durch seine Gemeinde, sondern auch im Netz: In einer Online-Petition forderten bis Freitagmorgen knapp 16 000 Unterstützer, gegen Latzel kein Disziplinarverfahren zu eröffnen.

Der 52-jährige Theologe ist in der Vergangenheit schon öfter in die Kritik geraten, unter anderem 2015 wegen umstrittener Äußerungen zu Buddhisten, Katholiken und Muslimen. Für bundesweite Schlagzeilen sorgten Latzel und die Gemeinde auch 2008, als sie einer Pastorin ihre Kanzel verwehrten.  (epd)

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