77.500 Euro Schaden an Museums-Seenotkreuzer

"Bremen" kracht gegen Brücke

Bremen - Von Ulf Kaack. Wer sich auf See begibt, ist in Gottes Hand – so sagt der Seemann. Am Abschlusstag der „Sail“ in Bremerhaven war Gott wohl für einen kleinen Moment nicht aufmerksam, als der privat betriebene Museums-Seenotkreuzer „Bremen“ aufgrund eines technischen Defekts mit der Hubbrücke der Doppelschleuse des Fischereihafens kollidierte und sich an der Überführung über das Wasserbauwerk den Mast abrasierte. Ein Unfall, der aus versicherungstechnischen Gründen erst jetzt bekannt wurde.

Das waren dramatische Minuten für die Besatzung des historischen und denkmalgeschützten Seenotkreuzers „Bremen“: „Nach einer knappen Woche Präsenz auf der ,Sail‘ wollten wir in unseren Heimathafen Vegesack zurücklaufen, als der Unfall geschah“, erinnert sich Horst Saade, Mitglied der ehrenamtlichen Crew des ersten Seenotkreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), an den 17. August. „Bei der zum Aufstoppen in der Schleuse nötigen langsamen Rückwärtsfahrt versagte der Maschinentelegraf der mechanisch gesteuerten Motorenanlage. Schlagartig war unser Schiff manövrierunfähig, fuhr nur noch rückwärts – und das Unglück nahm seinen Lauf.“

Unkontrolliert krachte die „Bremen“ gegen die Hubbrücke der Fischereihafenschleuse. Dabei wurde der komplette Mast abgerissen. Geistesgegenwärtig warf sich Vormann Mike Köper, der Schiffsführer, im oberen Fahrstand zu Boden und entging so schlimmen Verletzungen. Auch die übrige achtköpfige Crew blieb unversehrt.

„Im ersten Moment wusste ich gar nicht, warum sich die Maschinen der ,Bremen‘ nicht mehr steuern ließen“, so Kapitän Köper. „Die Steuerung funktionierte nicht mehr. Und ich rannte in den unteren Fahrstand. Aber auch hier reagierten die Maschinen nicht.“

Das Schiff touchierte noch zweimal die Schleusen-Einfahrt und die Kaimauer im Vorhafen, bevor es von der Besatzung eines aufmerksamen Taucherschiffs eingefangen werden konnte und an die Kaimauer gedrückt wurde. Dicke Beulen im Rumpf sind Zeugen der Kollisionen. Die Wasserschutzpolizei war sofort vor Ort und nahm den Unfall auf. Dabei wurde der technische Defekt schnell als Unfallursache ausgemacht. Crew und Kapitän war kein Fehlverhalten nachzuweisen.

„Der Kern des Stahl-Bowdenzuges bestand aus Baumwolle“, analysiert Horst Saade. „Offenbar trat ein Ermüdungsbruch in den Seilen des Bowdenzuges auf. Der plötzlich auftretende Defekt war trotz regelmäßiger Sichtkontrollen vorher nicht erkennbar.“

Kleine Ursache, große Wirkung: Die Mannschaft des Traditionsschiffes hatte den Mast gerade im vergangenen Jahr neu gebaut. Mit seiner Zerstörung gingen auch die Radar- und Funkantennen sowie sämtliche Mastlaternen und die Suchscheinwerfer zu Bruch. Auch Teile des Turms und der Fenster wurden beschädigt. Die Schadenshöhe wird mit 77 500 Euro beziffert, die wahrscheinlich nur zu einem geringen Teil von der Versicherung der „Bremen“ übernommen wird. Die Deckungslücke bei den Kosten und der ideelle Verlust sind indes weit dramatischer, sagt Horst Saade: „Meinen Mitstreitern und mir standen die Tränen in den Augen. Wir haben den 1931 gebauten Seenotkreuzer in den vergangenen Jahren mit hohem Aufwand an ehrenamtlicher Arbeit und mit einem minimalen Budget restauriert. Nun müssen wir halt wieder ran, von vorne anfangen und hoffen, dass uns private und gewerbliche Spender bei diesem Job unterstützen. Alleine packen wir das nicht! Deshalb suchen wir auch weitere ehrenamtliche Fachleute.“

Kontakt per Mail: HorstSaade@t-online.de

www.srk-bremen.de

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