Erweiterte Wahrnehmung der Realität soll bei Wartung von Windrädern helfen

Navigation per Datenbrille

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Das könnte schon in naher Zukunft möglich sein: Während der Techniker die Schaltungen prüft, liefert ihm das Assistenzsystem über eine Datenbrille die erforderlichen technischen Daten (rechts oben) und dokumentiert die Arbeit.

Bremen - Von Viviane Reineking. Immer mehr Windenergieanlagen (WEA) gehen – an Land und auf See – ans Netz. Damit steigt auch der Aufwand für die Instandhaltung und Reparaturen der Bauwerke. Der Einsatz einer Datenbrille soll diese Arbeiten für Techniker bald einfacher gestalten. Eine entsprechende Anwendung entwickeln jetzt Bremer Wissenschaftler.

Bevor der Einsatz an einer WEA beginnt, werden die Informationen zur Anlage und zu den Instandhaltungsaufgaben von einem Computer auf die Brille übertragen. Vor Ort setzt der Techniker die halbtransparente 3D-Datenbrille auf, die ihn dann dorthin navigiert, wo eine Wartung oder Reparatur notwendig ist. So stellt sich das Team um Projektleiter Moritz Quandt vom BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Uni Bremen den Ablauf vor.

„Pfeile könnten eine mögliche Darstellungsform sein, um den Techniker zu leiten“, so Quandt. Anhand der zu erledigenden Aufgaben soll er so schnell und effizient durch die Anlage geführt werden. „Durch hinterlegte Konstruktionsdaten können einzelne Bauteile wie zum Beispiel Schaltkästen schneller aufgefunden werden.“ Durch die halbtransparente Brille sieht der Träger seine Umgebung ganz normal vor sich. Einzelne Arbeitsschritte und unterstützende Daten, so der Projektleiter, werden nach Bedarf des Technikers im Sichtfeld der Brille über den Objekten positioniert eingeblendet. Über eine Kamera registriert die Brille auch das, worauf ihr Träger seinen Blick richtet.

Handbücher, in denen der Techniker nachschlagen muss, würden nicht mehr gebraucht. Ebenso wenig wie Formulare und Stifte, denn die zahlreichen Dokumentationspflichten übernehme die Brille ebenfalls.

Zwar liefen oder laufen laut Quandt bereits Tests zum Einsatz von Datenbrillen für verschiedene andere Tätigkeiten wie etwa bei der Kommissionierung von Gütern in der Logistik (zum Beispiel beim Autobauer VW) und für den Zugriff auf Patientenakten durch Ärzte. „Im Dauereinsatz befinden sich die aktuell verfügbaren Datenbrillen aber meines Wissens nach bisher nicht“, so der Wirtschaftsingenieur.

Zum Einsatz kommen könnte das System schon in naher Zukunft: „AR Maintenance System“ heißt das gemeinsame Forschungsprojekt von BIBA, der Bremer Firma „Any Motion“ – zuständig für die Indoor-Navigation – und dem Unternehmen Comback aus Oberreichenbach (Management großer Datenmengen).

„AR“ steht übrigens für „Augmented Reality“ und bezeichnet die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. „Maintenance“ bedeutet „Instandhaltung“. Diese soll durch die erweiterte Realitätswahrnehmung erleichtert werden, um Kosten und Zeit einzusparen. Das ist wichtig, denn das aufwendig ausgebildete Fachpersonal ist knapp und die Zahl der WEA steigt stetig. Ende 2014 waren es nach Angaben der Deutschen Wind Guard knapp 25000 Anlagen an Land und auf See.

In zwei Jahren wollen die Projektpartner einen Demonstrator mit funktionsfähiger Software entwickeln. Zwar könne dieser noch nicht alle Szenarien der Instandhaltung und alle Typen von WEA abbilden. „Eine zeitnahe Markteinführung im Anschluss ist aber durchaus möglich“, so Quandt. Die Weiterentwicklung erfolge dann im Anschluss an das Projekt. Ein Einsatz in anderen Branchen sei ebenfalls möglich: Da es im Projekt um die Veranschaulichung und Dokumentation von Instandhaltungsprozessen gehe, könne das Assistenzsystem auch für Aufgaben beispielsweise im Maschinenbau und der Robotik angepasst werden.

Aufgabe des BIBA ist die Art der Aufbereitung der Informationen für den Servicetechniker. „Bei uns geht es zum Beispiel um die Darstellung von Checklisten für die Instandhaltung an einem bestimmten Bauteil und die Erklärung von einzelnen Arbeitsschritten“, so der Wissenschaftler. In das Projekt fließen außerdem die Erfahrungen und Forschungserkenntnisse des Instituts zur 3D-Objekterkennung ein.

www.biba.uni-bremen.de

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