Förstemann hätte fast abgesagt

„Am ersten Tag hatte ich echt Schiss“

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Verstehen sich gut: Die beiden Top-Sprinter Robert Förstemann (li.) und Tomas Babek. 

Bremen – „Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich das machen soll. Letztlich habe ich mich dafür entschieden und bin jetzt froh, dass ich in Bremen fahre.“ Das sagt Robert Förstemann, der vor fast genau einem Jahr nach einem Reifenplatzer kapital stürzte und sich dabei Schulter, Schlüsselbein und mehrere Rippen gebrochen hatte. Eine davon verletzte gar die Lunge. In der Halle herrschte nach dem Crash bei Tempo 70 Totenstille. Danach setzte eine perfekt getimte Rettungskette ein. Einen Tag später wurde er operiert.

Und einen weiteren Tag danach, am Schlussabend, präsentierte sich der Sprinter dem Bremer Publikum, dass ihn frenetisch feierte.

Förstemann, mitterweile 33 Jahre alt und zweifacher Vater, ist ein Fighter vor dem Herrn. Sein Markenzeichen sind die mächtigen Oberschenkel mit einem Umfang von jeweils 74 Zentimetern. Früher galt Sprint-Olympiasieger Michael Hübner (Cottbus) mal als „Mister Oberschenkel“, „aber der hatte nur 68 Zentimeter“, schmunzelt Förstemann.

Nach seinem Crash erlaubte sich der Berliner keine Pause, denn zusammen mit dem sehbehinderten Kai Kruse stand die Para-WM im Tandem in Apeldoorn an. „Wir mussten da unbedingt starten, um einen Kaderplatz zu bekommen“, erinnert sich Förstemann. Und auch daran, „dass ich am ganzen Körper voller Tapes war – fast wie eine Mumie“. Der Aufwand lohnte sich, denn Platz sieben langte, um im Kader zu sein und von Olympia in diesem Jahr in Tokio träumen zu dürfen.

Aber da war ja noch das Bremen-Trauma. Irgendwann im Herbst rief Bremens sportlicher Leiter Erik Weispfennig an, ob Förstemann nicht in der Hansestadt starten wolle. Wie oben berichtet, hatte der Berliner so seine Zweifel, die er letztlich an die Seite stellte. Und wie war das am Donnerstag? Das erste Mal wieder schnell auf der Crash-Piste zu fahren? Förstemann hätte jetzt „Mister Cool“ geben können, tat er aber nicht: „Am ersten Tag hatte ich echt Schiss, dass da vielleicht wieder was passiert. Mittlerweile wird es von Tag zu Tag besser. Allerdings traue ich mich noch nicht, in die Ideallinie reinzubrettern. So verschenke ich pro Runde fünf Meter. Aber das ist mir egal. Ich bin happy, dass ich jetzt in Bremen wieder dabei bin.“ Dass Dauerrivale Tomas Babek (Tschechien) am Dienstag vielleicht die Sprint-Wertung gewinnt, ist für Förstemann reine Nebensache.

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