Erste Aussage im „Ultras“-Prozess: Mutmaßliches Opfer widerspricht sich

Verwirrung statt Aufklärung

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Die drei Angeklagten Georg S. (vordere Reihe von links), Daniel M. und Valentin S. schweigen weiter zu den Vorwürfen. Im Hintergrund die Verteidiger Jan Sürig (obere Reihe von links), Lea Voigt und Horst Wesemann.

Bremen - Von Steffen Koller. Tag zwei im Prozess um die Werder-„Ultras“ Valentin S. (21), Daniel M. (22) und Georg S. (23), die unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Bremen stehen, hat gestern mit der Aussage eines mutmaßlichen Opfers des Trios begonnen. Während drei Zeugen gar nicht erschienen, stifteten die Einlassungen des Mannes eher Verwirrung, als dass sie Aufklärungsarbeit leisteten.

Eines stellt der Zeuge gleich zu Beginn seiner Aussage klar: „Ich bin kein Nazi!“ Es bleibt die einzige präzise Angabe des 24-Jährigen, der am Abend des WM-Finales 2014 von drei Maskierten zusammengeschlagen worden sein soll. Er – und auch die Staatsanwaltschaft – vermuten hinter der Attacke die Angeklagten. Diese schweigen bisher zu den Vorwürfen. Zeugen, die die Tat beobachten haben könnten, erscheinen gestern nicht vor Gericht.

Dennoch ist sich der 24-Jährige zu „einhundert Prozent sicher“, dass zumindest Georg S. an der Tat beteiligt war. Er soll mit zwei Maskierten „gezielt“ auf ihn losgegangen sein, es folgten Schläge und Tritte gegen Kopf und Körper des Mannes. Später wird ein Schädelhirntrauma diagnostiziert, sein Körper war übersät mit Hämatomen und Schürfwunden. Da, so sagen es Freunde des Opfers, die Täter dem Mann auch ein schweres Radio gegen den Kopf geworfen haben sollen, könne man „froh sein, dass ich hier heute sitze“, sagt der Zeuge. Auch diese Aussage lässt sich gestern nicht beweisen.

Doch wie kommt das Opfer auf die drei Angeklagten? Im Vorfeld der Attacke seien sich der 24-Jährige und Georg S. begegnet, S. habe „wild gestikulierend“ aus einigen Metern Entfernung vor ihm gestanden. „Ich lief hinterher, hatte Lust mich zu schlagen“, gab das Opfer Tage danach bei der Polizei zu Protokoll. Doch dazu kam es nicht. Als er zusammengeschlagen wird, will er die drei Angeklagten sowohl an ihrer Statur als auch an einem Paar Schuhe wiedererkannt haben. Welche Schuhe genau, wisse er nicht. „Schwarze Turnschuhe eben.“ Später gibt er an, er kenne das Trio aus dem Fitnessstudio, da habe es oft „böse Blicke“ gegeben.

Als ihm sein Bruder (27), der nach eigenen Angaben selbst in der „Ultra“-Szene aktiv ist, Fotos aus Facebook-Profilen der Angeklagten schickt, ist sich der Mann wieder ganz sicher – obwohl alle Täter maskiert gewesen sein sollen. Für Horst Wesemann, Anwalt von Valentin, ist klar, dass „die Aussagen auf Vermutungen basieren“. Dreimal ändert das Opfer seine Aussage bei der Polizei, wie Auszüge aus Vernehmungsprotokollen belegen. Warum es das tat, darauf erhält das Gericht keine Antwort. „Ich habe das für mich so festgestellt.“

Eine weitere Tat mit gleichem Muster soll sich noch in derselben Nacht ereignet haben. Auch dabei wurde ein Mann von Maskierten angegriffen. Auch in diesem Fall sollen die Angeklagten dahinter stecken. Morgen, Mittwoch, werden dazu Zeugen vernommen – wenn sie denn erscheinen.

Für Wesemann ist der gestern verhandelte Fall bereits jetzt abgeschlossen: „Das ist freispruchreif“, meinte Valentins Anwalt. Valentin werden insgesamt sieben Taten vorgeworfen, darunter eine nach dem Nordderby im Viertel.

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