Erst Frust, dann Feuer

Dreifache Brandstiftung: 22-Jähriger muss viereinhalb Jahre in Haft

Drei Brände, viereinhalb Jahre Haft: Ein 22-Jähriger (2.v.r.) muss ins Gefängnis, weil er laut Urteil drei Wohnungen angezündet hat. Foto: KOLLER
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Drei Brände, viereinhalb Jahre Haft: Ein 22-Jähriger (2.v.r.) muss ins Gefängnis, weil er laut Urteil drei Wohnungen angezündet hat. 

Bremen - Das Bremer Landgericht hat am Montag einen 22-Jährigen wegen dreifacher schwerer Brandstiftung schuldig gesprochen und gegen ihn eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren verhängt. Der junge Mann hat nach Überzeugung der Kammer Möbel in drei Bremerhavener Wohnungen angezündet, die er selbst bewohnte. Warum er die Taten beging, blieb bis zuletzt offen.

Mit dem Urteil orientierte sich das Gericht grob an der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vergangene Woche fünfeinhalb Jahre gefordert hatte (wir berichteten). Die Anwälte des Angeklagten hatten ihrerseits auf eine Bewährungsstrafe wegen einfacher Brandstiftung plädiert. Doch diese Auffassung teilten die Richter letztlich nicht.

Vielmehr habe die seit September vergangenen Jahres laufende Beweisaufnahme Folgendes ergeben: Der 2015 aus Syrien geflohene Mann zog im August 2016 nach Bremerhaven, mietete bis zu seiner Festnahme im März 2019 insgesamt sieben verschiedene Wohnungen im Stadtgebiet. In vier dieser Wohnungen brachen im Januar, April und September 2017 sowie im März 2019 Feuer aus. In allen vier Fällen, das ergab die Beweisaufnahme, konnte ein technischer Defekt ausgeschlossen werden – schnell fiel der Verdacht auf den heute 22 Jahre alten Angeklagten.

Dieser hatte für alle Wohnungen einen Schlüssel – „und nur er hatte einen“, hob die Vorsitzende Richterin Andrea Schneider hervor. Bei drei Bränden stellten Ermittler fest, dass jeweils Möbelstücke aufgeschnitten und Schaumstoff aus diesen herausgerissen worden war. Genau an diesen Stellen hatte das Feuer laut der Gutachten seinen Ursprung. Der Angeklagte hatte sich während des mehr als sechs Monate dauernden Verfahrens nicht zu den Vorwürfen geäußert, deshalb stützte sich das Gericht in seiner Urteilsfindung vorrangig auf Zeugenaussagen und Indizien. Ein Freund des Angeklagten, der als Zeuge aussagte, schilderte unter anderem, wie er dem 22-Jährigen dabei geholfen habe, kurz vor dem Brand im März vergangenen Jahres ein Sofa vor ein geöffnetes Fenster zu schieben. Kurz danach brannte eben jenes Sofa. Kurze Zeit vorher, so der Zeuge, hatte der Angeklagte ihm erzählt, er kenne „Wege für eine schnelle Wohnungskündigung“. Denn genau diese hatte der Mann laut Urteil jeweils im Sinn.

Da die Wohnungen zum Teil renovierungsbedürftig gewesen seien und der 22-Jährige trotz Mietvertrags schnell wieder aus diesen ausziehen wollte, wählte er wohl den Weg der Brandstiftung, so das Gericht. Zum einen, um eine neue, in seinen Augen bessere, Wohnung beziehen zu können, zum anderen, um etwaige Versicherungssummen abzukassieren, vermutete das Gericht. Ganz aufklären ließen sich die Motive jedoch nicht, sagte Richterin Schneider. Was für das Gericht jedoch klar war: Um einen minderschweren Fall handelte es sich bei keinem der drei Brände. „Durch Ihr Handeln haben Sie große Gefahr für eine Vielzahl von Personen verursacht“, betonte Schneider.

Die Feuer waren jeweils in Mehrfamilienhäusern ausgebrochen, viele Menschen mussten evakuiert werden, darunter auch Kinder. Verletzt wurde niemand. Letztlich, so Schneider, sei das Urteil tat- und schuldangemessen sowie „angemessen, um dem Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts gerecht zu werden“.

Im Fall des Brandes vom Januar 2017 sprach das Gericht den Mann frei. Die für eine Verurteilung erforderliche Gewissheit habe nicht vorgelegen, hieß es im Urteil.

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