„Erschreckende Tat“ 

Brandanschlag: Landgericht verurteilt Angeklagten zu Bewährungsstrafe

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Der 30-jährige Angeklagte (rechts) zusammen mit seinem Anwalt Matthias Jung. Vor Gericht kam der Angeklagte am Dienstag mit einer Bewährungsstrafe davon. 

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Dienstag einen 30-Jährigen wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Volksverhetzung und Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte hatte im Jahr 2012 sein T-Shirt mit Grillanzünder getränkt und es vor die Haustür einer türkischen Familie gelegt. Danach zündete er das Hemd an.

Nach einem Teilgeständnis des Mannes, mehreren Aussagen von damals anwesenden Zeugen und ausgewerteten DNA-Spuren kam die Kammer zur Überzeugung, dass der Mann im August 2012 das Feuer in Woltmershausen gelegt hat. Der damals 25-Jährige hatte wohl seit längerem Probleme mit der in direkter Nachbarschaft wohnenden Familie. So will er einige Tage vorher gesehen haben, wie ein Mann Kinder mit einer Holzlatte schlug.

Nicht von langer Hand geplant

Nachdem der mittlerweile 30-Jährige am Abend des 27. August 2012 zusammen mit Freunden „in erheblichem Umfang Alkohol“ getrunken hatte und die Grundstimmung aggressiver wurde, so die Richterin, habe er zunächst den ältesten Sohn der Familie mit „Ausländer-raus“-Rufen beschimpft und dann das Feuer gelegt. Das etwa einen halben Meter hohe Feuer wurde kurze Zeit später gelöscht. Dann, so die Richterin, schlug der Mann mit einer Holzlatte die Fensterscheibe der Haustür ein.

Spontan und „aus einem Impuls“ gehandelt

Verletzt wurde niemand, die Familie sei nach dem versuchten Brandanschlag dennoch „nachhaltig psychisch benachteiligt“ gewesen, wobei die konkreten Folgen bis heute im Verborgenen geblieben seien, sagte die Vorsitzende. Der Angeklagte, der zur Tat etwa 2,8 Promille Alkohol im Blut hatte und so laut Gutachter „erheblich“ in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war, könne sich laut eigener Aussage bis heute nicht an das Feuer erinnern.

Neben den „Ausländer-raus“-Rufen schrie der Mann „Hier fackelt gleich einer die Ausländerbude ab“ – nach Auffassung des Gerichts sollte so eine „aggressive Missachtung und Feindschaft“ gegenüber der Familie zum Ausdruck gebracht werden. Zudem waren die Ausdrücke ebenfalls dazu geeignet, nach außen hin ein „Klima des Hasses und der Hetze“ zu erzeugen, hieß es.

Strafmildernd wurde vom Gericht bewertet, dass die Tat spontan und „aus einem Impuls“ heraus geschehen und nicht von langer Hand geplant worden sei. Außerdem habe der Angeklagte Reue gezeigt und sich „in Grenzen“ von der Tat distanziert. Einen „tiefverwurzelten rechtsextremistischen Hintergrund“ erkannte das Gericht nicht. Dennoch sei die Tat „furchtbar und erschreckend“ gewesen, und der Angeklagte habe nicht kalkulieren können, wie sich das Feuer letztlich ausbreitete. Dies müsse bei der Strafzumessung besonders ins Gewicht fallen.

1500 Euro als „Geste und Zeichen“

Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Neben der Haftstrafe verurteilte ihn das Gericht zu einer Zahlung von 1500 Euro an eine Asylorganisation. Diese Zahlung sei als „Geste und Zeichen“ zu verstehen.

Staatsanwältin Lisa Ravens hatte vergangene Woche auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plädiert. Sie forderte zusätzlich eine Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, weil es ihrer Auffassung nach allein vom Zufall abhing, wie sich das Feuer ausbreitete. Nach Angaben eines Gutachters war das getränkte Shirt aber nicht in der Lage gewesen, die Tür vollständig in Brand zu setzen.

Der Verteidiger des Mannes, Rechtsanwalt Matthias Jung, plädierte ebenfalls auf eine Bewährungsstrafe, ohne dabei ein konkretes Strafmaß zu fordern.

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