SERIE: MEIN KUNST-STÜCK Regina Hennen und ihr „Tired Cowboy“

Erschöpfte Helden

Regina Hennen präsentiert hier ihr Bild „Tired Cowboy“ (Müder Cowboy). Ein Held, der immer anpackt, mag nicht mehr ... Foto: LANGKOWSKI

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Tired Cowboy“ heißt Regina Hennens Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In hellen Farbtönen deutet es einen müden Cowboy an. Der Held, der immer die Dinge angepackt hat, mag nicht mehr.

Regina Hennens „Tired Cowboy“ („Müder Cowboy“) von 2018 hat ein Pendant. Es ist das Bild „With pearl earring” („Mit Perlenohrring“). Es ist ein Zitat, das sich auf den Maler Jan Vermeer und auf den Film „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ bezieht. „Der Cowboy ist jener, der hart für Konsum und Perlen arbeitete“, sagt die Künstlerin. Doch er ist dessen müde. Im Kopf hat er nur noch Blubberblasen und seine Träume.

Das Werk in Acryl-, Glas- und Aquarellfarbe bricht eine Lanze für alle Kümmerer, die durch ihre Bereitschaft, die Wünsche anderer zu erfüllen, ausgelaugt sind. Geht es um das Innenleben der Menschen, müsse man aufpassen, dass man sich die Ansprüche anderer nicht zu sehr zu Herzen nehme, sagt Hennen. Geht es um Konsum, müsse man aufpassen, so die Künstlerin, weil die Ansprüche stetig mitwachsen und man auch hier Gefahr laufe, ihnen nicht genügen zu können. Das zum Cowboy gehörende Bild „With pearl earring” steht für jene Figur, die die Ansprüche erhebt.

Im negativen Sinne erinnern „Tired Cowboy“ und „With pearl earring“ Hennen an Frauen, die ihre Ex-Ehemänner „schröpfen“, ohne selbst berufstätig zu sein. Nicht wenige Mädchen, sagt die staatlich anerkannte Erzieherin, antworteten heute noch auf die Frage, was sie einmal werden wollten, mit: „Ehefrau“. Beide Bilder versteht Hennen auch als einen Hinweis auf den Überkonsum, der zur Erschöpfung führt. „Es muss so viel gearbeitet werden. Für Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht.“

Auf die Kunst kam die 1959 geborene Erzieherin erst 1982, als sie nach Bremen zog. Ihr damaliger Partner war Künstler und ermunterte sie, auch zu malen. Dann bestärkte er sie, sich aufgrund ihres Talents an der Kunsthochschule zu bewerben. „Das war für mich eine völlig neue Idee und mir fiel erst da wieder ein, dass ich auch als Kind viel und gut gemalt hatte.“ Hennen arbeitet heute sieben Tage die Woche und beginnt früh am Morgen. Alle zwei Jahre nimmt sie sich drei bis vier Monate Auszeit. Plötzliche Inspirationen bestimmen weniger ihre Arbeit. Vielmehr sind es wechselnde längere Phasen nach einem groben Konzept. So widmete sie sich über Jahre der Malerei mit den drei Grundfarben Blau, Rot, Gelb, ersetzte dann schwarze Konturen durch weiße oder malte auf Fotofilmen. Eine Herausforderung in der Kunst seien die Trends, sagt Hennen. Gerade liege der Fokus auf politischer Kunst, Performances oder Aktionskunst. Die Dehnung des Kunstbegriffes mache es zunehmend schwierig, objektive Kriterien für ihre Bewertung zu finden. Ob wir Kunst brauchen? „Ja, wenn man mal in Bulgarien, Rumänien oder früher in der DDR war, dann kann man die Frage nur so beantworten. Der Mangel an Kunst im öffentlichen Raum fällt sofort auf. Es ist trostlos und traurig. Den meisten Menschen ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, wie oft sie hier Kunst wahrnehmen.“

Zu den Künstlern, die für Hennen besonders bedeutend sind, zählen die zeitgenössischen Bremer Horst Müller und Christian Holtmann. Müller bewundert Hennen, weil „er in seinen Arbeiten sehr konsequent ist und zeigt, dass uns die Möglichkeit zu spiegeln, zum Perspektivwechsel verhilft“. Holtmann habe ein Händchen dafür, Sachen sehr fein und mit Humor umzusetzen. Oft arbeite er mit Text und grafischen Elementen.

Wenn Hennen jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Bild an ihren früheren Dozenten Karl-Heinrich Greune. Die Botschaft wäre ein großes, herzliches Dankeschön. „Denn er hat die Fähigkeit, sich immer noch über ein gutes Bild freuen zu können wie ein kleines Kind.“

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