Die Hansestadt profitiert vom Tourismus

Erneut mehr Gäste in Bremen

+
Hier gehen die Bremen-Besucher praktisch von selbst hin – Mitte April öffnet die neue Tourist-Information im Haus des Glockenspiels in der Böttcherstraße. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Zum zweiten Mal hat Bremen im vorigen Jahr in der Übernachtungs-Statistik die Zwei-Millionen-Marke geknackt. Erstmals war das 2016 gelungen. 2017 checkten 1 112 435 Menschen in stadtbremischen Hotels und Hostels ein. Das entsprach im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs um 3,7 Prozent.

Die Gäste blieben im Schnitt 1,8 Nächte und brachten damit 2 039 490 Übernachtungen – 1,7 Prozent mehr als 2016. Im Land Bremen wuchsen die Ankünfte auf 1. 329.820 (plus 3,8 Prozent) und die Übernachtungen auf 2.448.008 (plus 1,9 Prozent).

Diese Zahlen präsentierten Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) und Touristik-Chef Peter Siemering am Montag in der Hansestadt – gemeinsam mit Dr. Andreas Cors vom Statistischen Landesamt und Ursula Carl vom Verkehrsverein.

„Die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus wächst von Jahr zu Jahr“, so Senator Günthner. Mittlerweile leben im Land Bremen 33 400 Menschen vom Tourismus. Und das Land selbst lebt auch davon – Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleistungssektor und nicht zuletzt der Fiskus.

Bei etwa 40 Millionen Tagesbesuchen geben Tagesgäste durchschnittlich 33,70 Euro pro Aufenthalt in Bremen aus. Die Übernachtungsgäste mit den gut zwei Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben haben pro Kopf und Tag durchschnittliche Ausgaben von 186 Euro, sagen die Statistik-Experten. Insgesamt ergibt das 372,2 Millionen Euro – eine Menge Geld. Hinzu kommen Ausgaben von Gästen auf Campingplätzen und bei (geschätzten) zwei Millionen Verwandten- und Familienbesuchen. Etwa 1,77 Milliarden Euro beträgt demnach der Bruttoumsatz durch Tages- und Übernachtungstourismus in der Stadt Bremen.

80 Prozent der Besucher aus Deutschland

181 Millionen Euro fließen an den Fiskus der Freien Hansestadt Bremen aus dem Tourismus zurück – durch Mehrwert- und Einkommenssteuer. Hinzu kommen noch kommunale Steuern wie zum Beispiel die Citytax.

80 Prozent der Bremen-Besucher kommen aus Deutschland, 20 Prozent aus dem Ausland – an der Spitze hier: Holland, Großbritannien, USA.

Ein großer Teil der Übernachtungsgäste – nämlich: etwa 70 Prozent – sind Geschäftsreisende und Kongressteilnehmer. „Privater Städtetourismus ist anlassbezogen – immer“, sagt Siemering. Vor diesem Hintergrund wünscht er sich „jeden Monat eine überregional wirksame Veranstaltung“. Nun kann Bremen nicht zwölf Monate lang abwechselnd Frei- und Weihnachtsmarkt feiern. Aber große Kunstausstellungen und Kongresse ziehen eben auch. So werden Ende Mai 11. 000 Teilnehmer zur Schifffahrts- und Schwergutlogistik-Fachmesse „BreakBulk“ erwartet. Und dann ist da ja noch der internationale Astronautenkongress.

Die Bremer Touristik-Zentrale (BTZ) wirbt unterdessen auf allen Kanälen für die Hansestadt – das Spektrum reicht von einem neuen Auftritt auf der Tourismusmesse ITB in Berlin (ab 7. März) über Online-Angebote bis zum klassischen direkten Kontakt. 50 .000 Anrufe wurden im vorigen Jahr entgegengenommen. 267 .000 Gäste kamen in die Tourist-Informationen.

Apropos: Investor Christian Jacobs will – wie berichtet – das Kontorhaus Langenstraße kaufen und zur Mall umbauen. Die Tourist-Info Mitte muss dort deshalb raus. Und so zieht sie jetzt selbst in eine Touristenattraktion: Mitte April öffnet die Tourist-Info im Haus des Glockenspiels in der Böttcherstraße.

Kommentar: Bremen verliert den Anschluss

Von Thomas Kuzaj

Die Kneipenszene am Schlachte-Boulevard, die Hinwendung zur Weser, das Wissenschaftscenter Universum – fast 20 Jahre ist es her, dass Bremen massiv in neue und auch touristisch interessante Attraktionen investiert hat. 20 Jahre!

Eine lange Zeit, in der eine Rekordmarke nach der anderen erreicht wurde. Noch 2014 waren die Übernachtungszahlen um zwölf Prozent gestiegen. Heute freut man sich über 1,7 Prozent. Ist der Markt hier ausgereizt – wie beispielsweise in Berlin? Nein. „Da ist noch mehr zu holen“, sagt Touristik-Chef Peter Siemering selbst. Auf dem deutschen Markt herrsche eine „heftige Konkurrenz“. Bremen sei im Deutschlandvergleich „gut, aber nicht Klassenprimus – das waren wir schon mal“.

Thomas Kuzaj.

Bremen ist froh, 2017 mit 2. 039 .490 Übernachtungen erneut die Zwei-Millionen-Marke übersprungen zu haben. Andere aber haben andere Zahlen. Hamburg etwa, im Fußball abgeschlagen, steigerte sich 2017 um 491.000 auf insgesamt 13,8 Millionen Übernachtungen. Natürlich mit kräftigem Rückenwind durch die Elbphilharmonie. Nehmen wir also ein Beispiel ohne spektakulären Neubau: Leipzig hat 2017 die Grenze von drei Millionen Übernachtungen geknackt. Nürnberg, gern mit Bremen verglichen, legte 2017 um 3,3 Prozent auf 3,3 Millionen Übernachtungen zu. Bremen muss aufpassen, dass es im Städtetourismus nicht den Anschluss verliert.

Mit Recht ist dies jüngst zum Beispiel von Rednern auf der Schaffermahlzeit angesprochen worden. Auch die Abhängigkeit von Geschäftsreisen und Kongressteilnahmen ist zu groß. Es müssen mehr Gäste nicht aus beruflichen Gründen kommen, sondern: weil sie die Stadt spannend und Bremer Veranstaltungen interessant finden.

Bremen reagiert nun – endlich – und formuliert eine „Tourismusstrategie 2025“. Neben dem „kulturellen Erbe“ (Altstadt, Rathaus, Weser) und „Erlebnis- und Wissenswelten“ sollen als neue Säulen „Genuss“ und „Kultur“ hinzukommen. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) kündigte folgendes Ziel an: „2,9 Millionen Übernachtungen bis 2025.“

Das wirkt deutlich zu bescheiden für eine Stadt, die auf den Tourismus angewiesen ist, weil ihr nach wie vor klassische Industrien wegbrechen – jüngstes Beispiel einer langen Kette: der geplante Wegzug der Hachez-Produktion.

Kultur als Reiseanlass ist zudem keine echte Innovation – das gibt es schon lange, etwa im Zusammenhang mit überregional beachteten Ausstellungen der Kunsthalle.

Klar, eine Elbphilharmonie wird es hier nicht geben, wir leben ja auch an der Weser. Aber etwas mehr Mut wäre schon nötig. Wie vor 20 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Richter verkündet Strafmaß für Bill Cosby

Richter verkündet Strafmaß für Bill Cosby

Alternativer Nobelpreis an Korruptionsjäger und "Waldmacher"

Alternativer Nobelpreis an Korruptionsjäger und "Waldmacher"

Herbststurm "Fabienne" hinterlässt große Schäden

Herbststurm "Fabienne" hinterlässt große Schäden

Weltkommission: Staaten müssen Drogenhandel regulieren

Weltkommission: Staaten müssen Drogenhandel regulieren

Meistgelesene Artikel

Keine Königsalm, kein großes Bayernzelt, dafür eine große Almhütte

Keine Königsalm, kein großes Bayernzelt, dafür eine große Almhütte

Polizei verzeichnet eine Vielzahl von Gurtmuffeln und Handysündern

Polizei verzeichnet eine Vielzahl von Gurtmuffeln und Handysündern

Bundesstraße 75 ab Abfahrt Airport-Stadt am Sonntag gesperrt

Bundesstraße 75 ab Abfahrt Airport-Stadt am Sonntag gesperrt

Lancia-Club feiert 40-Jähriges in Bremen

Lancia-Club feiert 40-Jähriges in Bremen

Kommentare