Heim stößt auf Unregelmäßigkeiten

Ermittlungen gegen Krankenpfleger: Einrichtung kooperiert mit Soko „Lotus“

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Der unter Mordverdacht stehende Pfleger hat auch im diakonischen Pflegezentrum Am Doventor gearbeitet.

Bremen – Der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzende Pfleger, der in Bremen eine 75-jährige Heimbewohnerin in Lebensgefahr gebracht haben soll, hat im diakonischen Pflegezentrum Am Doventor gearbeitet.

Der 39-Jährige sei dort als angestellter Pflegehelfer tätig gewesen, teilte das Diakonische Werk Bremen am Freitag mit. Gegen den Bremer Krankenpflegehelfer wird wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes ermittelt.

Wie berichtet, hatte der Bremer bereits in der ersten Vernehmung gestanden, dass er der Heimbewohnerin nicht verordnete Medikamente verabreicht hatte. Anschließend habe er Rettungsmaßnahmen eingeleitet, räumte er ein, wie die Ermittler weiter ausführten.

All das erinnert stark an den Fall des Krankenpflegers Niels Högel, der bereits 2015 vom Landgericht Oldenburg wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft an Patienten im Krankenhaus Delmenhorst verurteilt worden war. Högel hatte die Patienten zunächst in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzt und dann versucht, sich durch deren Rettung hervorzutun. Derzeit muss er sich erneut vor dem Landgericht Oldenburg wegen Mordes verantworten. Diesmal geht es um den Tod von 100 Patienten. Das Gericht hat die Verhandlung aufgrund des großen Umfangs und Interesses in die Weser-Ems-Halle in Oldenburg verlegt.

Schneller Verdacht auf Falschmedikation

In der Stellungnahme der Bremer Diakonie heißt es weiter, Pflegefachkräfte aus dem Doventor hätten bei der Bewohnerin einen medizinischen Notfall festgestellt und dafür gesorgt, dass sie ins Krankenhaus gebracht worden sei: „Bei der Behandlung wurde im Krankenhaus Verdacht auf Falschmedikation geschöpft.“ Anschließend seien die Polizei und das Pflegezentrum informiert worden.

In der Klinik musste die Frau aufgrund eines auffallend niedrigen Blutzuckerspiegels auf die Intensivstation, das war Ende März. Mittlerweile geht es ihr wieder besser, heißt es. Bei der „sofort durch Einrichtungsleiter Mike Krüger in Gang gesetzten internen Untersuchung“ seien Unregelmäßigkeiten bei den im Haus vorgehaltenen Medikamenten festgestellt worden, führte die Diakonie aus. Dies sei der Polizei mitgeteilt worden. „Mit Polizei und Staatsanwaltschaft wird jetzt im Rahmen der laufenden Ermittlungen eng kooperiert.“

Für Zeitarbeitsfirma in vielen Einrichtungen tätig

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Frank Passade am Mittwoch arbeitete der Pfleger seit Mitte Januar in dem Heim am Rande der City. Zuvor sei er als Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma in 30 bis 35 Einrichtungen tätig gewesen. Wie berichtet, hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet, um in allen Heimen, in denen der 39-Jährige gearbeitet hat, nach möglichen Auffälligkeiten, nach möglichen ungeklärten Todesfällen zu forschen. Die Ermittlungsgruppe trägt den Namen „Lotus“ und umfasst ein zehnköpfiges Team, das laut Polizei bei Bedarf aufgestockt werden kann.

Das Pflegezentrum Am Doventor wurde Ende 2006 eröffnet. Es gehört zu den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Hauptsitz in Bielefeld und zum Diakonischen Werk in Bremen.

Das Pflegezentrum hat nach Angaben der Diakonie 93 Plätze und beschäftigt 61 Mitarbeiter.

gn/epd

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