Erinnerung an die Franziskaner

„Verschwunden“: Die Klosterstraße führte von der Tiefer zur Balgebrückstraße

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Tiefer, Blickrichtung Altenwall. Gebäude stehen hier heute nur noch auf einer Straßenseite – und die Klosterstraße ist seit dem Bau der Wilhelm-Kaisen-Brücke ganz verschwunden.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Tiefer, Ecke Klosterstraße. Eine Adresse in Wesernähe, eine Adresse im Herzen der Stadt. Und auch eine Adresse, die es lange schon nicht mehr gibt – weil es die Klosterstraße nicht mehr gibt. Heute ist sie Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Die Klosterstraße, sie verlief von der Tiefer zur Balgebrückstraße – benannt nach dem Weserarm „Balge“, der durch die Altstadt lief und an dessen Verlauf heute etliche ins Trottoir eingelassene Tafeln erinnern. Klosterstraße, Ecke Tiefer – das galt zu einer Zeit, als das Weserufer an der Tiefer noch bebaut war. Heute sieht es dort anders aus, Häuser stehen an der Tiefer nur noch auf einer Seite. Durch Bombardierungen ist im Bereich Klosterstraße und Tiefer viel zerstört worden – Geschäftshäuser, Behördengebäude, Wohnraum.

Die Klosterstraße hatte ihren Namen vom früheren Franziskanerkloster, das einst bei der St.-Johannis-Kirche im Schnoor zu finden war. Kurzer Ausflug in die bremischen Kirchen- und Religionsgeschichte: Wo die Bremer Franziskaner ihre erste Kirche gehabt hatten, ist nicht überliefert. Bekannt ist jedoch, dass sie im 14. Jahrhundert ein Kloster und eine Kirche bauten – das Johanniskloster und die Kirche St. Johann eben.

Schwere Zeit für Katholiken

Dann kam die Reformation, der die Bremer sich ja mit Begeisterung anschlossen. Denn mit der Reformation begann die Ablösung der Stadt von der erzbischöflichen Herrschaft. Für jene, die dem katholischen Glauben treu blieben, begann eine schwere Zeit. Professor Konrad Elmshäuser, Direktor des Staatsarchivs: „Es gab eine kleine Diasporagemeinde, die lange darum kämpfen musste, um überhaupt öffentlich auftreten zu dürfen.“

Bis dahin aber sollte es noch dauern. 1528 wurde das Kloster der Franziskaner geschlossen, das Katharinenkloster zwischen Sögestraße und Schüsselkorb ebenfalls. Die Franziskaner durften in den ersten Jahren nach der Schließung noch in ihrem Kloster bleiben.

Ihre Messen mussten sie aber hinter verschlossenen Türen feiern. Immer mal wieder ließen sie dazu auch Bremer Bürger hinein. Das gefiel dem Rat der Stadt nicht. 1534 wurde der Ort des katholischen Widerstands mit einem Verbot belegt. 300 Jahre blieb das Klostergebäude dann noch stehen, bis es anno 1834 abgerissen wurde.

Sakralbauwerk als Lagerhaus

Die St.-Johannis-Kirche war in der Zeit von 1623 bis 1802 Gotteshaus der reformierten Flüchtlinge aus Frankreich und Holland. Anschließend diente das Sakralbauwerk profan als Lagerhaus. Im Jahr 1816 überließ der Senat den Bremer Katholiken die ehemalige Franziskanerkirche St. Johann im Schnoor dann als Gotteshaus. Die Katholiken sammelten Geld für Renovierung und Umbau – und weihten St. Johann im Oktober 1823 wieder ein.

Und die Klosterstraße? Sie verschwand viel, viel später. Sie überstand sogar noch den Zweiten Weltkrieg – trotz der Zerstörungen. Die Große Weserbrücke, nur einen Steinwurf von der Klosterstraße entfernt, wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Bald aber war die Große Weserbrücke zu klein für den wachsenden Straßenverkehr, 1961 wurde sie dann abgerissen.

Im Jahr zuvor hatten die Bremer direkt neben ihr nämlich eine neue, größere Weserbrücke eingeweiht, die seit 1980 den Namen von Bremens Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) trägt. Und mit dem Bau dieser neuen Brücke ist die Klosterstraße verschwunden.

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