„Überwiegend unbefriedigendes Jahr“

Bremen: Erhebliche Umsatzverluste in der Innenstadt

Der Hanseatenhof in Bremen.
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Leerstand am Hanseatenhof in der City: Neue Konzepte für Nutzungsmischungen sind gefragt, sagt die Handelskammer. Aber auch: „Die Innenstadt bleibt ein wichtiges Einkaufsziel.“

Der Einzelhandel in der Bremer City hat 2021 erhebliche Verluste verzeichnet. Doch für die Handelskammer steht fest: „Die Innenstadt bleibt ein wichtiges Einkaufsziel.“

Bremen – Die Corona-Pandemie hat auch 2021 den Einzelhandel immer wieder ausgebremst. „Die Lage war gemessen am Vergleichsjahr 2019 überwiegend unbefriedigend“, bilanziert Karsten Nowak, Geschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereiches Einzelhandel bei der Handelskammer Bremen.

Vor allem die wichtigen Leitbranchen der Innenstadt (Textilien, Schuhe, Lederwaren) verzeichneten im stationären Geschäft erhebliche Umsatzverluste. Hotels, Restaurants sowie Kultur- und Freizeitstätten litten ebenfalls unter den Frequenzverlusten und verbuchten massive Umsatzeinbrüche. Doch es gab auch Pandemie-Gewinner. „Durch die zeitweise Schließung der Gastronomie hat der Lebensmitteleinzelhandel deutliche Zuwächse verzeichnet“, sagt Nowak. Angebote rund um Haus und Garten profitierten von den Lockdown-Phasen. „Auch Fahrräder standen zeitweise hoch im Kurs“, ergänzt er. „Die Chancen zur deutlichen Umsatzsteigerung wurden für die Zweiradhändler aber durch fehlenden Nachschub von Neuwaren und Ersatzteilen wieder etwas eingetrübt.“

Einen Lichtblick gab es im Weihnachtsgeschäft. „Die Kunden haben wieder mehr Geld ausgegeben“, so Nowak. Überproportional profitiert habe davon der Online-Handel. Die Pandemie habe der Digitalisierung einen zusätzlichen Schub verliehen.

„Corona war auch ein wesentlicher Treiber, der den Umgang mit Bargeld verändert hat“, sagt Nowak. Schon 2018 sei in Deutschland im Einzelhandel erstmals mehr mit Karten als mit Bargeld gezahlt worden. Elektronische Zahlvorgänge über das Mobiltelefon verstärkten den Trend.

„Der Einkaufsbummel spielt aktuell kaum eine Rolle“

Der Handelskammer-Einzelhandelsexperte geht davon aus, dass sich das Einkaufsverhalten weiter aufteilen wird – in Standardeinkäufe im Internet und beratungsintensive Käufe vor Ort. Nowak weiter: „Der Einkaufsbummel mit zusätzlichen Impulskäufen spielt aktuell kaum eine Rolle.“ Es werde zielgerichtet gekauft. Und: „Der pandemiebedingte Rückzug ins Private und die Unsicherheit haben auch das Bewusstsein für das eigene Lebensumfeld wieder gestärkt. So liegen Begriffe wie Regionalität, Nachhaltigkeit, Entschleunigung und Gesundheit stärker im Trend.“

Nowak sagt auch: „Die Bremer Innenstadt ist weiterhin ein wichtiges Einkaufsziel und wird dies auch bleiben.“ Sein Handelskammer-Geschäftsführerkollege Olaf Orb, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik, verweist darauf, dass die Pandemie den Strukturwandel noch einmal verschärft habe. Eine Metropole wie Bremen mit allen wesentlichen oberzentralen Funktionen sei zunächst ein Ort der Begegnung, ein Ort des Austausches sowohl von Waren als auch von Wissen und Informationen. In einer modernen Stadt spielten auch diverse andere Themen eine Rolle. „Der Einzelhandel bleibt ein wichtiger Anker, wird zukünftig aber allein das Stadtzentrum nicht mit Leben füllen können“, sagt Orb. Neue Konzepte für Nutzungsmischungen auf engstem Raum, aus Wohnen, Einkaufen und Arbeiten, seien gefragt.

„Wir brauchen jetzt Perspektiven“

„Es muss dringend an der Stärkung Bremens als Oberzentrum gearbeitet werden“, so Orb. „Die Innenstadt muss sich jetzt zügig um ihre Stärken kümmern und das City-Erlebnis für Fußgänger herausarbeiten“, fährt er fort. „Hierzu gehört eine wegweisende Entscheidung für die Herausnahme der Straßenbahn aus der Obernstraße.“ Auch die Eingangssituationen in die Kern-Innenstadt – Domsheide, Brill, Herdentor und Sögestraße – müssten aufgewertet werden. Der Senat müsse private Investitionen aktiv unterstützen und eigene Beiträge zur Innenstadtentwicklung, wie etwa den geplanten City-Campus am Brill, anschieben. „Wir brauchen jetzt Perspektiven, zügige Planungsprozesse sowie konkrete Umsetzungsschritte für die wichtigsten Schlüsselprojekte.“

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