„Erhabene Lettern“

Bremen weiht einen Erinnerungsort für die Opfer des Geiseldramas ein

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Bremens Bürgermeister Carsten Sieling, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé auf dem Friedhof in Stuhr-Heiligenrode. 30 Jahre nach dem Geiseldrama von Gladbeck und Bremen legten sie hier im August vorigen Jahres Kränze am Grab von Silke Bischoff nieder. Jetzt schafft Bremen einen Erinnerungsort für die Opfer des Geiseldramas.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es hat lange gedauert, aber nun ist es so weit: Bremen weiht mit einer öffentlichen Feierstunde in Huckelriede einen Gedenk- und Erinnerungsort für die Opfer des Geiseldramas von 1988 ein. Die Einweihung beginnt am Sonnabend, 30. März, um 11 Uhr.

Damit bekommen all jene, die die Geschehnisse erlebt haben, und nicht zuletzt die Hinterbliebenen der Opfer einen Ort, an dem Bremen ihnen zeigt, dass es die Erinnerung an die Ereignisse von 1988 präsent halten will.

Im Sommer jenes Jahres hatten die Geiselnehmer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner in Huckelriede einen Linienbus mit mehr als 30 Passagieren entführt. Polizei und Journalisten, die jegliche Grenzen überschritten, verfolgten die Geiselnehmer. Am Ende waren drei Menschen tot: Der 14-jährige Emanuele de Giorgi und die 18-jährige Silke Bischoff starben durch Schüsse der Geiselnehmer. Und der Bremer Polizist Ingo Hagen kam auf dem Weg zum Einsatz bei einem Unfall ums Leben.

Wie erinnert man an so etwas? Eine Frage, über die man sich im Rathaus, im Innenressort und im Beirat Neustadt viele Gedanken gemacht hat. Hinzu kamen Gespräche mit Hinterbliebenen, deren Wünsche ebenfalls einfließen sollten.

Erinnerungsort auf einem Grünstreifen in Huckelriede

Aus den Familien kam beispielsweise der Wunsch, dass es am Gedenkort keine in den Boden eingelassene Platte geben soll. Die Bürgerschaft hatte den Senat mit Beschluss vom 30. Mai vergangenen Jahres damit beauftragt, einen Erinnerungsort zu schaffen.

Das Ergebnis ist eine Kombination verschiedener Dinge. Standort des Erinnerungsorts ist nun ein Grünstreifen direkt an der Haltestelle Huckelriede. Genau hier begann 1988 die Fahrt des von den Geiselnehmern gekaperten Busses der Linie 53.

Der Erinnerungsort besteht aus einer 1,20 Meter hohen Gedenkstele aus Granit – aus „hellem Granitstein“, wie im Rathaus betont wird. Die Stele trägt eine Bronzeplatte – nicht mit eingelassener Beschriftung, sondern „mit erhabenen Lettern“. Inschrift: „Im Gedenken an die Opfer der Geiselnahme von Gladbeck vom 16. bis 18. August 1988“. Es folgen die Namen Silke Bischoff, Emanuele de Giorgi und Ingo Hagen. Am linken unteren Rand der Platte steht „Der Senat der Freien Hansestadt Bremen“.

QR-Code gibt weitere Infos zum Geiseldrama preis

Die Stele ist eine Arbeit der Bremer Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Katja Stelljes. Die Bronzeplatte stammt aus der Gießerei von Thomas Schmalz („Statuarius“ in Findorff). Die Stele wird noch um einen QR-Code ergänzt, mit dem sich per Smartphone unter anderem Bürgerschaftsdebatten zum Geiseldrama und Untersuchungsberichte zu Fehlern de Polizei abrufen lassen. Zwei Sitzbänke ergänzen den Erinnerungsort – und dann gehört noch ein neu gepflanzter Ginkgobaum dazu. Er gilt als „Symbol für das, was Tod und Trauer überdauert“, wie es im Rathaus heißt.

Neben Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer wird Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) bei der Einweihung sprechen. Weitere Beiträge kommen von den Sprechern des Beirats Neustadt, Ingo Mose und Jens Oppermann. Und nicht zuletzt von Johnny Bastiampillai, der als siebenjähriger Junge in dem entführten Bus gesessen hat.

Beim Geiseldrama sind viele Fehler gemacht worden

„Aus heutiger Sicht sind im Zusammenhang mit der Geiselnahme im Sommer 1988 viele Fehler gemacht worden: von der Polizei, von den Medien und besonders im Umgang mit den Betroffenen und Hinterbliebenen“, sagt Bürgermeister Sieling. „Das Geschehene können wir nicht ungeschehen machen. Aber wir können die Erinnerung an die Opfer hier in Bremen wachhalten und den Hinterbliebenen zeigen, dass sie mit ihrer Trauer nicht vergessen sind. Das gilt selbstverständlich für alle Opfer oder Zeugen der Geiselnahme, auch für diejenigen, die wir nicht persönlich erreichen konnten. Auch sie sind herzlich eingeladen zur Einweihung des Erinnerungsortes am 30. März.“

Möglicherweise kommt auch der Bruder von Emanuele de Giorgi zu der Einweihungsfeier aus Italien nach Bremen, hieß es vorab. Emanuele de Giorgi liegt im süditalienischen Surbo (Region Apulien, Provinz Lecce) begraben.

Um die musikalische Gestaltung der Feier kümmert sich der Flötist Efraín Oscher. Er hat für diesen Anlass ein aus drei Sätzen (I. „Rush“, II. „Peace“ und III. „Beyond“) bestehendes Musikstück mit dem Titel „Ephimeral“ komponiert.

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