Leitfaden für ehrenamtliche Helfer

Erfahrungen und praktische Tipps aus der Flüchtlingshilfe

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Lilo Almstadt und Heinz Meyer an der Schlachte – mit ihrem Buch über ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Fredo“ und „Lupinchen“ heißen die Figuren aus ihren Kinderbüchern, „Singles auf die Sprünge helfen“ war eines ihrer Bücher für Erwachsene, in „So leben und glauben wir in Deutschland“ ging es um Religion – Lilo Almstadt und Heinz Meyer sind als Autorenpaar ebenso bekannt wie als Menschen, die sich für ihre Mitmenschen interessieren und engagieren. Nun haben Almstadt, 66, und Meyer, 63, beide eigentlich in Rente, ein neues Buch vorgestellt. Das Thema beschäftigt sie schon seit Jahren – Integration.

Dieses Mal gehen sie es ganz praktisch an. Ihr neues Buch mit dem Titel „Deine Hilfe macht Mut“ ist ein Leitfaden für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Erschienen ist der Band im Geest-Verlag. Er hat 250 Seiten und kostet 10,80 Euro. Die Illustrationen in dem Buch stammen von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben: Susan Hasam und Shvan Sheikho, beide 18, sowie Kefah Abu Khier, 17, entdeckten in Integrationsprojekten ihre Liebe zum Zeichnen. Randa Alhussien, 31, ist eine Kunstmalerin aus Aleppo und lebt seit wenigen Wochen in Bremen.

Almstadt und Meyer wissen genau, wovon sie berichten – schließlich engagieren sie sich schon seit langer Zeit für Flüchtlinge. Ihr Buch enthält etliche praktische Tipps und Hinweise – vom Sprach- bis zum Schwimmunterricht. „Goldene Regeln“ für Kurs-Organisatoren („realistische Ziele formulieren“) finden sich ebenso wie Erfahrungsberichte und Kontaktadressen.

Nicht immer läuft alles reibungslos

Hinzu kommen Schilderungen von Begegnungen, Geschichten vom Aufeinandertreffen und vom Miteinander. Nicht immer läuft dabei alles reibungslos ab, wie sollte es auch. Ein beliebtes Beispiel ist offenbar das Thema „Pünktlichkeit“.

„So hatten wir zum Beispiel mit viel Vorfreude für eine fünfköpfige syrische Familie ein Kaffeetrinken vorbereitet“, schreiben Almstadt und Meyer. Verabredet war: 16 Uhr. Danach sollten die Besucher noch zum Abendessen bleiben. Nur: es kam niemand um 16 Uhr. Auch um 16.15 Uhr und um 16.30 Uhr: kein Besuch da. „Schließlich fragten wir um 16.45 Uhr nach, ob sich die Familie schon auf den Weg gemacht hätte.“ Die Reaktion: Verblüffung. „Der Familienvater lachte nur freundlich und teilte uns mit, dass sie gerade noch etwas kochen und sich dann auf den Weg zu uns machen würden.“ Um 18.15 Uhr kamen die Besucher an – mit gekochtem Reis in der Hand. Sich zu spezifischen Zeiten zu verabreden, sei in ihrer Heimat nicht üblich, erklärten die Neu-Bremer.

Lieber gleich über Irritationen reden

Gegen 21.30 Uhr brachen die Gäste dann plötzlich in großer Hektik auf, ohne sich zu verabschieden. Wieder also war offenbar etwas schiefgelaufen. Aber was? Aufklärung folgte am nächsten Tag. Der Familienvater erklärte den Gastgebern: „Wir haben es als sehr respektlos angesehen, dass ihr uns zu so später Stunde nicht mit dem Auto in die Unterkunft zurückgebracht habt. Bei uns zu Hause wäre das selbstverständlich gewesen.“ Schließlich einigten sich alle Beteiligten darauf, mögliche Irritationen in Zukunft lieber gleich zur Sprache zu bringen – und damit eben gleich zu klären. „Seit dieser Einigung haben wir ein recht entspanntes, freundliches Miteinander mit der Familie entwickelt“, schreiben Almstadt und Meyer.

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) freut sich über das Buch „Deine Hilfe macht Mut“. Die Integration von Flüchtlingen, die bleiben, sei „eine große Aufgabe der nächsten Jahre“. Stahmann lobt, dass in dem Buch ehrenamtliche Helfer ebenso zu Wort kommen wie Flüchtlinge selbst. Damit sei der Band zu einer „wegweisenden Sammlung von Informationen“ geworden, die „für nahezu alle Lebensbereiche Orientierung und neue Impulse“ gebe.

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