Mit Lokalwissen über die Hansestadt

Atze Schröder in Bremen: Entschleunigung mit „Turbo“

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Comedian Atze Schröder zündet in der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena) den „Turbo“. Mit seinem aktuellen Programm hatte er einmal mehr die Lacher auf seiner Seite.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Alles in Eile, alles online und alles digital bearbeitet. „Hier sind Paare, die würden sich ohne Filter gar nicht mehr erkennen.“ Der Comedian Atze Schröder ist gut in Fahrt. In der fast ausverkauften und auch in der Fläche bestuhlten Stadthalle gewinnt der das Publikum mit seinem Programm „Turbo“ sofort für sich.

Atze ist in Höchstform – passend zu „Turbo“, einem schnellen Programm. Witze am laufenden Band sorgen für einen fast kontinuierlichen Lachpegel im Publikum. Das passt zur Gegenwart, die ist hektisch und informationsüberladen. Auch die Kleinen sind betroffen. Doch Atze sieht da einen Vorteil. „Keine Sorge, Eure Kinder gehen nicht in den Wald. Sie haben dort kein W-Lan.“

„Turbo“ wirbt für Entschleunigung, etwa bei den Müttern im Publikum. „Ihr solltet montags einfach mal auf den Wecker hauen, so, dass der nie wieder klingelt. Die Kinder müssen zur Schule, nicht Ihr“, sagt Atze einladend und hat auch gleich einen Tipp für die Männer: „Bleib‘ beim Weg zur Arbeit einfach mal zehn Minuten an der grünen Ampel stehen. Was meinst Du, wie viele Menschen Du kennenlernst.“

Rentner in der Gegenwart nicht mehr erlaubt?

In der Hektik der Gegenwart sei vieles nicht mehr erlaubt, zum Beispiel: Rentner. „Leute, die 65 sind, im Sessel sitzen und ihre Enkel mit ,Werthers Echten‘ bewerfen. Heute geben die erst mit 85 ihren Führerschein ab“, sagt Atze, eher empört als mitleidig. „80-Jährige gehen heute in den Kraftraum und heben 130 Kilo. Unter der Dusche sehen die aus wie der Terminator nach dem Säurebad.“

Auch besondere Gegenwartsströmungen nimmt der Komiker mit seinem rauen Ruhrpott-Humor aufs Korn. „In Limburg hat eine Veganerin einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, weil das Glockenspiel ,Fuchs, Du hast die Gans gestohlen‘ gespielt hat. Wohlgemerkt gestohlen, nicht gestoßen“, sagt Atze leicht entgeistert. Das Glockenspiel sei abgeschaltet worden. 

„Hier im Norden hätte ein Bürgermeister wohl einfach geantwortet: ,Hör‘ auf zu kiffen, Mädchen.‘ Aber hier im Norden hat ,Glockenspiel‘ ja auch eine andere Bedeutung.“ Atzes kleine, persönliche Rache an der Veganerin geht noch etwas weiter. „Meine Oma hat immer gesagt: ,Ohne Wurst und ohne Speck hat das Leben keinen Zweck.‘ Ein grüner Salat gewinnt noch etwas, wenn man ihn kurz vor dem Essen durch Gulasch ersetzt.“

Ab zur Vorsorgeuntersuchung!

In „Turbo“ zeigt sich Schröder auch von seiner persönlichen Seite. Er habe – mittlerweile 52 Jahre alt – schon Werbung für Prostatauntersuchungen gemacht. Er ermahnt die Männer im Publikum: „Ab 50 müsst Ihr zur Vorsorgeuntersuchung.“

Atze weiß schon, dass die Untersuchung für keinen Mann angenehm ist: „Da fingert einem einer an den Klöten rum. Aus Gewohnheit streichst Du ihm durchs Haar, für die Jüngeren: Du scrollst ihm durchs Haar.“ Schröder erweckt die Szene kurz zum Leben und schlüpft nacheinander in zwei Rollen.

Er zeigt gebeugt die Haltung des Patienten. Dann zieht er Gummihandschuhe an. Der Urologe, aufrecht stehend, spricht mit tiefer, männlicher Stimme: „Die Erektion, die sie gleich spüren, ist normal“. Der Patient, verlegen: „Aber ich spüre gar keine Erektion.“ Der Arzt ist verwundert.

„Hier fahren sogar die Asis einen 7er“

„Wer spricht denn von Ihnen?“ Wichtig sei vor allem, sich für zu Hause zu merken, was der Urologe gesagt hat. „Sonst droht der endgültige Verlust der Männlichkeit. Dann kommt Ihre Perle mit zum Urologen. Der redet dann gar nicht mehr mit Ihnen.“

Im Direktvergleich von Bremen und einem Duisburger Brennpunkt zeigt Schröder echtes Lokalwissen über die Hansestadt. „Verglichen damit ist Bremen wie Monaco. Hier fahren sogar die Asis einen 7er. Da ist dann der Schriftzug ,Miri‘ auf der Felge.“ 

Atze hat das Publikum und dessen Lachmuskeln von Anfang an im Griff. Entsprechend herzlich ist der Abschied: „Das sind die Abende, für die man zum Komiker wird. Ihr seid phantastisch.“

www.atzeschroeder.de

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