„Hanseatische Himmelsstürmer“: Der Motorflieger Wilhelm Heinrich Focke

„Ente“ mit zwei Tragflächen

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Am Steuer der „Ente“: Wilhelm Heinrich Focke und seine Konstruktion 1909 in den Rumpler-Werken in Berlin. ·

Bremen - Von Ulf KaackDie Wurzeln der Luftfahrthistorie in der Hansestadt gehen zurück auf das Jahr 1907 und sind eng mit einem Namen verbunden: Wilhelm Heinrich Focke. Er gilt als der erste deutsche Motorflieger und war einer der frühen Konstrukteure in der noch jungen Fliegerei. Ihm widmen wir den ersten Teil unserer neuen Serie „Hanseatische Himmelsstürmer“.

Als im November 1906 die Nachricht von dem 220 Meter weiten Motorflug des Brasilianers Alberto Santos-Dumont in Paris auch die Hansestadt erreichte, infizierte sich auch Wilhelm Heinrich Focke mit dem Bazillus Luftfahrt. Der damals 28-jährige brachte Entwürfe von Flugapparaten zu Papier und fertigte Modelle, mit denen er forschte und experimentierte. Ab 1907 baute er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Henrich verschiedene Flugmodelle und war nunmehr überzeugt von der Machbarkeit des dynamischen Fliegens.

Wilhelm Heinrich Focke entstammt einer angesehenen und alteingesessenen Bremer Familie. Zu seinen Vorfahren gehören der „Schottmeister“ (Finanzsenator) Heinrich „Henry“ Focke (1732–1801) sowie der weltberühmte Astronom Wilhelm Olbers (1758– 1840). Sein Vater, der Senatssyndikus Johann Focke (1848–1922), war Gründer und Namengeber des Focke-Museums, sein Bruder Henrich Focke (1890–1980) der bekannte Luftfahrtpionier und Hubschrauberkonstrukteur.

Am 18. Dezember 1908 erhielt Wilhelm Heinrich Focke das Reichspatent Nr.  239542 auf seine Konstruktion eines „Drachenfliegers mit hintereinander liegenden verschiedenen Tragflächen“. Es trug den Namen „Ente“, da es in seiner Formgebung den Wasservögeln nachempfunden war: Die beiden großen Tragflächen lagen am Heck, im vorderen Bereich des lang gestreckten Rohrrahmen-Rumpfes zwei kleinere Stabilisatoren. Der Vortrieb erfolgte über einen Druckpropeller.

Tatsächlich gelang es dem Erfinder, sein Projekt in die Praxis umzusetzen. Und er gewann mit dem Berliner Juristen Dr. Alberti einen Finanzier für sein Vorhaben. Mit einem Betrag von rund 24 000 Reichsmark wurde die „Ente“ 1909 in den Werkstätten der erst im Jahr zuvor gegründeten Rumpler-Flugzeugwerke gebaut. Als Antrieb diente ein Achtzylinder-Motor des französischen Herstellers E.N.V. mit einer Leistung von 40 PS.

Trotz erheblicher technischer Probleme gelang im September 1909 der Erstflug mit der „Ente“ in einem großdimensionierten Zelt auf dem Bornstedter Feld bei Potsdam. Der Sponsor flog eine Strecke von 40 Metern in drei Metern Höhe. Trotzdem stellte der Finanzier anschließend die Unterstützung des Projektes ein. Focke verlor das Interesse an der Fliegerei und wandte sich der Kunst zu.

Auch nach Fockes Entscheidung zu Gunsten seiner künstlerischen Karriere bewahrte er seinen Erfindergeist. Er schuf zahlreiche bionische Entwürfe. So gestaltete er Flugzeuge, Strand- und Eissegler sowie Katamarane nach naturalistischen Vorbildern. Häufig diente der Wind als Antriebskraft bei diesen Technikstudien. „Ich bin ein Freund des Windes“, sagte der am 15. Dezember 1974 in Bremen gestorbene Künstler über sich selbst – und meinte damit nicht nur seine technische Weltanschauung, sondern auch die Philosophie seiner Kunst und seines Lebens.

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