Engagement nicht nur fürs Foto

Interview: Adel Tawil über Musik, Berlin und das Leben als Vater

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Wirbt für Weltoffenheit, kritisiert die weitverbreitete To-go-Mentalität: Adel Tawil. Der Sänger tritt am 15. Januar 2020 im Gröpelinger Pier 2 auf. Das Tour-Motto gleicht dem Titel seines aktuellen Albums: „Alles lebt“.

Bremen - „Ist da jemand?“ Ja, in der Tat, da ist jemand am Telefon. Genau der Mann nämlich, der dieses Lied gesungen hat: Adel Tawil, 41, Sänger, Songwriter, Produzent. Aus seiner Heimatstadt Berlin ruft er in Bremen an. Denn demnächst gibt der Künstler ein Konzert in der Hansestadt.

Tawil tritt am Mittwoch, 15. Januar 2020, im Gröpelinger Pier 2 auf (Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Kartenpreise um 44,90 Euro – auch in den Geschäftsstellen unserer Zeitung). Im Gespräch geht es um sein neues Album, das Leben als Vater, soziales Engagement. Und um Berlin.

Herr Tawil, Ihr aktuelles Album heißt „Alles lebt“ – worauf bezieht sich der Titel?

Es ist ein Lied auf dem Album, das auch „Alles lebt“ heißt. Es geht darum, dass alles mit allem verbunden ist. Das ist eine schöne Aussage, wie ich finde, und sie steht stellvertretend für den gesamten Spirit des Albums – eine positive Message.

Ein weiterer Song auf dem Album heißt „Liebe to go“. Ist das auch eine Kritik an der allgegenwärtigen To-go-Mentalität?

Genau das ist gemeint! Ich war vor Kurzem gerade in Wien. Da ist es noch so, dass sie ihre schöne, alte Wiener Kaffeehauskultur beibehalten haben. Bei uns geht das so langsam verloren, wenn man sich nicht einmal mehr die Zeit nimmt, einen Kaffee in Ruhe zu trinken. Ich blicke gerade auf den Ku‘damm, da sieht man Hunderte von Menschen mit Bechern über die Ampeln hetzen. Überall sieht man so etwas, es gibt ja inzwischen alles mögliche „to go“.

2018 sind Sie Vater geworden. Ist jetzt alles anders?

Man hört ja immer, dass sich alles verändert, wenn ein Kind kommt. Aber man hat keine Vorstellung davon, wie das wirklich ist! Es hat mich komplett geprägt, alles auf den Kopf gestellt. Sämtliche Prioritäten haben sich verschoben. Als Musiker führt man ja auch ein unverbindliches Leben, hängt mit den Jungs im Studio; pünktlich muss man nur zum Konzert kommen… Die Prioritäten haben sich vollkommen verändert. Es war für mich auch die richtige Zeit dafür. Alles kam perfekt zusammen.

Welche Werte wollen Sie Ihrem Kind vermitteln?

Die Werte, die ich auch von meinen Eltern mitbekommen habe: Weltoffenheit, Toleranz, Menschlichkeit. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass diese Dinge für mich selbstverständlich sind. Für andere Menschen sind sie es ja teilweise nicht mehr, wenn man manchmal den Umgang erlebt, der im Internet herrscht. Das ist eine Sache, die einen schon erschreckt. Zum Beispiel diese Häme, als Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der Bühne gefallen ist. Das erschreckt einen.

Sie sind Präsident der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, die schädelhirnverletzten Unfallopfern und deren Angehörigen hilft. Wie sind Sie dazu gekommen?

Das hatte auch etwas mit meinem Unfall zu tun. Beim Sprung in einen Pool habe ich mir 2016 einen vierfachen Bruch des ersten Halswirbels zugezogen. Es ist ein Riesenglück, dass ich diesen Unfall überlebt habe. Viele Menschen haben dieses Glück nicht. Die Stiftung hatte mich angesprochen. Ich habe dann gesagt, dass ich mich gerne engagiere, aber nicht nur fürs Foto. Ich will auch richtig beteiligt sein. Nun habe ich Kuratoriumssitzungen, eine für mich ganz neue Welt… Die Arbeit für die Stiftung macht mir sehr viel Spaß, sie ist sehr motivierend. Und sie bewirkt etwas. Ich habe auch bei verschiedenen Aktionen mitgemacht, beim Kochen mit Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma zum Beispiel. Es beeindruckt mich, dass diese Menschen so viel Kraft haben und kämpfen. 2020 kommen neue Stiftungsprojekte, an denen ich mich auch wieder beteiligen werde.

Sagen Sie noch was über Berlin, Ihre Heimatstadt!

Es ist so ein Wechselspiel mit Berlin. Schön hat es der Sänger Peter Fox in seinem Song „Schwarz zu blau“ gesagt: „Guten Morgen, Berlin, Du kannst so hässlich sein. . .“ Ich fühle mich als waschechter Berliner, aber es gibt auch Momente, wo einem die Stadt zu viel wird. Es ist mit die meistbesuchte Stadt in Europa – also, langweilig wird es einem in Berlin nicht! Was ich am meisten liebe, sind die Berliner an sich. Und die große kulinarische Vielfalt.

Und wo gehen Sie hin, wenn Ihnen die Stadt mal zuviel wird?

An die Ostsee oder auch an die Nordsee. Und nach Brandenburg. Brandenburg ist gesegnet mit schönen Seen. Da kommt man schnell wieder runter.

Zur Person

Adel Tawil wurde am 15. August 1978 in Berlin geboren. Sein Vater ist Ägypter, seine Mutter ist Tunesierin. Tawils Pop-Karriere begann Mitte der 90er mit der Boyband „The Boyz“. 2003 gründete er mit Pop-Legende Annette Humpe („Ideal“) das Duo „Ich + Ich“ („Vom selben Stern“). 2013 brachte Tawil sein erstes Soloalbum „Lieder“ heraus.

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