Regale der Galeria Kaufhof sind leer / Möbelkette soll Nachmieter werden

Endzeitstimmung in Bremen

Das war's: Die Regale der Galeria Kaufhof sind leer. Alles ist raus.
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Das war"s: Die Regale der Galeria Kaufhof sind leer. Alles ist raus.

Bremen – „Alles muss raus.“ Seit Wochen werden die Bremer auf das Ende des Galeria-Kaufhof-Hauses an der Papenstraße vorbereitet. Mit immer höheren Rabatten. Am Sonnabend sollte Schluss ein. Doch am Donnerstagmittag sind die Regale leer. Alles ist raus. Einige Mitarbeiter gehen durch die Gänge, räumen auf. Andere demontieren die Kassen. Schlussabrechnung. Endzeitstimmung. Mit der Schließung verlieren rund 150 Angestellte ihren Arbeitsplatz.

Einige Kunden stehen ratlos vor den Eingängen. „Ist der Laden schon dicht?“ Irgendwie schon. „Keine Ware mehr da“, lautet die offizielle Begründung. Aber es geht ja noch hinein ins Kaufhaus. Der mit Pfeilen ausgewiesene Weg führt zu den Rolltreppen. Die fahren hinauf ins dritte und vierte Obergeschoss zum Elektronikmarkt Saturn. Und ins Tiefgeschoss, ins Lebensmittelgeschäft von Edeka Bredow. Während der kurzen Fahrt fällt der Blick unweigerlich auf die markante Lichtinstallation mit ihren 4 800 Glühlampen. 30 Meter misst sie vom Untergeschoss bis zur Decke.

Saturn und Edeka bleiben im Haus, die Rolltreppen und Glühlampen auch. Der Vermieter, die Frankfurter DIC-Gruppe, hat nach eigenen Angaben bereits einen Nachmieter gefunden. Die Möbelkette Opti soll in zwei Etagen einziehen – vorerst zeitlich begrenzt. Außerdem plant der Eigentümer, kleine Flächen für unterschiedliche Mieter anzubieten – ein sogenanntes Shop-in-Shop-Konzept.

Endzeitstimmung:
Möbelkette
als Nachmieter

Der Mietvertrag mit dem Kaufhauskonzern Galeria Karstadt-Kaufhof lief planmäßig bis Ende Juni 2024. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) und die Einzelhändlervereinigung City-Initiative begrüßen, dass die Immobilie weiter genutzt werden soll. Das 48 Jahre alte Gebäude mit seiner Wabenfassade („Horten-Kacheln“) gilt auch als Schlüsselimmobilie für die Innenstadtpläne des Bremer Bauunternehmers Kurt Zech. Der hat das Parkhaus Mitte von der Stadt gekauft. Und will es abreißen. Doch das Kaufhof-Gebäude ist mit dem Parkhaus verbunden. Nur über die Hochgarage sind die Parkplätze auf dem Kaufhausdach zu erreichen. Ein neuer Bebauungsplan muss her.

In der Innenstadt ist gegen Mittag wenig los. Der Corona-Frust sitzt tief. „Ich bin noch mal da, bevor wir eingesperrt werden“, murrt ein Mann, zupft an seiner Maske und zieht weiter. „Kaufhäuser sind Auslaufmodelle“, sagt eine junge Frau. „Alles hat seine Zeit.“ Das Karstadt-Kaufhaus aber bleibt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es gehört Kurt Zech. Und es ist immer noch der Fixpunkt in der City. „Wer früher in die Stadt fuhr, der ging auch nach Karstadt hin“, frischt ein Mittfünfziger in breitem Bremisch seine Jugenderinnerungen auf.

Endzeitstimmung:
Karstadt-Haus bleibt Fixpunkt

Das Karstadt-Haus prägt die Innenstadt. Das ist spürbar und hörbar. In der Langenstraße beispielsweise fragen Touristen aus dem Rheinland einen jungen Mann: „Kennen Sie sich hier aus? Wir suchen das Zentrum.“ Der antwortet schnell: „Da um die Ecke ist Karstadt. Und da sind dann auch die anderen Läden.“

Die Corona-Pandemie hinterlässt Spuren in der Innenstadt. „Roland-Kleidung“ hat die Segel längst gestrichen. Weitere Geschäfte stehen leer. Andere werden umgebaut. Ein „Rewe“-Markt zieht in die Obernstraße, ein „dm“-Drogeriemarkt in die Sögestraße. Der Senat stellt als Soforthilfe für die Innenstadt 13,2 Millionen Euro zur Verfügung. Aus Sicht der City-Initiative ist das „ein richtiges Signal“.

Derweil sickert durch, dass die Pläne für den Umbau des Lloydhofes am Ansgarikirchhof abgespeckt werden. Der Investor „Denkmalneu“ aus Bayern will auf Dachterrasse und Skybar verzichten. Aus Kostengründen. „Das ist nicht mehr darstellbar“, heißt es. Der 40 Jahre alte Gebäudekomplex Lloydhof soll zu einem „lebendigen Haus“ umgebaut werden – unter anderem mit 75 Appartements. Ankermieter wird die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die auf sechs Etagen 7 000 Quadratmeter Bürofläche belegen will. Die Umbauarbeiten sollen laut Denkmalneu Ende 2021 beendet sein. 35 Millionen Euro werden investiert.

Die WFB wiederum verlässt das Kontorhaus an der Langenstraße, das der Investor Christian Jacobs gekauft hat, ein Spross der Bremer Kaffee-Dynastie. Er hat bereits im Frühsommer an der Obernstraße das neue Johann-Jacobs-Haus eröffnet.

Von Jörg Esser

Tschüss: Das Kaufhaus verabschiedet sich.
Markante Lichtinstallation: Die 4 800 Glühbirnen im Kaufhaus-Gebäude bleiben vorerst an. Doch die Regale in den ersten Etagen sind leergeräumt. Galeria Kaufhof ist ausgezogen, Saturn und Edeka bleiben.

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