Ende einer offenen Rechnung

Plädoyers im Prozess um versuchten Totschlag in der Waterfront

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Ditron S. (25, hinten links) und sein älterer Bruder Agron S. (27, vorne rechts) halten sich Blätter vor ihre Gesichter, während Justizbeamte die Angeklagten in den Verhandlungssaal führen.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Der Angriff auf einen heute 30-Jährigen im Einkaufszentrum „Waterfront“ im Mai vergangenen Jahres war versuchter Totschlag. Am Dienstag forderte die Anklagevertretung wegen des Messerangriffs eine Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten für den Hauptangeklagten Ditron S. Der 25-Jährige habe den Tod des Mannes „billigend in Kauf“ genommen, sagte Staatsanwalt Jan Möhle während seines Plädoyers.

Nach Auffassung des Staatanwaltes habe Ditron S. in den Abendstunden des 20. Mai 2017 nach einem vorangegangen Streit mit dem späteren Opfer mehrfach „schnell, kurz und stakkatoartig“ auf den Mann eingestochen und ihn so im Bereich der Lunge und der linken Niere verletzt. Nach Aussagen von Rechtsmedizinern seien die Verletzungen, die letztlich nur oberflächlich waren, jedoch potenziell tödlich gewesen. „Insgesamt war der Angriff eine sehr gefährliche Handlung“, konstatierte Staatsanwalt Möhle.

Die beiden anderen Angeklagten, der ältere Bruder von Ditron S., Agron S. (27, beide Mazedonier), und der 26-jährige gebürtige Türke Abdullah C. hätten sich wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht, so Möhle. Agron S., der ebenfalls einmal mit einem Messer zugestochen haben soll, soll demnach zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt werden, Abdullah C., der dem Opfer eine Kopfnuss verpasste, zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Beide Strafen sollen zur Bewährung ausgesetzt werden, forderte Möhle. Alle Angeklagten seien nicht einschlägig vorbestraft, hätten Familie, ein stabiles soziales Umfeld und zum Teil Kinder – diese Faktoren müssten bei der Urteilsfindung berücksichtig werden, so Möhle. Zudem hätten sich zumindest Agron S. und Ditron S. teilweise geständig gezeigt. Ein Urteil ist für Donnerstag, 15. März, vorgesehen.

Dass es überhaupt zum Angriff – der einen Großeinsatz von Polizei und Sondereinsatzkommando auslöste, weil die Behörden anfänglich von einer Terrorlage ausgingen – kam, ist einer gewissen Vorgeschichte geschuldet, schilderten die Angeklagten während des Prozesses (wir berichteten). Das Opfer soll demnach rund eineinhalb Jahre vor der Attacke in der „Waterfront“ den Angeklagten Ditron S. zusammengeschlagen und dabei an schwer verletzt haben. Gegen den 30-Jährigen beginnt bald selbst ein Gerichtsverfahren, sagte seine Anwältin Britta von Döllen-Korgel, die ihn als Nebenkläger im jetzigen Prozess vertritt. Diese Geschichte habe das Opfer an jenem 20. Mai 2017 „klären“ wollen, die Angeklagten nach ihren Aussagen nicht. Aus Angst, das spätere Opfer sei mit einer Pistole bewaffnet und wolle diese auch einsetzen, hätte Ditron S. zugestochen, hieß es in einer Erklärung des 25-Jährigen. Erich Joster, Anwalt von Ditron S., plädierte am Dienstag auf Notwehr und forderte eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. Zudem handele es sich laut Joester um einen minderschweren Fall, der nicht aus Rache, sondern aus Angst geschehen sei. Döllen-Korgel sagte hingegen, „die Tat sei nicht von Ängsten getragen gewesen“. „Es ging allein darum, eine offene Rechnung zu begleichen.“

Stephan Weinert, Anwalt von Agron S., forderte eine Haftstrafe von nicht mehr als acht Monaten für seinen 27-jährigen Mandanten, ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung. Abdullah C. soll, geht es nach seinem Verteidiger Christian Knüpling, mit einer Geldstrafe davonkommen. Bei der Kopfnuss handele es sich um eine einfache, nicht um eine gefährliche Körperverletzung, begründete Knüpling.

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