Das Ende einer Ära

Schuhgeschäft Wachendorf in der Bremer City schließt nach 140 Jahren

Peter Schöler geht mit 67 Jahren in den Ruhestand. Einen geeigneten Nachfolger für das seit 140 Jahren inhabergeführte Schuhhaus Wachendorf in der Bremer Innenstadt hat er nicht gefunden. - Foto: Seegers

Bremen - Von Nina Seegers. Das Signalrot des fünf Meter mal acht Meter großen Transparents sticht ins Auge. Unter dem großen Prozentzeichen steht „Räumungsverkauf”. Bis Ende November nämlich will Peter Schöler alle Schuhe verkauft haben, bevor er das Familienunternehmen in der Bremer Innenstadt nach 140 Jahren schließen muss. Es ist das Ende einer Ära.

Schöler ist 67 Jahre und geht nun bald in seinen wohlverdienten Ruhestand. Einen Nachfolger für das inhabergeführte Schuhgeschäft hat er nicht gefunden. „Ich bin der Überzeugung, dass es sehr viel einfacher gewesen wäre, einen geeigneten Nachfolger zu finden, wenn das große ,City-Center’ hier am Ansgarikirchhof gebaut worden wäre”, sagt Schöler. „Das hätte die Lage des Schuhgeschäfts deutlich attraktiver gemacht”, glaubt der ehemalige Vizepräses der Handelskammer. Jetzt ist es also aus nach knapp 140 Jahren, und alles steht im Zeichen des Räumungsverkaufs: Die Regale in den Verkaufsräumen mit rund 400 Quadratmeter Fläche sind längst abgebaut. Stattdessen hängen die Schuhe an Bügeln der Größe nach geordnet an langen Stangen.

Es herrscht ein großes Gewusel. Ambitionierte Schnäppchenjäger stürzen sich auf die aktuelle Herbstware, die zwischen 20 und 50 Prozent reduziert ist. „Der Räumungsverkauf ist überaus erfolgreich, damit hätte ich gar nicht gerechnet”, so Schöler. „Es gibt Kundinnen, die bauen regelrecht Schuhtürme um sich herum auf und probieren dann in aller Ruhe alles aus”, fügt er lachend hinzu.

1877 gründete Schölers Urgroßvater Wilhelm Wachendorf das gleichnamige Schuhgeschäft in der Knochenhauer Straße. Er gehört zu den Pionieren des Bremer Schuhhandels, denn er war einer der ersten, der in seinem Geschäft damals fabrikgefertigtes Schuhwerk verkaufte. 1908 übernahm seine Tochter Anny zusammen mit ihrem Ehemann Hans Hillig das Unternehmen und führte es durch die turbulenten Zeiten des Ersten Weltkriegs und die Weltwirtschaftskrise während der Weimarer Republik. Mit Erfolg: 1927, als Wachendorf 50-jähriges Bestehen feierte, beschäftigte die Familie rund 50 Mitarbeiter. Auf die schwierigen Zeiten des Zweiten Weltkriegs folgte das Wirtschaftswunder. Neben dem Haupthaus im Ostertorsteinweg eröffnete Wachendorf 1965 eine weitere Filiale am heutigen Standort in der Ansgaritorstraße 21. Inzwischen leitete Annys Tochter Kläre zusammen mit ihrem Mann Kurt Schöler – also die Eltern von Peter Schöler – das Schuhhaus. Das Haupthaus am Ostertorsteinweg ließen sie 1979 schließen und verlagerten es in die Bremer Innenstadt. 1982 übernahm Peter Schöler schließlich das Geschäft, das er bis heute führt.

Was die Geschäftsaufgabe für ihn bedeutet, kann er momentan noch nicht wirklich einschätzen. „Im Moment arbeite ich jeden Tag 14 Stunden und habe keine Zeit für Sentimentalitäten, das kommt sicher erst ein paar Monate später”, schätzt er. Angst vor dem großen Loch im Ruhestand hat er allerdings nicht. „Ich bin ein Abenteurer”, gesteht er. Eine Reise in den Himalaya und ausgiebige Segeltouren – womöglich auf seinem eigenen Boot – stehen unter anderem auf seinem Plan.

Wer nach der Geschäftsaufgabe in das Gebäude in der Ansgaritorstraße zieht, steht noch nicht fest. „Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Mietern, aber es ist noch nichts unterschrieben”, so Schöler abschließend.

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