Meereisdicke stabil

Ende der Antarktissaison: „Polarstern“ wieder in Bremerhaven

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Impressionen einer Expedition: das Meereis-Team Christian Haas und Stefanie Arndt.

Bremerhaven – Das Forschungsschiff „Polarstern“ ist nach einem halben Jahr auf der Südhalbkugel in seinen Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt. Am Freitagabend gegen Mitternacht machte das Schiff an der Pier der Lloyd-Werft fest. Dort wird der Eisbrecher nach dieser vom Meereis geprägten Saison darauf vorbereitet, ab September die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten durchzuführen.

Meterdickes Meereis soweit das Auge reicht: Als das Forschungsschiff „Polarstern“ auf dem zentralen Fahrtabschnitt der Saison im März des Jahres Kurs auf das Larsen C Schelfeis im antarktischen Weddellmeer nehmen wollte, war kein Durchkommen möglich. Statt den Meeresboden und seine Bewohner unter dem abgebrochenen Rieseneisberg A 68 genau zu untersuchen, mussten die Wissenschaftler ein alternatives Forschungsprogramm auf die Beine stellen. 

Glück im Unglück für die Meereisforscher des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI): „Wir hatten erstmals seit 13 Jahren wieder die Gelegenheit, die Eisdicke im nordwestlichen Weddellmeer zu bestimmen und die Beschaffenheit von Eis und aufliegendem Schnee und der davon abhängigen Mikroorganismen im Eis genau zu untersuchen“, berichtete Prof. Christian Haas. 

Impressionen einer Expedition: viel Eis um die „Polarstern“, aufgenommen bei einer Eisstation der Meereisgruppe auf der Expedition „PS 118“.

„Das Meereis hatte eine Dicke von durchschnittlich drei bis vier Metern und hat sich damit seit unserer letzten Polarstern-Expedition im Jahr 2006 nicht verändert“, so der AWI-Geophysiker weiter. Überrascht sei er von diesem Ergebnis nicht gewesen: „Auch die Meereisausdehnung hat sich in vielen Teilen des gesamten Südozeans über Jahrzehnte kaum verändert, obwohl es regionale Unterschiede und kurzzeitige Schwankungen gibt. Mehr Informationen dazu werden regelmäßig im Meereisportal des AWI präsentiert. 

Im Gegensatz zur Arktis, wo die Meereisausdehnung seit Jahrzehnten stark abnimmt, sind die Meereisverhältnisse hier aufgrund der isolierten Lage der Antarktis und ihrer besonderen Klimabedingungen relativ stabil.“

Impressionen einer Expedition: eine Aufnahme von der Lebenswelt am Meeresgrund in der Region.

Der AWI-Meereisforscher hatte bereits im Vorfeld Satellitenaufnahmen studiert. Ob diese Fernerkundungsdaten die Beschaffenheit und Dicke des Meereises korrekt abbilden, ist eine der Fragestellungen, die Christian Haas mit seinem Team bearbeitet hat. So unternahmen die Forscher Messflüge mit dem Bordhelikopter, der einen elektromagnetischen Eisdickensensor („EM-Bird“) über das Eis schleppt. Einen weiteren elektromagnetischen Sensor auf einem Schlitten zogen die Forscher zu Fuß über das Eis. Auf den Eisschollen erbohrten sie Eiskerne, um die biophysikalischen Eigenschaften und die im Eis enthaltene Biomasse zu bestimmen. All diese Daten gehen in die Verbesserung der Satellitenprodukte ein; so lassen sich die Satellitendaten später kalibrieren und interpretieren.

Flexibler mussten die internationalen Forschungsteams aus Biologen und Geologen sein, die ursprünglich Bodenbeschaffenheit und Artenvielfalt vor dem Larsen-C- Schelfeis untersuchen wollten. Anstatt die Besiedlung unter dem riesigen abgebrochenen Eisberg zu analysieren, entschlossen sie sich, die Auswirkungen der Meereisbedeckung auf Sedimente und die Lebewelt am Meeresboden zu erforschen. Ihre so gewonnenen Proben und Daten werten sie jetzt in den Heimatinstituten aus. So sammelten sie wichtige Daten zu den weitgehend unbekannten ökologischen Verhältnissen im Weddellmeer.

Bis Mitte August liegt die „Polarstern“ in der Bremerhavener Lloyd-Werft. Sie wird gewartet und wird für die anstehende Überwinterung in der Arktis ausgerüstet und startet dann für eine biologisch-ozeanographische Expedition zum Langzeit-Observatorium AWI Hausgarten in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen.

Mitte September wird das Schiff im norwegischen Tromsø dann für die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten ausgerüstet: „MOSAiC“ (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate). Am 20. September wird der deutsche Forschungseisbrecher vom norwegischen Tromsø aus in die Arktis aufbrechen und ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen, werden 600 Menschen aus 17 Ländern an der Expedition teilnehmen. Erst im Oktober 2020 wird die „Polarstern“ dann wieder in Bremerhaven zurückerwartet. sk

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