Emre Aydin und Torsten Gries haben für 15 Wochen ihre Dienststelle getauscht

„Es geht nur miteinander“

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Nicolai Roth (v.l.), Leiter der Polizeiinspektion Ost in Bremen, Thorsten Strier, Leiter des Polizeikommissariats Achim, und die beiden „Austauschpolizisten“ Emre Aydin (Achim) und Torsten Gries (Bremen).

Bremen - Von Viviane Reineking. Über die Landesgrenzen hinaus gucken, erleben, wie beim Nachbarn die tägliche Polizeiarbeit funktioniert: 15 Wochen lang haben Emre Aydin aus Achim und Torsten Gries aus Bremen ihren Einsatz- und Streifendienst mit dem des jeweils anderen getauscht. Zum Abschluss ihrer Hospitation berichteten sie gestern im Polizeipräsidium in der Vahr von ihren Eindrücken.

„Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es in Achim mehr als in Bremen“, stellt Torsten Gries fest. „Ich denke, in Bremen wohnen die Menschen gerne anonymer“, meint Emre Aydin. Beide „Austauschpolizisten“ haben an der zweiten Hospitation zwischen dem Polizeikommissariat Achim der Polizeiinspektion Verden/Osterholz und der Polizeiinspektion Bremen-Ost teilgenommen. Aydin hat seinen Dienst in der Vahr, in Hemelingen, Schwachhausen und Oberneuland versehen, während Kollege Gries in Achim, Ottersberg und Oyten unterwegs war.

„Die ersten Tage habe ich mich gefühlt wie ein Praktikant“, so Aydin. Zwar sei das Grundverständnis von Polizeiarbeit gleich, wie der Leiter der Bremer Polizeiinspektion Ost, Nicolai Roth, betont. Doch als Herausforderung hätten sich vor allem die „Tücken des Alltags“ erwiesen. Laut Thorsten Strier, Leiter des Achimer Kommissariats, ist die Hospitation Teil der strategischen Ausrichtung, noch enger, zum Beispiel bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität, zusammenzuwachsen. „Heute geht es nur noch miteinander“, so das Fazit der Beteiligten.

Auch abseits von Nachbarschaftsquerelen haben die Polizisten Unterschiede in der täglichen Praxis ausgemacht. In Achim beispielsweise seien die Fahrtwege länger, so Gries. Und: „Schwere Verkehrsunfälle gibt es auch in Bremen, aber selten so, dass man das Fahrzeug nicht mehr erkennt“, so der 38-Jährige. Etwas unterschiedlich seien auch die Abläufe bei der Spurensicherung nach einem Einbruch. Und die Bürokratie nach einem Verkehrsunfall: „Ich habe eine Stunde gebraucht, den Vorgang in dem Computersystem zu erfassen“, so Aydin, und schmunzelt: „In Niedersachsen hätte ich das in zehn Minuten im Streifenwagen erledigt.“

Vor allem beschäftigt hat die beiden Ordnungshüter aber das Bild der Bürger von der Polizei im jeweils anderen Einsatzgebiet. „Die Polizei hat in der Vahr ein anderes Bild als in Oberneuland“, so der 25-jährige Aydin im Hinblick auf die unterschiedlichen sozialen Strukturen. Aber: Auch in Schwachhausen seien die Menschen der Polizei gegenüber oft kritisch oder gar negativ eingestellt. Während die Bremer Polizei oft ein Feindbild darstelle, würde die Arbeit der Beamten in Achim nicht so infrage gestellt, so Gries’ Eindruck. Und während in einem Achimer Wohnviertel, in dem viele Migranten leben, die Herkunft bunt gemischt sei, „gibt es in Bremen Orte, wo alle aus einem Kulturkreis kommen und das ganze Haus gegen die Polizei ist“. Gries resümiert: „Die Zusammenarbeit wird einfacher, wenn man sich kennt.“

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