„Schlachte-Schiff“ erforscht: „Weltweit erster Nachweis eines Heckruders“

„Eminent wichtiger Fund“

Professor Manfred Rech, Bremens früherer Landesarchäologe, mit einem Modell des „Schlachte-Schiffs“ am (oder besser: auf dem) Fundort vor dem Haus Schlachte 32. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das ist ‘ne ganz besondere Geschichte“, sagt Professor Manfred Rech, bis 2007 Bremer Landesarchäologe. So besonders ist die Geschichte des „Schlachte-Schiffs“, dass sie Rech noch im Ruhestand beschäfigt. Jetzt hat er ein Buch über die Koggen-Vorläuferin vorgelegt, das er an der Schlachte präsentierte.

Vor dem Haus Schlachte 32, in dem heute das Lokal „Bar Celona“ zu finden ist. Im Juli 1991, vor gut 25 Jahren also, sah die Welt hier noch ganz anders aus. „Keine Bäume, kein südländisches Flair“, wie Rech sagt.

Wohl aber eine Baugrube. Und in 14 Metern Tiefe ein über Kopf liegendes Holzschiff. Es sollte sich – aus wissenschaftlicher Sicht – „als Fundgrube“ erweisen, so Rech, der in Oyten lebt. Anfang 1992 wurde der Heckteil des „Schlachte-Schiffs“ freigelegt, dokumentiert und gehoben. Der Rest des Schiffs, das deutlich älter ist als die berühmte Hanse-Kogge von 1380, liegt noch immer unter dem Schlachte-Pflaster.

Für die 305.000 D-Mark teure Bergung des Hecks kam damals die Stiftung Wohnliche Stadt auf. Es folgte die Konservierung der geborgenen Eichenhölzer in einer Zuckerlösung im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM, Bremerhaven). Die Konservierung dauerte bis 2011; heute liegen die Hölzer im DSM-Magazin, sagt Rech. 2012 begann er mit den Arbeiten an seinem Buch, denn er hält das „Schlachte-Schiff“ für einen „schiffshistorisch eminent wichtigen Fund“.

Warum? Darum: „Am Hecksteven befinden sich eiserne Beschläge eines Heckruders.“ Dies sei somit „der weltweit erste Nachweis dieser neuen Anordnung des Ruders“. Das „Schlachte-Schiff“ stammt aus der Zeit um 1100, wie Holzanalysen ergeben haben. Der Schiffskörper baut auf einem ausgehöhlten Eichenstamm auf. In Bauart und Ausstattung sei dieses Segelschiff das „missing link“ zwischen Einbaum und Kogge.

Hinzu komme eine „besondere Technik der Abdichtung“. Insgesamt sei dieses Schiff „völlig anders“ konstruiert als die sonstigen Schiffe dieser Zeit. Durch den Einsatz von viel Holz sei es aber auch sehr schwer gewesen – und vor allem: zu teuer. „Das hat sich nicht durchgesetzt“, so Rech. Kostenargumente zählten eben auch schon im Hochmittelalter.

Ein Bremer Schiff war es übrigens offenbar nicht. Möglich, dass dieses Schiff in Belgien oder Holland gebaut wurde. Aber das Eichenholz könnte, so der Archäologe, „auch an der Elbe gewachsen sein“. Rech: „Vielleicht wurde es in Stade gebaut.“ Dort jedenfalls seien die gleichen Kalfatklammern gefunden worden wie am „Schlachte-Schiff“. Das Schiff, so Rech weiter, könnte um 1100 bei einem in der „Renner-Chronik“ erwähnten Hochwasser aus der Balge – dem Hafen in jener Zeit – herausgetrieben sein. Der Hafenbetrieb an der Schlachte entwickelte sich erst im 13. Jahrhundert.

Viele Geschichten also sind es, die sich um den Fund aus dem Jahr 1991 ranken. Spannend wie ein Krimi sei dessen Geschichte, heißt es im Umschlagtext von Rechs Buch. Es ist eben eine „ganz besondere Geschichte“.

Manfred Rech: „Das Bremer Schlachte-Schiff“, Oceanum-Verlag, 264 Seiten, Preis: 34,90 Euro.

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