Emigholz-Werk in Mahndorf

Zweites Leben für Lkw-Reifen

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Ralf Mazzoni prüft den Sitz des Laufstreifens mit dem neuen Profil des Lkw-Reifens.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Runderneuerung von Lkw-Reifen lohnt und ist umweltfreundlich, sagt Dirk Beinhoff, Mitglied des Vorstandes, in der Emigholz-Filiale in Mahndorf. Er setzt auf Aufklärungsarbeit. „Die Laufleistung eines rundumerneuerten Reifens entspricht fast der eines Neureifens“, sagt Beinhoff.

Beinhoff verweist auf den Unterschied zwischen „billigen“ Reifen (ab 280 Euro Neupreis) und „Premium“-Reifen (ab 400 Euro). Die Haltbarkeit unterscheide sich stark. Die Premium-Erneuerung eines Premiumreifens koste weniger als das Billig-Produkt. Die zu erwartende Leistung entspreche in etwa dem Premium-Reifen. Zudem werde ein Großteil an Rohöl, Kunststoff und Stahl sowie Kohlendioxid-Ausstoß eingespart. 80  Prozent der Premiumreifen seien für ein zweites Leben geeignet. Das Emigholz-Werk in Mahndorf ist nach eigenen Angaben einziger Anbieter der Runderneuerung von Lkw-Reifen im Umkreis von 100 Kilometern.

Robert Teister greift zur Zange und zieht einen Nagel. Er macht die erste Prüfung an den Karkassen. So heißen die angelieferten Altreifen. Ein Pflaster muss auf die Stelle. Der nächste Prüfschritt folgt. Die Shearografie erlaubt Einblicke in den Zustand der Stahllagen an der Innenseite. Die Karkasse kommt in eine Vakuumkammer. Laser-Fotos werden aufgenommen und dann die Luft abgesaugt. Noch mal wird der Reifen fotografiert. 

„Wir nehmen keine Low-End-Reifen“

Bei Schäden am Metall weichen die Bilder ab. Der Reifen hat dann durch den Druckverlust seine Form geändert. Ein Bildschirm zeigt das an. „Hier fallen 20 Prozent der Reifen aus. Früher wären die durchgegangen. Wir nehmen keine Low-End-Reifen, denn da kommen über 50 Prozent nicht durch“, sagt Beinhoff.

Weiter geht es zum nächsten Test. Druckluft, sechs Bar. Ohren zuhalten. Einmal im Monat platzt ein Reifen und es knallt fürchterlich. Auf der Raumaschine ändert der Reifen seine Farbe. Er wird dunkler, während rotierende Messer die alten Gummischichten abtragen. Die Daten für verschiedene Reifentypen sind im Steuerungscomputer abgespeichert.

Beinhoff zeigt auf ein kleines, kaum erkennbares Loch im Reifen. „Da könnte ein Nagel drin gewesen sein. Möglicherweise ist Wasser eingedrungen und hat Rost verursacht hat. Dann fällt die Karkasse aus. Das ist hier aber nur noch selten der Fall“, sagt er. Ein Mann setzt einen Schleifer an, vergrößert das Loch ein wenig und guckt, wie tief es geht. Die Karkasse kann passieren und wird noch gegen Staub versiegelt.

Vorproduzierte Laufstreifen auf Karkasse gewickelt

Die Kalterneuerung beginnt. Dabei werden vorproduzierte Laufstreifen auf die Karkasse gewickelt. Die liegen bereits in vulkanisierter Form vor. Sie sind unter 100  Tonnen Druck in ihre Form gebracht und dadurch stark verdichtet worden, um eine hohe Laufleistung zu erreichen. Auch die nächste Maschine ist mit vielen Daten gefüttert, dazu, wie die Laufstreifen zu dehnen sind, bevor sie auf die Karkassen kommen. Der Grund: Damit das Profil passt, muss man die Laufstreifen etwas kürzer schneiden, als der Reifenumfang erwarten lässt.

Ralf Mazzoni hat alles im Blick. Die Karkasse dreht sich, Bindegummi kommt aus kleinen Düsen. Dann legt Mazzoni Seitenstreifen auf und schließlich wickelt sich der Laufstreifen um die Karkasse. Mazzoni klopft etwas und setzt Klammern zur Stabilisierung. Der Reifen wird eingehüllt und muss vier Stunden in den Autoklav bei mehr als 100 Grad, eine Temperatur, die allerdings auch im normalen Fahrbetrieb auftritt. Danach kommt die Hülle runter und die Klammern raus. Die Kalterneuerung ist abgeschlossen. Der Reifen bekommt noch etwas Farbe und sieht aus wie neu.

Emigholz ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit Sitz in Bremen, 18 Standorten und 200 Mitarbeitern.

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