Elf Millionen Euro Projektkosten

Bremer Genossenschaft „Karl“ wird Bauherr

Der Entwurf des Gebäudes „Karl“.
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Entwurf: Dieses Gebäude mit 29 Wohnungen will „Karl“ auf dem Grundstück an der Friedrich-Karl-Straße bauen lassen. VISUALISIERUNG: Praeger Richter Architekten

Die Entwicklung des Neuen Hulsberg-Viertels auf freiwerdenden Klinikflächen in Bremen nimmt Fahrt auf. Mit „Karl“ ist die erste Baugenossenschaft zum Zuge gekommen.

Bremen – „Karl“ hat ein Zeichen gesetzt. Und ein Grundstück gekauft. Das Grundstück „Friedrich-Karl-Straße 4-6“ im Neuen Hulsberg-Viertel auf dem freiwerdenden Gelände des Klinikums Bremen-Mitte. „Karl“ ist eine genossenschaftliche Baugemeinschaft, die aus 43 Erwachsenen im Alter von 30 bis 70 Jahren sowie 20 Kindern und Jugendlichen besteht.

Die Bau-Genossen erwerben das 1 700 Quadratmeter große Grundstück mit der Grundbuchbezeichnung „Gemarkung VR Flur 63 Flurstück 118/43“ für einen Festpreis von 2,666 Millionen Euro. Auf dem Grundstück soll ein Bau mit 29 Wohneinheiten errichtet werden, von denen vier als öffentlich geförderte Wohnungen geplant sind. „Das Erdgeschoss soll dem Stadtteil als Lebensraum dienen“, heißt es auf der Homepage der Genossenschaft. Geplant sind unter anderem ein Kindergarten für zwei Gruppen und ein Café als Begegnungsort.

Eine Informationsveranstaltung zu besagtem Grundstück am 8. Mai 2017 war zugleich die Geburtsstunde des Projekts. Es begann ein Dialog-, Planungs- und Entwicklungsprozess. Die Genossenschaft wurde gegründet, ein Bewerbungskonzept entwickelt. Im Sommer 2019 erhielt „Karl“ den Zuschlag fürs Areal, im Juli 2020 wurde ein Bauantrag eingereicht. Die Finanzierung steht, unter anderem mit Geldern aus dem Förderprogramm für genossenschaftlichen Wohnungsbau. Mit der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte (GEG) ist jetzt der Kaufvertrag unterzeichnet worden.

Kauf zum Festpreis

„Der Grundstückskauf ist ein zentraler Meilenstein für unser Projekt. Wir haben viele Jahre geplant, jetzt freuen wir uns auf die Umsetzung und dass der Bau endlich losgehen kann“, sagt Katrin Tober, eine der beiden „Karl“-Vorstände. Mit dem Haus solle eine Vision von gemeinschaftlichem Wohnen, Leben und Arbeiten jenseits von privatem Wohneigentum im Neuen Hulsberg-Viertel realisiert werden. „Als Genossenschaft soll das Haus dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen werden, Schutz vor Spekulation bieten und langfristig stabile Mieten sichern“, sagt Roman Konstantinov vom „Karl“-Vorstand. „Das Haus gehört sich selbst.“

Die Finanzierung – die Genossenschaft kalkuliert mit Projektkosten von elf Millionen Euro – soll gemeinschaftlich gestemmt werden. „Wir haben uns für eine solidarische Finanzierung entschieden, damit nicht die Höhe des Eigenkapitals von Einzelnen über ihre Teilnahme am Projekt entscheidet“, heißt es.

„Es ist unser Ziel, Wohnen auch in einem bezahlbaren mittleren Preissegment in Bremen und insbesondere an den hochpreisigen Standorten wie dem Neuen Hulsberg-Viertel zu ermöglichen“, so Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne). Das sei mit dem neuen Genossenschaftsförderprogramm sehr gut gelungen. Und „Karl“ sei als eines der ersten Projekte anspruchsberechtigt.

Geschafft! Die Genossenschaft „Karl“ hat den Kaufvertrag unterzeichnet. Hinten im Bild: Baustaatsrätin Gabriele Nießen und GEG-Geschäftsführer Florian Kommer.

„Gute Nachrichten für das Quartier“

GEG-Geschäftsführer Florian Kommer sagt, die jüngsten Wochen seien von guten Nachrichten für die Entwicklung des Hulsberg-Quartiers geprägt. So habe die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewoba angekündigt, in der historischen Prof.-Hess-Kinderklinik rund 60  Wohneinheiten als öffentlich geförderten Wohnungsbau zu schaffen. Anfang Juli wurde bekannt, dass sie im Sankt-Jürgen-Quartier rund 120 weitere öffentlich geförderte Wohnungen in ihren Bestand aufnehmen will. „Und jetzt kommt ,Karl’“, ergänzt Kommer.

Das Neue Hulsberg-Viertel zählt zu den wichtigsten Bremer Stadtentwicklungsprojekten der nächsten Jahre. Auf den freiwerdenden 14  Hektar des heutigen Klinikums Bremen-Mitte entsteht mitten in der Stadt ein gemischtes Quartier mit rund 1 100 Wohnungen.

„Bettenhaus“ bleibt Klinikgebäude

Diverse Flächen hat die Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte verkauft, weitere Areale und Bestandsobjekte sind im Verkaufsverfahren. So werden alte Klinikgebäude abgerissen und umgenutzt. Auf der Abrissliste steht beispielsweise „Haus  10“ (Frauenklinik). Unter Denkmalschutz steht „Haus  8“, das zuletzt Augenklinik und Urologie beherbergte. Hier ist eine „bunte Durchmischung angedacht“ – mit Markthalle, Gastronomie und Hotelnutzung. Das „Bettenhaus“ hingegen soll weiterhin für Klinikzwecke genutzt werden.

Im März dieses Jahres ist auf dem Grundstück „Sorgenfrei 1“ der erste Grundstein gelegt worden. Mit der kompletten Fertigstellung des gesamten Quartiers rechnet die GEG für die Jahre 2026 und 2027.

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