„Standbilder und ihre Geschichte“: Vom „Kolonial-“ zum „Antikolonialdenkmal“

Ein Elefant mit Historie

Der Elefant an der Gustav-Deetjen-Allee – heute Bremens „Antikolonialdenkmal“. ·
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Der Elefant an der Gustav-Deetjen-Allee – heute Bremens „Antikolonialdenkmal“. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Groß, still und mächtig steht er da, der Elefant. Der dunkelrote Oldenburger Klinker unterstreicht die Anmutung des Monumentalen. Am Beispiel des steinernen Elefanten an der Gustav-Deetjen-Allee – in Sichtweite der Bürgerweide – lässt sich ein veränderter politischer Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus ablesen.

Wofür steht ein Denkmal? Nun, der Elefant stand einst genau für das Gegenteil jener Bedeutung, die ihm heute zugesprochen wird. Er ist 1931/32 als „Kolonialdenkmal“ errichtet worden. Mit dem Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg konnte so manch vermögender Bremer sich nur schwer abfinden, hatte die Hansestadt doch (auch) vom Kolonialhandel profitiert. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz (1834 bis 1886) hatte Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) „erworben“.

„Ein großes Volk muss Kolonien haben, um leben zu können“, hieß es bei der Einweihung des Denkmals. In der Krypta unterhalb der Elefantenfigur waren die Namen von 1 490 Soldaten zu lesen, die im Ersten Weltkrieg in den deutschen Kolonien gefallen waren.

Der Entwurf des Denkmals kam von dem Bildhauer Fritz Behn (1878 bis 1970), der für seine Tierdarstellungen bekannt war – und der wiederholt Afrika (sowie Südamerika) bereist hatte. Politisch stand er nicht auf der Seite der Demokraten. 1927 wurde er Mitarbeiter des NSDAP-Organs „Völkischer Beobachter“. Den Bau des Elefanten führte Behn nicht selbst aus, das machte der Bremer Architekt Otto Blendermann (1879 bis 1944). Blendermann hatte viele Jahre mit August Abbehusen (1875 bis 1941) eine Architektengemeinschaft gebildet – die beiden bauten unter anderem das Theater am Goetheplatz (1912/13), das in seinen ersten Jahrzehnten „Schauspielhaus am Ostertor“ hieß.

Doch zurück zu dem steinernen, zehn Meter hohen Denkmal. „Der Elefant steht für eine Einstellung der Ausbeutung – für eine Phase unserer Vergangenheit, auf die wir nicht unbedingt stolz sein können“, sagt Professor Georg Skalecki, Bremens Denkmalpfleger.

1989 wurde beschlossen, das Denkmal umzuwidmen. 1990 wurde der Elefant als „Antikolonialdenkmal“ neu eingeweiht. Dabei wurde eine Bronzetafel enthüllt, auf der es unter anderem heißt: „Afrika hat in Bremen neue Freunde gefunden. Dieses Denkmal ist ein Symbol für die Verantwortung, die uns aus der Geschichte erwächst.“

In Sichtweite des Elefanten wurde 2009 zudem ein Herero-Mahnmal für die Opfer deutscher Truppen in Namibia eingeweiht. Und inzwischen gibt es Überlegungen, dem Platz rund um das „Antikolonialdenkmal“ einen Namen zu geben: Nelson-Mandela-Park.

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