Spektakel im Zeichen der Erderwärmung

Die Klimaprobe in Bremen: Eiswette lockt Besucher an die Weser

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Mehr als 99 Pfund wiegt der Eiswettschneider mal wieder – und das darf er nicht. Also hält er den Mund, um seine gewichtigen Bemerkungen zu reduzieren. Und schon sinkt sein Gewicht. . .

Bremen - Nein, Greta Thunberg war nicht dabei. Dennoch ist der Klimawandel am Dreikönigstag so etwas wie das beherrschende Thema der 191. Eiswettprobe am Punkendeich gewesen. Das lag nicht zuletzt auch am Eiswettschneider selbst, der – wie üblich – mit gebührender Verspätung erschien. 18 Minuten waren es dieses Mal.

Der freche Eiswettschneider, wieder gegeben von dem Schauspieler Peter Lüchinger, verwies auf den Bürgerschaftswahlkampf des vorigen Jahres. „Straßenbahnfahren umsonst“, das sei ihm da versprochen worden. Da habe er die Politik natürlich beim Wort genommen und sich ohne Fahrschein in die Bahn gesetzt. Dann kam der Kontrolleur. „Jetzt bin ich 60 Euro ärmer.“ Und zu spät. Pünktlichkeit aber ist eh nicht so sein Ding, denn: „Pünktliche Leute machen ihre Fehler immer als erste.“

Eiswette in Bremen: Milde Temperaturen am Osterdeich

Gelächter und Applaus am Osterdeich, wo sich Hunderte von Zuschauern eingefunden haben. Mehr als 1 000, wie von Eiswettpräsident Patrick Wendisch erwartet, sind es allerdings nicht – trotz des vergleichsweise milden Klimas mit Temperaturen um sechs Grad und trotz der Tatsache, dass es der letzte Tag der Weihnachtsferien war.

In signalroten Kostümen demonstrierten Vertreter der umstrittenen Gruppe „Extinction Rebellion“ für mehr Einsatz gegen den Klimawandel.

Ja, das Klima. Gelbe Luftballons mit der Aufschrift CO2 hat der Schneider mitgebracht. Und ein merkwürdiges Gerät, das in eine Art Ballon-Rucksack mündet. „Die Eiswette ist gefährdet“, ruft der Schneider. „Ich verlange Ice for Future!“ Schließlich müsse die Weser ja mal wieder zufrieren. „Eiszeit, Eiszeit ist das einzige, was zählt“, singen die Heiligen Drei Könige.

Bremer Eiswette im Zeichen des Klimawandels

„Wir wandeln am Abgrund“, so der Schneider. „Der Klimawandel!“ Vor 500 Millionen Jahren, da habe es überall viel Eis gegeben – und das habe am CO2 gelegen. „Wir brauchen CO2!“ Dann gebe es auch wieder tragfähiges Eis auf der Weser. Und er beginnt, mit seinem skurrilen Apparat – einem Sauger – von den Zuschauern CO2-Spenden einzusammeln, die im Ballon auf seinem Rücken landen. Das Ziel: „Bremen beim Klimawandel ganz vorn. Einmal an der Spitze! Was Werder nie wieder schafft. . .“

„Onkel Willi“ mit Schneider an Bord.

Der drohenden Erderwärmung waren noch weitere Witze des Spektakels (neben den üblichen Spitzen gegen Bürgermeister und Bundespolitiker) gewidmet – so wurde dem Schneider zum Beispiel der Einsatz von Kohle zum Betrieb seines Bügeleisens untersagt. Die CO2-Belastung lässt grüßen.

„Extinction Rebellion“ am Rande der Bremer Eiswette aktiv

„Ob die Nordsee hier bald geiht oder steiht?“ Diese Frage hat nicht der Eiswettschneider gestellt. Sie stand auf einem Transparent von Aktivisten der umstrittenen Gruppe „Extinction Rebellion“, die am Rande des Eiswettspektakels mehr Engagement gegen den Klimawandel forderten. Einige von ihnen erschienen in signalroten Kostümen. Auf einem weiteren Plakat stand: „Wetten, das Eis schmilzt!“

Protest-Plakat am Gitter bei der 191. Eiswettprobe am Punkendeich (Osterdeich, Höhe Sielwall).

Bei der traditionellen Eiswette geht es ja stets um die einst für Bremens Wirtschaft höchst bedeutsame Frage, ob die Weser als Lebensader der Hafenstadt am Dreikönigstag zugefroren ist oder nicht – ob sie „steiht“ oder „geiht“, wie es auf Plattdeutsch heißt. Am Montag war sie nicht zugefroren. Wieder also konnte der Schneider den Fluss nur mit einem Trick trockenen Fußes überqueren – in einem Boot der Seenotretter von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, für die beim Stiftungsfest der Eiswette am 18. Januar Spenden gesammelt werden. Unter den 800 Teilnehmern sind dann erstmals 30 Frauen.

„Mit dem Boot übersetzen! Was die Greta kann, das kann ich schon lange“, so der Eiswettschneider in Anspielung auf die Atlantikreisen der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg.

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