Rekord-Spende

770 Herren, 30 Damen, kein Senatsmitglied: Weiterhin Kritik am Bremer Eiswettfest

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Herren beim Eiswettfest – von links gesehen: Ehrengast und FDP-Chef Christian Lindner, Eiswett-Präsident Patrick Wendisch und Wolfgang Anton Herrmann, Chemiker und ehemaliger Präsident der Technischen Universität München, ebenfalls Ehrengast.

Bremen – Beim 191. Stiftungsfest der Eiswette standen im Congress Centrum auf der Bürgerweide die Frauen im Fokus – aber man musste auch ein klein wenig nach ihnen suchen. Denn nur 30 Damen in schwarzer Abendgarderobe durften sich unter die 770 Herren in Frack und Smoking mischen. Zu wenige, findet Bremens Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm.

Hoch hingegen die Spendenquote. 482.242 Euro sammelten die Teilnehmer für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS, Sitz: Bremen). Ein neuer Rekord. Im Vorjahr waren 475.310 Euro zusammengekommen.

Im Vorjahr, da war auch die Frauen-Diskussion hochgekocht – bundesweit. Als Bremens damaliger Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) seine Teilnahme an dem Essen wegen einer Trauerfeier absagte, bekam seine Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), keine Einladung. Das löste einen Aufschrei der Empörung aus – Sieling forderte daraufhin, die Regularien zu überdenken. Die Öffnung der traditionell nur für Männer zugelassenen Veranstaltung auch für Frauen war nach erheblichem politischem Druck erfolgt. Die Stimmung aber ist vergiftet.

Bremer Senatsmitglieder nicht zum Fest eingeladen

Die Bürgerschaft hatte Männer in Senat, Bürgerschaft und Verwaltung dazu aufgefordert, so lange nicht an dem Fest teilzunehmen, bis Frauen dabei sein dürften. Die Eiswettgesellschaft empfand dies als übergriffig und lud für dieses Jahr erstmals seit Jahrzehnten kein Senatsmitglied ein. „Jeder Veranstalter muss selber wissen, mit wem er gerne feiern möchte“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dazu. „Die Rolle der Frauen in der Gesellschaft ist eine ganz andere als früher, deshalb ist es heute richtig, dass sie dabei sind“, sagte derweil der Präsident der Eiswette, Patrick Wendisch, mit Blick auf die veränderten Regularien.

Kritik kommt trotzdem weiterhin, so beispielsweise von der Bremer Landesfrauenbeauftragten Bettina Wilhelm. „Die Entscheidung, dass Frauen teilnehmen können, klingt nach mehr, als es derzeit ist“, sagte Wilhelm. Wenn von 800 Gästen gerade mal 30 weiblich seien, liege die Frauenquote bei vier Prozent, rechnete Wilhelm vor. „Da gibt es nichts zu schönzureden. Die Herren sind von vorgestern – und viel zu spät dran“, kritisierte die Frauenbeauftragte.

Eiswettfest Bremen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft

Beim Eiswettfest treffen sich Vertreter der Wirtschaft und Gesellschaft, um nach einem traditionellen Ablauf zu essen, zu trinken und zu singen – Ehrengastredner war dieses Mal FDP-Chef Christian Lindner. Zum traditionellen Kohl-und-Pinkel-Essen an den wie Eisschollen im Saal verteilten Tischen wurde Bordeaux-Wein ausgeschenkt – ein 2012er Château Branas Grand Poujeaux aus Moulis-en-Médoc, eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot.

kuz/dpa

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