Neue Dauerausstellung schildert 15 Biographien von Zuwanderern

Eisdynastie aus Oberitalien

Bremen - BREMERHAVEN · Nino Olivier ist durchaus stolz. „Das ist eine Ehre, für so ein Projekt ausgewählt zu werden“, sagt der 66-Jährige. Nino Olivier ist Spross einer oberitalienischen Eismacherdynastie.

Sein Urgroßvater Valentino beginnt 1889 mit der Herstellung von Speiseeis, das er während der Sommermonate in den Straßen Süddeutschlands verkauft. Enkel Silvio wird dann 1907 in Rastatt geboren. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs flieht die Familie zurück nach Italien. In den 30er Jahren kehrt sie wieder auf die andere Seite der Alpen zurück.

Silvio landet im sächsischen Werdau, baut dort eine Eisdiele auf. Er bleibt bis 1953, flieht dann mit der Familie nach West-Berlin. Von dort ziehen die Oliviers weiter nach Wolfsburg, wo sie ein Eiscafé eröffnen. Silvios Sohn Nino übernimmt 1974 das Ladenlokal, seit Anfang dieses Jahres führt Enkel Dino den Familienbetrieb in dritter Generation.

Die Biographie von Silvio Olivier ist eine der 15 exemplarischen Familiengeschichten von Zuwanderern, die die Besucher der neuen Dauerstellung des Deutschen Auswandererhauses künftig begleiten.

Auch die Geschichte von Wilfried Sauer wird erzählt. Er ist elf Jahre alt, als 1943 die Bombardierung Berlins beginnt. Die Familie wird evakuiert, kehrt in die Heimat nach Hinterpommern zurück. Zwei friedliche Jahre folgen, bis die russische Front näherrückt. „Fliehen war vom Gauleiter ausdrücklich verboten worden“, erinnert sich Sauer. Doch die Familie springt auf den Flüchtlingstross auf – „im Bewusstsein, in zwei Wochen zurückzukehren“. Sauer sagt: „Mit dem letzten Kleinbahnzug sind wir vor der Ankunft der Russen rausgekommen.“ Auf der Flucht landet die Familie zunächst in Bevern bei Bremervörde, später siedelt sie sich in Neuenkirchen bei Bremen an, wo Wilfried Sauer lange Jahre als Lehrer arbeitet und heute noch lebt.

Auch von Philippé Connor wird erzählt. Der Kammmacher wird als Hugenotte in Frankreich unter Ludwig XIV. verfolgt. 1710 landet er in Brandenburg. Und von Josef Deifl, der zwischen 1809 und 1815 als Soldat im Krieg gegen Napoleon 12 000 Kilometer zurücklegt. Und von Mai Phuong Kollath, die als 17-Jährige in der DDR landet und Vertragsarbeiterin in einem Hotel wird. Und von Wilhelm Somplatzki, der 1881 aus Masuren ins Ruhrgebiet auswandert, um im Bergbau zu arbeiten. · je

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