Ausstellung „Deutsch und Jüdisch“

Einsteins fragile Erinnerungsstücke

Die Schokoladentassen der Familie Einstein. - Foto: Leo Baeck Institut New York/Berlin

Bremerhaven - Über Albert Einstein scheint alles bekannt zu sein. Doch zwei kleine, zierliche Schokoladentrinktassen bieten einen ganz anderen Blickwinkel auf den großen Physiker und Noblepreisträger. „Sie verquicken familiäre Intimität mit der Geschichte des gesellschaftlichen Aufstiegs des deutschen Judentums“, sagt Dr. Miriam Bistrovic vom Leo Baeck Institut New York/Berlin .

Das Institut zeigt erstmals in seiner 60-jährigen Geshcichte einige seiner exklusiven Stücke in Deutschland. Vier ausgewählte Objekte symbolisieren in einer Kabinettausstellung Momentaufnahmen der wechselvollen Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland. Erste Station der Wanderausstellung „Deutsch und Jüdisch“ ist vom 28. August bis zum 10. September das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven. Dann geht es weiter nach Felsberg, Erfurt und Frankfurt am Main.

„Die Objekte, die wir in der Ausstellung präsentieren, berichten davon, wie sich der Charakter des deutschjüdischen Lebens über die Jahrhunderte wandelte“, sagt Bistrovic. „Bremerhaven war nicht nur ,Port of Embarkation‘ für mehr als 500.000 Holocaust-Überlebende, sondern auch für Hunderttausende von jüdischen Flüchtlingen aus dem russischen Zarenreich und dem nationalsozialistischen Deutschland. Ein ,point of no return‘ für viele Juden, an dem sie ihre kulturelle Identität neu anfingen zu denken, aber ihre Erinnerungen mitnahmen“, sagt Dr. Simone Eick, Direktorin des Auswandererhauses.

Zurück zu den Schokoladentässchen. Diese berichten sowhl von intellektuellen Höhepunkten deutscher Juden im 19. Jahrhundert als auch von der Verfolgung im Nationalsozialismus, heißt es. „Einstein hätte wohl die verschiedensten Dinge aus seinem Hausstand für seine Ausreise auswählen können und dennoch entschied er sich, ausgerechnet die fragilen Tassen aus längst vergangenen Kindertagen ins Exil mitzunehmen“, sagt Bistrovic.

Ganz andere Geschichten erzählen ein Schutzbrief aus dem Jahr 1777, das erste Protokollbuch eines 1792 in Berlin gegründeten Wohltätigkeitsvereins sowie ein Porträt von Bertha Pappenheim, einer führende Frauenrechtlerin des 20. Jahrhunderts.

Die Wanderausstellung wurde vom LBI konzipiert. Das Institut wurde 1955 von führende deutsch-jüdische Intellektuelle wie Hannah Arendt und Martin Buber gegründet. Es widmet sich vor allem der Aufgabe, das kulturelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums zu bewahren.

je

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