Prozess um versuchten Totschlag

Messer im Hals ‒ Opfer sagt aus

Ein Mann wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.
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Prozessauftakt im November: Der 24-jährige Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.

Nach einer Massenschlägerei im Mai 2020 ist ein 27-Jähriger niedergestochen worden. Jetzt sagte er im Prozess aus.

  • Opfer wollte schlichten.
  • Staatsanwaltschaft hegt Zweifel an Aussage.
  • Noch kein Urteil im Januar.

Bremen – Er habe schlichten wollen, den Angeklagten beruhigen – wenig später steckte ein Messer in seinem Hals. So berichtete es das Opfer im Prozess gegen einen 24-jährigen Syrer vor dem Landgericht Bremen, dem versuchter Totschlag zur Last gelegt wird. Doch überzeugend fand die Staatsanwältin die Aussage des Mannes nicht – und hakte nach.

Nach einer Massenschlägerei im Mai 2020 am Bahnhof Vegesack, an der mehr als ein Dutzend Personen beteiligt gewesen sein sollen, soll es laut Anklage zur beinahe tödlichen Attacke gegen den 27-jährigen Zeugen gekommen sein. Zunächst traten und schlugen der Angeklagte sowie ein 22 Jahre alter Begleiter auf ein am Vegesacker Bahnhof abgestelltes Fahrzeug ein und versuchten die Seitenscheiben des Autos zu zerstören, ergab die Rekonstruktion des Geschehens.

Als immer mehr Personen hinzukamen, sollen der 22-Jährige sowie der Angeklagte die Flucht ergriffen haben, was aber nur dem Angeklagten gelungen sei. Mehrere Personen aus der Gruppe holten den 22-Jährigen ein und schlugen und traten auf ihn ein. Das Opfer verfolgte unterdessen, so seine Aussage, den Angeklagten und habe diesen „beruhigen“ wollen. „Ich wollte schlichten. Er sollte das Messer wegpacken, was er dabei hatte. Das habe ich ihm immer wieder gesagt.“

Lebensbedrohliche Verletzungen

Noch während der Zeuge auf dem Rad sitzend auf den Angeklagten zufuhr, habe dieser ihm ein Messer in den Hals gestochen, was zu lebensbedrohlichen Verletzungen führte. Der 24-Jährige habe die Möglichkeit gehabt, abzuhauen, „doch der wollte einfach nicht“, so der Zeuge. Immer wieder habe der Angeklagte geschrien, er stelle sich „einem Eins gegen Eins“ – und „da wusste ich, das würde ausarten“. „Inwieweit hätte die Situation ausarten können?“, hakte die Staatsanwältin nach. „Hätten sie (die Verfolgergruppe, Anmerkung der Redaktion) ihn bekommen – das sage ich ganz ehrlich – hätten sie ihn zusammengeschlagen“, führte der Zeuge aus.

Musste der Angeklagte womöglich damit rechnen, angegriffen und schwer verletzt zu werden? Konnte der Angeklagte überhaupt erkennen, dass der Zeuge schlichten wollte? Nach Aussage des 27-Jährigen hätte er das trotz der „sehr aggressiven Stimmung“ und der immer näher kommenden Gruppe gekonnt. „Und warum riefen Sie nicht die Polizei?“ wollte die Staatsanwältin wissen. „Ich hatte Angst“, so die Antwort des Zeugen. Schwer nachvollziehbar für die Anklagevertreterin, da der Zeuge kurz zuvor gesagt hatte, er sehe die Polizei nicht nur als „Freund und Helfer“ an, sondern auch als „unterirdisch und bekloppt“.

„Unterirdisch und bekloppt“

Inwieweit womöglich der Umstand einer sogenannten Putativnotwehr, also die irrtümliche Annahme des Angeklagten vorgelegen haben könnte, dass er zusammengeschlagen werde, muss das Gericht in den kommenden Prozesstagen klären. Ursprünglich war bereits für Januar ein Urteil vorgesehen, doch dieser Zeitrahmen ist dem Vernehmen nach auch corona- bedingt nicht zu halten.

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