„Einmalig auf der Welt“ / Besucher entdecken den Fallturm an der Uni

Schwerelos

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Was passiert mit einer Kerzenflamme bei Schwerelosigkeit? Matthias Meyer (Mitte) kennt die Antwort.

Bremen - Von Lars Kattner. An das erste Experiment im Bremer Fallturm kann sich Christian Eigenbrod noch gut erinnern. Schließlich ist der wissenschaftliche und technische Direktor ein Mann der ersten Stunde am Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) an der Universität Bremen.

Physik zum Anfassen: Unter den Besuchern im Bremer Fallturm waren auch viele Kinder.

„Japanische Wissenschaftler haben das Verhalten von Einzellern, in diesem Fall von Pantoffeltierchen, bei Schwerelosigkeit untersucht“, sagt der Diplom-Ingenieur. Viele tausend Experimente sollten in den folgenden 25 Jahren dazukommen. Und genau darüber berichteten gestern mehr als 30 Wissenschaftler den vielen tausend Besuchern am „Tag der offenen Tür“ anlässlich des Jubiläums.

An unterschiedlichen Stationen versuchten die Experten, dem Publikum ihre Arbeit näherzubringen. So zum Beispiel Urte Anders und Mikka Pilath. Sie übernahmen die Aufgabe, anhand einfacher Mitmach-Experimente das grundlegende Prinzip der Schwerelosigkeit (präziser ausgedrückt: Mikrogravitation) zu erklären. Ein Zustand, in dem die auf der Erde allgegenwärtige Schwerkraft ausgeschaltet ist, ist zum Beispiel der freie Fall. Im Bremer Fallturm beträgt die Fallstrecke 110 Meter. Das bedeutet 4,74 Sekunden Schwerelosigkeit für wissenschaftliche Experimente. „In der Physik ist der freie Fall allerdings richtungsfrei“, erläutert Pilath. Was das bedeutet, kann jeder nachvollziehen, der schon einmal auf einem Trampolin gesprungen ist. Bei einem Sprung von 1,5 Meter Höhe kann das Gefühl der Schwerelosigkeit schon für mehr als eine Sekunde erlebt werden – und zwar auf dem Weg nach oben wie nach unten gleichermaßen. Hätte man eine Waage unter den Füßen, würde diese ab dem Moment, wo das Trampolin verlassen wird, kein Gewicht mehr anzeigen. Und genau von diesem physikalischen Effekt profitiert das Zarm seit dem Jahr 2004. Denn seit fast elf Jahren schießt ein Katapult die Versuchskapsel in die Höhe – durch die doppelte Länge der Flugbahn hat sich die Versuchszeit auf 9,3 Sekunden verlängert. Und dank des Vakuums in der Versuchsröhre wird eine Qualität von nur einem Millionstel der normalen Erdanziehungskraft erzielt. „Das geht nur hier in Bremen, das ist einmalig auf der Welt“, versichert Pressesprecherin Birgit Kinkeldey.

Tag der offenen Tür im Bremer Fallturm

Und wofür der ganze Aufwand? „Ein Großteil der Arbeit von Forscherteams aus der ganzen Welt ist die Grundlagenforschung. Erst, wenn die Schwerkraft ausgeschaltet ist, werden andere Phänomene sichtbar“, sagt Kinkeldey. So wird mit dem Verhalten von Flüssigkeiten experimentiert, die Zusammenhänge bei der Verbrennung werden erforscht, Technologien für die Raumfahrt getestet und auch biologische Versuche stehen auf dem Programm.

„Die chemischen Prozesse an den Wurzeln von Maiskeimlingen in der Schwerelosigkeit sind ein Thema“, sagt Kinkeldey. „Was passiert da genau, entwickeln die Pflanzen Stress – solche Fragen müssen geklärt werden, ehe zum Beispiel über einen Einsatz auf der Raumstation ISS nachgedacht werden kann.“

Anhand einfacher Fallturmexperimente veranschaulichte auch Matthias Meyer ganz verschiedene Phänomene der Schwerelosigkeit – mit Kerzen, Seifenblasen, und Wasser. Fundamentalphysik für Fortgeschrittene präsentierte dagegen Christian Deppner. Wer schon immer etwas über ultrakalte Bose-Einstein-Kondensate in der Schwerelosigkeit erfahren wollte, war bei ihm an der richtigen Adresse.

Ein Highlight war natürlich auch ein Blick in das Innere der Fallröhre und der Besuch des Pumpenraums zur Vakuumerzeugung. „Die Resonanz war wirklich gut, wir sind sehr zufrieden“, so Kinkeldey am Nachmittag.

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