Die 2014 gesunkene Kogge schwimmt wieder

„Roland von Bremen“: Einmal über die Weser

Unter Deck steht Bastian Jagusch. Auf dem Boden liegen Steine.
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Unter Deck: Im Luken-Licht steht Bastian Jagusch von Bras. Auf dem Boden liegen Steine, die als notwendiger Ballast dienen.

Die 2014 an der Schlachte gesunkene Kogge „Roland von Bremen“ liegt wieder im Wasser. Eine Reise vom linken ans rechte Weserufer ist geplant. Per Schlepper.

Bremen – Es ist nur eine kleine Fahrt für die „Roland von Bremen“, doch die erste auf dem Wasser seit mehr als sieben Jahren: Das Schiff hat seinen Platz an Land neben dem Hohentorshafen geräumt, liegt jetzt neben dem alten Platz im Hafenbecken und wird am 6. April in den Holzhafen auf die andere Weserseite verlegt.

Die Kogge war im Januar 2014 an ihrem Stammplatz an der Schlachte untergegangen. Ein Stromausfall verursachte einen Ausfall der Heizung, wodurch ein See-Ventil einfror. Es folgte ein Wassereinbruch, der zum Untergang führte, weil die Lenzpumpen nicht funktionierten, die sonst eindringendes Wasser abpumpen.

Bei der „Roland von Bremen“ handelt es sich um den Nachbau einer historischen von Kogge von 1380, im Jahr 2000 zu Wasser gelassen. Das Wrack jener mittelalterlichen Kogge wurde 1962 bei Baggerarbeiten im Weserschlamm bei Rablinghausen gefunden. Das konservierte Schiff steht in der nach ihm benannten Kogge-Halle des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven.

Schwimmendes Museum

In Zukunft soll die „Roland von Bremen“ als eine Art schwimmendes Museum bespielt werden. Seit 2015 gehört sie dem Bremer Beschäftigungsträger „Bras“ in Bremen, der unter anderem auch das „Bremer Geschichtenhaus“ betreibt. Zehn Menschen arbeiten unter Anleitung von Bastian Jagusch (46) derzeit an dem Nachbau der alten Kogge. Sie haben geförderte Arbeitsverhältnisse und wurden vom Jobcenter Bremen ausgewählt. Normal seien es 21, aber wegen Corona würden weniger Menschen vermittelt, sagt Jagusch. Im Holzhafen gehen die Arbeiten dann weiter. Jagusch schätzt, dass sie noch zwei Jahre dauern. Mittelfristig will die „Bras“ das Schiff aber an den angestammten Platz an der Schlachte zurückbringen.

Das Schiff muss zum Holzhafen geschleppt werden. Der ist ausgebaut. Auch die Zeit des Segelns sei für das Schiff vorbei, sagt Jagusch. „Da hätten wir noch mehr bauen müssen.“ Die „Bras“-Mitarbeiter mussten viel austauschen. Die „Roland von Bremen“ litt unter Pilzbefall, sechs verschiedene Sorten von Pilzen wurden gefunden. Jagusch spricht über den Eichenporling, der das Eichenholz, aus dem das Schiff besteht, in feinsten Humus verwandele. Etwa 40 Prozent der Spanten, die das tragende Gestell des Schiffes bilden, und 30 Prozent der an diesen angebrachten Planken habe das Team ausgetauscht. „Wir wollten die Spanten ausbauen, um die Maße zu haben. Doch wir mussten sie rausschaufeln“, sagt Jagusch.

Steine im Unterdeck

Der massive Pilzbefall habe aber nicht am Untergang des Schiffes gelegen. Jagusch erzählt von anderen Ursachen. Wasser habe sich auf dem Deck gesammelt. „So konnten sich die Pilzsporen flächendeckend verbreiten.“ Jetzt habe das Schiff ein gewölbtes Deck und einen großen Speigatt, eine Lücke im Schanzkleid, der äußeren Begrenzung des Oberdecks, durch die das Wasser ablaufen kann. „Das historische Vorbild hatte kein Deck, sondern nur ein paar Bretter“, sagt der 46-Jährige. Bei der Original-Kogge habe man an Bord gelangtes Wasser wahrscheinlich mit Eimern entfernt. Ein zweiter Grund für den Pilzbefall sei gewesen, dass das Schiff von innen lackiert war, wodurch eingedrungene Feuchtigkeit nicht wieder herauskonnte. Feuchtigkeit könne etwa durch Haarrisse eindringen.

Wieder im Wasser: Die „Roland von Bremen“ liegt im Hohentorshafen. Bis vor kurzem stand sie nebenan an Land. Am 6. April soll sie über die Weser in den Holzhafen geschleppt werden.

Ein bisschen Wasser ist im Unterdeck, dass zurzeit nur über Planken zu begehen ist. Das ist aus Wassertanks ausgetreten, die vorübergehend als Ballast dienen. „Das Schiff braucht 25 Tonnen Ballast“, sagt Jagusch. Vorne, vor dem Bug, sind Steine abgelegt. Steine werden auch die weiter hinten stehenden Wassertanks ersetzen. Sie werden dauerhaft als Gewicht in der Bilge, einem Bereich unterhalb des Fußbodens, bleiben.

Viel Platz an Deck

Schon heute kann man erkennen, es wird viel Platz sein auf der „Roland von Bremen“: ein großer Raum im Inneren unter Deck. Viel Platz an Deck, wo heckseitig am Kastell, einer Aufbaute, gearbeitet wird. Eine Theke und ein WC sollen darin unterkommen. Oben soll es ein weiteres Deck geben.

Es wartet noch viel Arbeit auf die Mitarbeiter von Bras, darunter 3 500 Meter Fugen auf dem Oberdeck und dem Deck auf dem Kastell. „Alles muss gefräst werden und dann kommt eine Gummifuge rein“, sagt Jagusch. Schnell muss es nun unter Deck weitergehen. „Priorität ist jetzt, dass der Fußboden reinkommt und eine Werkstatt.“

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