Buch und Schau zu Andrea Palladio / Autor Plagemann unerwartet gestorben

Einflussreicher Architekt

Ein Beispiel für die Palladio-Architektur in Bremen: das Medienhaus in Schwachhausen.

Bremen - Von Corinna Laubach. Dass es manchmal im Leben ganz anders kommen kann, das musste jetzt Eberhard Syring erfahren. Dem wissenschaftlichen Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur stand gestern Morgen der Schreck noch deutlich im Gesicht.

Eigentlich sollte der einstige Senatsrat für Wissenschaft und Kultur, Volker Plagemann, sein soeben erschienenes Buch über Andrea Palladio und eine dazu konzipierte kleine Schau vorstellen. Doch am Donnerstag ist Plagemann überraschend gestorben.

„Es war so etwas wie sein großes Alterswerk“, sagt Syring. Statt einer großen Feierstunde zur Eröffnung der Architekturschau „Palladio und der Palladianismus in Bremen“ ist gestern Abend eine stille Eröffnung inszeniert worden. Plagemann, 1938 in Hamburg geboren, war eng mit dem Bremer Zentrum für Baukultur (BZB) in der Überseestadt verbunden, Autor zahlreicher Werke der BZB-Reihe. „Ein großer Architekturkenner, der hier eine enorme Lücke hinterlassen wird“, sagt Eberhard Syring.

Plagemann hat sich in seinem nunmehr letzten Buch „Die Villen des Andrea Palladio“ mit einem der einflussreichsten Architekten der westlichen Welt auseinandergesetzt. Die Villen im tempelartigen Stil prägten seit der Renaissance Stadtbilder vor allem in Italien. Das Weiße Haus oder das Kapitol in Washington sind ohne Palladios Bauten nicht denkbar und gelten als bekannteste Bauwerke weltweit für diesen Stil. Auch in Bremen finden sich Palladio-Motive wieder, „die oftmals fälschlicherweise dem Klassizismus zugeordnet worden sind“, sagt Syring. Tatsächlich gebe es aber keine klare Trennung zwischen Palladianismus und Klassizismus – und darüberhinaus hat sich die Bauweise Andrea Palladios bis in die Postmoderne bewahrt. Auch in der Hansestadt gibt es prägnante Bauwerke, die die gesamte Zeitspanne abdecken. Von der schmucken Villa an der Schwachhauser Heerstraße, in der heute das Bremer Medienhaus residiert, über moderne Bankbauten (ebenfalls Schwachhauser Heerstraße/Ecke Kirchbachstraße) oder postmodernen Familienvillen in Oberneuland. Volker Plagemann hat in seinem Buch alle 40 architektonisch imposanten Villen in Venetien in einzelnen Kapiteln detailliert untersucht. Verbunden werden die Porträts mit neuesten Erkenntnissen aus der Gegenwartsforschung. Seit 2001 lehrte Plagemann als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg.

Die kleine Werkschau zu Palladio beschreibt anhand historischer Aufnahmen und moderner Fotografien sowie einer kleinen Anzahl an Aquarellzeichnungen einen Architekten und seinen stilistischen Siegeszug um die Welt.

· „Die Villen des Andrea Palladio“ von Volker Plagemann ist bei Ellert & Richter erschienen. Das Buch kostet 29,95 Euro.

· „Palladio und der Palladianismus in Bremen“ läuft bis zum 24. Juni im Bremer Zentrum für Baukultur, Am Speicher XI – montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonntags 15 bis 18 Uhr.

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