Spektakulärer Diebstahl: Nach „Deal“ Bewährung für Trio

Einfach weg: Millionen von Zigarillos

Leergeräumt – in etwa so könnte es nach dem spektakulären Diebstahl von mehr als 157 000 Stangen Zigarillos in den Räumen der einstigen Brinkmann AG, wo derzeit unter anderem Büros und Lofts entstehen, ausgesehen haben. 
Foto: KOLLER
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Leergeräumt – in etwa so könnte es nach dem spektakulären Diebstahl von mehr als 157 000 Stangen Zigarillos in den Räumen der einstigen Brinkmann AG, wo derzeit unter anderem Büros und Lofts entstehen, ausgesehen haben. Foto: KOLLER
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Bremen – Die Lager waren voll, und das wussten die Täter offenbar, als sie im April 2014 in die Räume des einstigen Tabakproduzenten Brinkmann AG in Woltmershausen eindrangen. Sie hatten es auf nichts Geringeres als 175 Paletten Zigarillos abgesehen. Zwei Nächte, etwa zehn Täter, mehrere Kastenwagen und kriminelle Energie – Zutaten für einen Millionen-Coup. Am Donnerstag wurden drei Beteiligte vor dem Landgericht Bremen zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der mutmaßliche Drahtzieher bleibt bis heute verschwunden.

Sie versprachen sich das große Geld – und hofften wohl darauf, dass ihnen niemand auf die Spur kommen würde. Doch mehr als sechs Jahre nach dem spektakulären Einbruch auf dem Firmengelände des Tabakkonzerns Brinkmann wurden nun drei Männer des besonders schweren Diebstahls und der Hehlerei schuldig gesprochen und zu Haftstrafen verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Strafkammer 2 des Bremer Landgerichts verhängte gegen zwei Männer, beide türkischer Herkunft, jeweils Bewährungsstrafen von einem Jahr und fünf Monaten. Die beiden 40-Jährigen hatten sich, so die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung, zwar nicht am eigentlichen Diebstahl beteiligt, jedoch sorgten sie nach eigener Aussage dafür, dass insgesamt 48 Paletten auf einen Pferdehof nach Groß Ippener transportiert wurden. Von dort aus sollten die Zigarillos weiterverkauft werden. Doch der Plan ging nur bedingt auf: Zehn Paletten wurden bei einem weiteren Transport ins brandenburgische Bernau von der Polizei sichergestellt. Von den 60 000 Euro, die den beiden dafür von Hintermännern versprochen worden seien, erhielten sie nur einen Bruchteil.

Millionen-Coup

Die Kammer geht bis heute mit „sehr großer Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass am Millionen-Coup etwa zehn Personen beteiligt gewesen waren, die aus dem Umfeld des einstigen Tabakproduzenten gekommen sein müssen. Einer von ihnen, ein Bulgare, fungierte nach eigener Aussage als Beifahrer und half dabei, Teile der mehr als 157 000 Stangen (rund 26,7 Millionen Zigarillos) in Kleinlaster zu verladen und wegzufahren. Er wurde zur einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Bei allen drei Männern beträgt die Bewährungszeit zwei Jahre.

Fluchttüren manipuliert

Doch wie war es den Tätern überhaupt möglich, so große Mengen Zigarillos abzutransportieren, ohne dass es jemand bemerkte? Hier kommt der mutmaßliche Drahtzieher ins Spiel, den die Justiz bis heute nicht dingfest machen konnte. Der Mann soll als Prokurist einer Sicherheitsfirma gearbeitet haben, die mit der Überwachung des Firmengeländes betreut war. Er soll es auch gewesen sein, der die Fluchttüren so manipulierte, dass trotz Einbruchs kein Alarm ausgelöst wurde. Von dem Mann fehlt bislang jede Spur – genau wie von den restlichen 109 Paletten Zigarillos.

Geständnisse

Den Urteilen waren Verständigungsgespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten vorausgegangen. Umfassende Geständnisse gegen Bewährungsstrafen lautete, vereinfacht gesagt, der „Deal“. Da alle drei Angeklagten diesem Angebot nachkamen, ersparte sich das Gericht mindestens 16 Verhandlungstage. „Wir hätten viele, viele Zeugen hören müssen – ein sehr umfassendes Beweisprogramm“, so die Vorsitzende Richterin.

Gegen einen weiteren Mann, der am Diebstahl beteiligt gewesen sein soll, wird gesondert verhandelt. Ob sich der mutmaßliche Hintermann jeweils vor Gericht verantworten muss, gilt als unwahrscheinlich. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt.

Von Steffen Koller

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