Nostalgie gepaart mit Moderne

Stehende Ovationen bei Roncalli-Premiere in Bremen

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Paolo Casanova nimmt das Publikum als Clown Carillon mit auf eine nostalgische Reise.

Bremen - Von Steffen Koller. Der Circus Roncalli hat am Sonnabendabend beim Start seiner Geburtstagstour „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ für ein ausverkauftes Zelt auf der Bremer Bürgerweide gesorgt.

Ganz nebenbei entführten Artisten, Clowns und wahre Multitalente das Publikum in eine Show voller Nostalgie und Moderne, die besonders durch eines bestach: Sie konzentrierte sich aufs Wesentliche. Keine doppelten Nummern, keine halbherzigen Sachen, keine Lückenfüller – einfach guter Zirkus.

Etwas dümmlich kommt er schon daher, mit seinem Schlapphut und dem gestreiften Pullover. Schüchtern begrüßt Robert Wicke das Publikum nach etwa 30 Minuten Show. Was die Besucher nun erwartet, damit hat wohl niemand gerechnet. Das Multitalent Wicke lässt auf Tischen und Stühlen Rhythmen entstehen und gibt Alltagsgegenständen ein unwirkliches Eigenleben. 

Während andere seiner Kollegen mit Muskelkraft und einem überdurchschnittlichen Gleichgewichtssinn die rund 1.500 Zuschauer begeistern, macht Wicke – sagen wir – Mundakrobatik. „Beatbox“ heißt das auf Neudeutsch – mit dem Mund Geräusche erzeugen, die so klingen, als würden sie aus Maschinen stammen. Seine Auftritte gehören nicht nur zu Höhepunkte der etwa zweistündigen Show, sie zeigen auch die Ausrichtung der Geburtstagstour: Altbewährtes trifft auf Trends des 21. Jahrhunderts, Nostalgie paart sich mit Moderne.

Akrobatik und Clownerie

Da ist auf der einen Seite das „Circustheater Bingo“. Junge Frauen mit feschen Frisuren und durchtrainierte Männerkörper wirbeln durch die Luft, auf Rollschuhen ziehen sie ihre Kreise auf dem Manegenboden. Ein Lächeln hier, eine Drehung dort, zum Schluss eine ausgefallene Choreographie. Auf der anderen Seite: Paolo Casanova alias Clown Carillon. Mit seinen Auftritten entführt der Italiener das Publikum in eine Welt der Poesie und in einen Mikrokosmos aus Seifenblasen und raffinierten Glockenspielen. Maschinen entwickeln ein kurioses Eigenleben, wenn der Mann mit roter Nase und einem schier unerschöpflichen Repertoire an Mimik durch das Innere des Zeltes schleicht.

„40 Jahre Reise zum Regenbogen“: Circus Roncalli in Bremen 

Es ist die Akzentuierung der Show von Direktor Bernhard Paul, die ihren Reiz ausmacht. Lückenfüller sucht man hier vergebens. Keine halbherzigen Darbietungen, die nur die Zeit überbrücken sollen zu den vermeintlich wirklich guten Dingen der Zirkuswelt. „Nur“ eine Jonglage-Einlage des gerade mal 19-jährigen Ty Tojo, doch das reicht. Sie ist perfekt gemacht. „Nur“ eine Schleuderbrett-Nummer des preisgekrönten ungarischen Trios Császár. Auch diese raubt vielen Zuschauern den Atem – genau wie die Kontorsionsakrobatik der gerade mal 18 Jahre alten Lili Paul. Circus Roncalli beschränkt sich auf das Wesentliche – und sorgt am Ende für stehende Ovationen.

Da stört es auch nicht weiter, dass die Premiere eine halbe Stunde später beginnt. Viele Besucher sind ohne Sitzplatz, als die Manege schon längst geöffnet haben sollte. Doch auch damit gehen Mitarbeiter und Direktor Bernhard Paul souverän um. Eine prompte Entschuldigung kurz vor Beginn der Show und aufkeimender Unmut wird mit einem Lächeln weggezaubert.

„40 Jahre Reise zum Regenbogen“ läuft noch bis zum 10. Dezember auf der Bremer Bürgerweide. Karten gibt es an den Verkaufsstellen unserer Zeitung.

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