Elisabeth Steineke und die Glasfenster von St. Martini

„Bremer Frauen-Geschichten”: Der Weg einer Künstlerin

Elisabeth Steineke gestaltete 1959 die farbenprächtigen Fenster in der Kirche St. Martini am Weserufer in der Innenstadt. - Foto: Regina Contzen

Bremen - Von Nina Seegers. Wenn die Sonne durch die Fenster der Kirche St. Martini scheint, erstrahlt der Chorraum in satten Farben und funkelnden Lichtern. Gestaltet hat diese Fenster 1959 die Bremerin Elisabeth Steineke (1909-2003). Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer großen Künstlerin entwickelt. Ihr ist eine Folge unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” gewidmet.

„Wir Kinder, Enkel meiner Großeltern, im ganzen siebzehn, malten und zeichneten eigentlich alle…”, erinnert sich Elisabeth Steineke geborene Lehmann später. Schon als junges Mädchen zeigt sie ein großes künstlerisches Talent. Nach ihrem Schulabschluss am Kippenberg-Lyzeum 1929 zieht es die Bremerin zunächst nach Berlin, wo sie die Hochschule für Kunsterziehung besucht. Für die damals etwa 20-Jährige müssen jene Jahre in der deutschen Hauptstadt eine prägende Zeit sein. Sie sammelt viele Inspirationen und trifft interessante Persönlichkeiten. Nach der Machtübernahme der Nazis findet dieser Lebensabschnitt für die junge Bremerin aber bald jähes Ende: Viele ihrer Lehrer – in den Augen der Nazis allesamt „Kulturbolschewisten” – werden von den Nationalsozialisten verfolgt, viele ihrer Ateliers geschlossen.

Elisabeth Steineke kehrt also Mitte der 30er Jahre nach Bremen zurück und heiratet den Baumwollkaufmann Friedrich Steineke. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bekommt das Ehepaar drei Kinder und wohnt in der Saarlautener Straße in Schwachhausen. Die Ehe soll jedoch nicht lange halten, denn Friedrich Steineke wird aus dem Krieg nicht wieder zurückkehren...

In den 50ern verstärkt der Kunst gewidmet

Die junge Witwe kümmert sich also fortan allein um die Erziehung der Kinder. Nachdem sie mit ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter nach Kriegsende aus der Evakuierung in Thüringen nach Bremen zurückkehrt, steht ihr Haus in Schwachhausen zwar noch, ist aber von den Amerikanern vorerst beschlagnahmt. Als es wieder freigegeben wird, muss sich Steineke das Haus mit einer anderen Familie teilen. Zum Malen kommt sie in dieser Zeit nur selten.

Erst in den 50er Jahren kann sie sich wieder verstärkt der Kunst widmen und beschäftigt sich erstmals auch mit Lithografien. 1955 erhält sie den Auftrag, Fenster in einer Kapelle zu gestalten. Damit muss sich die Malerin erstmals auch mit Architektur, der räumlichen Wirkung ihres Werkes sowie dem Verhältnis von Licht und Raum auseinandersetzen.

Ausstellungen bis in die 90er Jahre

Mit der Zeit bekommt sie weitere Aufträge für die Gestaltung von Kirchenfenstern in Essen, Marburg und Bremen und kann damit den nötigen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen. Den wohl bedeutendsten Auftrag erhält sie 1959 von der Kirchengemeinde St.  Martini. Die im Krieg zerstörte Kirche an der Schlachte wird damals wieder aufgebaut und Steineke gestaltet das hohe Neanderfenster, das Martinsfenster sowie die acht Chorfenster.

Ab den 60er Jahren wendet sich Steineke wieder verstärkt Zeichnungen und Aquarellen zu. Bis in die 90er Jahre hinein gestaltet sie unter anderem Ausstellungen in der Bremer Kunsthalle, im Focke-Museum in Schwachhausen und zuletzt auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck. Elisabeth Steineke stirbt 2003 im hohen Alter von 93 Jahren.

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