In einem „entzückenden Gasthause“

„Verschwunden“: Theodor Fontane hat Hillmanns Hotel ein literarisches Denkmal gesetzt

Hillmanns Hotel auf einer kolorierten Postkarte aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts. Das Hotel galt als vornehmstes Haus am Platz. Fontane pries es in einem Brief an seine Frau und in seinem Roman „Cécile“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Theodor Fontane hat Briefe von hier abgeschickt. Weit über Bremens Grenzen hinaus hatte Hillmanns Hotel – damals gerne vornehm „Hôtel“ geschrieben – einen sehr guten Ruf. Der Hillmannplatz wurde Ende der 50er Jahre nach dem Haus benannt. Hillmanns Hotel selbst war bei einem Bombenangriff am 6. Oktober 1944 durch Bomben zerstört worden. Heute ist das legendäre Haus Thema unserer Serie „Verschwunden“.

„Die Traube“ – so hieß Johann Heinrich Hillmanns Gastwirtschaft an der Westerstraße in der Neustadt. Dann kam der Eisenbahnverkehr nach Bremen. Das war ein enormer Entwicklungsschub für die Stadt, die in dieser Zeit wuchs und sich stark veränderte. Das bot neue Möglichkeiten, wie Hillmann erkannt hatte.

Anno 1847 wurde der Hannoversche Bahnhof eröffnet (und 1885 – vor dem Bau des Hauptbahnhofs – wieder abgerissen). Es war der erste Bahnhof Bremens. Im selben Jahr, also auch 1847, eröffnete Hillmann sein „Hôtel“ am Herdentor, das seit 1845 gebaut worden war – ganz in der Nähe des Hannoverschen Bahnhofs also, von dessen Passagierverkehr der Gastwirt profitieren wollte.

Hillmanns Hotel – das war nicht irgendeine Herberge. Es wurde nach und nach das feinste Haus am Platze. Es lag verkehrsgünstig und – mit Blick auf die Wallanlagen – zugleich idyllisch im Grünen. Und es war ein Haltepunkt für Postkutschen.

Ein Baumeister des Bürgertums

Architekt des Gebäudes war Heinrich Müller (1819 bis 1890) – ein Star seiner Zeit, ein Baumeister des Bürgertums, der im prosperierenden Bremen einige so markante wie repräsentative Bauwerke schuf. Mal tendierte er zur Tudor-Gotik wie beim burgähnlichen Firmen- und Wohngebäude für den Weinhändler Ludwig von Kapff an der Weserbrücke – an dieser Stelle steht heute (noch) der Kühne-und-Nagel-Bau. Mal tendierte Müller zur üppig verzierten Neorenaissance – wie beim Wohnhaus für den Unternehmer, „Petroleumkönig“ und Mäzen Franz Ernst Schütte (1836 bis 1911) an der Kohlhökerstraße. Auch bei der 1864 eingeweihten neogotischen und – angesichts ihrer Umgebung – wuchtigen „Neuen Börse“ an der Ostseite des Marktplatzes sparte er nicht an Prunk und Schmuck. Wo einst die „Neue Börse“ stand, ist heute übrigens das Haus der Bürgerschaft zu finden, das in den 60er Jahren die Nachkriegsmoderne an den Marktplatz brachte.

Doch zurück in Hillmanns Hotel. Im Sommer 1880 hatte Theodor Fontane (1819 bis 1898) hier logiert. In einem Brief an seine Frau fand er lobende Worte: „Dann ging ich in die Stadt – das sehr schöne Hotel liegt am Rande, am ehemaligen Wall – und flanierte vier Stunden, kaufte mir Plan und Büchelchen und kennen nun Bremen fast so gut wie Berlin.“

Hauptfiguren reist nach Bremen

So sehr hatte es ihm gefallen, dass er das Hotel einige Jahre später in seinem Roman „Cécile“ auftauchen ließ, den er in den Jahren 1884 bis 1886 schrieb und der ein fontanetypisches tragisches Frauenschicksal zum Thema hat.

Wo einst Hillmanns Hotel stand, wurde in den 80er Jahren neu gebaut. Heute ist das Swissôtel in dem Backsteinbau. - Foto: Kuzaj

Eine der Hauptfiguren reist nach Bremen: „Den andern Morgen war er in Bremen und nahm Wohnung in Hillmanns Hotel, einem entzückenden Gasthause, das er schon aus früheren Aufenthalten kannte. Die Fenster in seinem Zimmer standen auf, und er sah abwechselnd über die die Vorstadt von der Altstadt trennende Esplanade hin in die buntbelebte Sögestraße hinein und dann wieder unmittelbar auf eine neben der ganzen Hotelfront hinlaufende, mit Kies bestreute Rampe, darauf die Gäste saßen und eben ihren Frühkaffee nahmen.“

Heute können das die Gäste des Swissôtels – wieder mit vornehmem „ô“ – tun. Nach dem Krieg war das Grundstück zunächst für eine Passage (mit Café) genutzt worden. 1971 wurde die Passage abgerissen. Jahrelange Diskussionen und Planungen folgten. 1985 eröffnete das Plaza-Hotel. Später übernahm die Marriott-Kette das Haus. Und dann kam das Swissôtel in den Backsteinbau.

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