Arbeiten im Zeitplan

„Wie ein Gemälde“: Bremer „City-Gate“ nimmt Formen an

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Höher geht es nicht: Blick vom Baugerüst zwischen den beiden Häusern des „City-Gate“ in rund 27 Metern Höhe durch die Passage auf den Bremer Hauptbahnhof.

Bremen - Von Viviane Reineking. Bloß nicht nach unten schauen. Konzentriert einen festen Schritt nach dem anderen machen. Der Weg auf das Dach des „City-Gate“ führt für die Fotografen über das im Rohbau befindliche Treppenhaus ins sechste Stockwerk. Dann geht es über ein Gerüst an der Fassade bis ganz nach oben. Von einer Konstruktion zwischen den beiden Gebäudeteilen eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf den Bremer Hauptbahnhof.

Dunkle Wolken über dem neuen „Tor zwischen Bahnhof und City“, wie die Werbe- und Vertriebsfachleute das 100-Millionen-Euro-Großprojekt getauft haben. Nicht sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während sich ein wenig Regen ankündigt, liegen die Arbeiten voll im Zeitplan, sagen Geschäftsführer Ulf Wachholtz und Projektleiterin Susanne Freye vom Projektentwickler Achim Griese aus Hamburg. Endgültig fertig sein soll das „City-Gate“ mit Büros, zwei Hotels Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastronomie und Brepark-Tiefgarage spätestens Ende März 2019.

Stillstand und Rückschläge hatte es in der vergangenen Bauzeit gegeben, als etwa während der Erdarbeiten die Umgebung absackte, die Hochstraße sich neigte und aufwendig wieder gerichtet werden musste. „Ein schmaler Grat“ sei der Tiefbau zeitweise gewesen, so Wachholtz, mit einer „großen Portion Demut“ standen die Verantwortlichen vor ihrem Projekt. Zuletzt wurde im April eine junge Frau tot auf der Baustelle entdeckt, mutmaßlich starb sie an einer Drogen-Überdosis.

Zurück in die Gegenwart: Einer, der am Freitag den schwierigen Weg nach oben aufs Dach gewagt hat, ist Carsten Sieling (SPD). Zuvor machte sich der Bürgermeister gemeinsam mit dem Schweizer Architekten Max Dudler (Berlin/Zürich) ein Bild vom Stand der Arbeiten. Thema unter anderem: die rund 15 Meter breite und etwa 70 Meter lange Passage zwischen den beiden dreiecksförmigen Häusern. „Ein schöner Blick Richtung Bahnhof“, findet Sieling. „Von den Gebäudeteilen eingerahmt, ein wenig wie ein Gemälde.“

Architekt Max Dudler (l.) und Bauherr Ulf Wachholtz vom Projektentwickler Achim Griese im Fachgespräch. 

Mit der Passage habe man auf die Stadt und ihren Wunsch nach öffentlichem Raum Rücksicht genommen, sagt Dudler. Kritik gab und gibt es an der Bebauung des Platzes an sich, außerdem sei der 130 Jahre alte Bahnhof kaum mehr zu sehen, so die Gegner. Durch die Häuser habe der Bahnhofsvorplatz wieder eine Fassung bekommen, entgegnet der preisgekrönte Architekt. Und mit den 27,50 Meter hohen Gebäuden erscheine der Bahnhof nicht nur größer als zuvor, sondern rücke auch näher an die Innenstadt heran, so Dudler. Alles wirke genau so, wie er es sich in seinem Geiste vorgestellt habe: „Eine zeitlose Baukunst, die noch in 100 Jahren modern ist.“

Die Fassade aus sandfarbenem Naturstein rückt von Geschoss zu Geschoss immer weiter nach innen. Dudler nennt es eine „Transformation der norddeutschen Gotik, die Gotik hat ja auch immer etwas Aufstrebendes“. Deutlich handfester geht es bei den Gewerken zu: Gearbeitet wird nicht nur an der Fassade. Maler, Trockenbauer und Haustechniker sorgen auch dafür, dass der Innenausbau voranschreitet.

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